Neue Anlagen in Schaafheim und Groß-Umstadt möglich

Mehr Windräder in Sichtweite von Babenhausen

Das Funkfeuer „Charly“ bei Großostheim. Im Hintergrund der Schaafheimer Wartturm und die beiden großen Windräder auf dem Binselberg.
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Das Funkfeuer „Charly“ bei Großostheim. Im Hintergrund der Schaafheimer Wartturm und die beiden großen Windräder auf dem Binselberg.

Der Blick aus Hergershausen und Sickenhofen gen Odenwald könnte bald auf weitere Windkraftanlagen (WKA) treffen. Denn eine Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums bringt frischen Wind in festgefahrene Projekte zum Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energien.

Darmstadt-Dieburg - Und eröffnet Flächenpotenziale auf Vorrangflächen des Teilplans Erneuerbare Energien im Regionalplan Südhessen, die bisher wegen ihrer Nähe zu Funkfeuern der Deutschen Flugsicherung tabu waren.Investoren haben das erkannt. Mehrere von ihnen sind deshalb bereits beim Schaafheimer Gemeindevorstand vorstellig geworden.

Denn die Gemeinde verfügt über zwei dieser Vorrangflächen: eine eher kleine auf dem Höhenzug südlich der Buchertsgräben zwischen der Kerngemeinde und dem Ortsteil Schlierbach, und eine größere in einem entlegenen Zwickel der Gemarkung südlich der Ortsteile Radheim und Mosbach, schon näher dem Groß-Umstädter Stadtteil Dorndiel. Nicht weit davon, auf Höhenzügen, die nördlich des Groß-Umstädter Stadtteils Heubach beginnen und sich in einem Bogen entlang der Gemarkungsgrenze zu Breuberg nach Süden ziehen, sind im Plan weitere Vorrangfläche ausgewiesen. Dort, in Nähe der L3413 zwischen den Groß-Umstädter Stadtteilen Raibach und Dorndiel, hat die Entega zusammen der lokalen Investorengruppe Proreo schon vor Jahren drei WKA geplant. Das Projekt hat sich aber im Genehmigungsverfahren am ultimativen Widerstand der Deutschen Flugsicherung (DFS) festgefahren, die wenige Kilometer weiter, bei Großostheim, das Funkfeuer „Charly“ betreibt. „Vier sind genug“, lautete das ultimative Verdikt aus Langen. Gemeint waren damit die vier bereits in Betrieb befindlichen WKA auf dem Binselberg, deren Rotoren die Charly-Funkstrahlen aus Sicht der DFS schon bis an die Grenze des Vertretbaren durcheinanderwirbeln.

Auch für die Schaafheimer Vorrangflächen galt bislang ein striktes „No-Go“ der DFS. Nun hat aber der Bund eine mit Fördermitteln unterfütterte Initiative gestartet, durch die solcherart blockierte Flächen frei gemacht werden sollen. „Mit der Umrüstung der Drehfunkfeuer werden zusätzliche Flächen für die Errichtung von Windenergieanlagen mit einer Leistung von rund 700 Megawatt frei. Weitere Flächen werden dadurch frei, dass die DFS die Luftfahrtnavigation weitgehend auf satellitengestützte Verfahren umstellt. Die nicht mehr benötigten Drehfunkfeuer am Boden können zurückgebaut werden. Das schafft weitere Flächen für den Windenergieausbau“, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

Die Botschaft ist in Langen angekommen. „Wir beabsichtigen, das Funkfeuer Charly auf eine neue Technik umzustellen, die weniger sensibel für Störungen durch WKA-Rotoren ist“, bestätigt DFS-Sprecherin Christina Kehlert. „Und wir befinden uns im Dialog mit Investoren.“ Nach derzeitiger Planung soll die Umstellung bereits Ende 2023 abgeschlossen sein. Umgestellt werden soll übrigens auch das Funkfeuer Metro bei Nidderau, das dort WKA-Projekte der Mainova und privater Investoren blockiert.

Informiert ist inzwischen auch Entega-Unternehmenssprecher Michael Ortmanns, der aber auch darauf hinweist, dass trotz aller positiven Signalen es Vorbehalte gibt. „Ob tatsächlich, durch eine Umrüstung des Funkfeuers ‘Charly’, der Weg frei für Windenergieanlagen ist, bleibt abzuwarten. Denn selbst nach erfolgter Umrüstung bedarf es einer weiteren Einzelfallprüfung, ob das Projekt tatsächlich mit den Belangen der Luftfahrtbehörde vereinbar ist.“

Für den Schaafheimer Bürgermeister Daniel Rauschenberger ist die Umrüstung von „Charly“ Anlass, den Kontakt zu den Bürgern zum Thema WKA zu suchen – wohl auch eingedenk der Tatsache, dass fast überall, wo es solche Projekte gibt, auch Bürgerinitiativen entstehen, die gelegentlich geradezu verbittert dagegen kämpfen. Deshalb hat erder Gemeindevertretung einen Antrag vorgelegt, mit Unterstützung der LandesEnergieAgentur (LEA) einen Bürgerdialog zu beginnen. „Die LEA Hessen übernimmt im Auftrag der Hessischen Landesregierung zentrale Aufgaben bei der Umsetzung der Energiewende und des Klimaschutzes“, heißt es auf der Homepage der landeseigenen GmbH. Einstimmig nahmen die Gemeindevertreter den Antrag an. (sr)

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