Coronavirus-Haustierboom

Kommt jetzt die Rückgabewelle in Tierheimen? „Wir erwarten noch einige Tiere“

Das Tierheim in Babenhausen kümmert sich um abgegebene Tiere.
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Das Tierheim in Babenhausen kümmert sich um abgegebene Tiere.

Wohin mit dem Haustier in der Urlaubszeit? Tierheime befürchten einen Ansturm wegen der Corona-Lockerungen. Wie die Einrichtungen in Babenhausen und Münster die Lage einschätzen.

Babenhausen/Münster – Die Sommerferien haben begonnen. Dank gelockerter Corona-Regeln dürfen urlaubshungrige Menschen wieder sonnige Reiseziele ansteuern. Ein Haustier sorgt dabei jedoch für Probleme. Insbesondere zu Beginn der Pandemie schnellte die Nachfrage nach tierischen Begleitern in die Höhe. Doch nun möchten viele Besitzer ihre Tiere wieder loswerden. Tierheime befürchten daher einen regelrechten Ansturm.

Auch im Tierheim Babenhausen, getragen vom Tierschutzverein Babenhausen/Münster, beschäftigt man sich mit der drohenden Welle ungewollter Vierbeiner. „Bisher wurden bei uns erst zwei Tiere aus solchen Gründen abgegeben“, sagt Marcus Neff, hauptamtlicher Pfleger im Tierheim. „Es ist allerdings davon auszugehen, dass wir noch einige Tiere erwarten können.“ Sorgen wegen möglicher Kapazitätsprobleme hat Neff jedoch noch nicht. „Ich denke wir werden mit dem Ansturm gut klarkommen.“ Lediglich wegen „unverträglicher Hunde“ mache er sich Gedanken. „Dann könnte es eng werden, da solche Tiere separat gehalten werden müssen.“

Tierheime während Corona: Bis zu 50 Tiere in 2020 abgegeben

Im vergangenen Jahr wurden 40 bis 50 Tiere abgegeben – aufgrund von Lockerungen und Sommerurlaub rechnet der Tierpfleger für dieses Jahr jedoch mit deutlich höheren Zahlen. „Dann kommen die Leute, die sich vorher keine Gedanken darüber gemacht haben, wo sie ihre Tiere während der Ferien lassen können und wollen sie wieder loswerden“, erklärt Neff. Ein Trend, der sich seit Beginn der Corona-Pandemie in zahlreichen Kommunen bemerkbar macht. Im Falle einer Abgabe im Tierheim Babenhausen wird eine Gebühr fällig. Diese kann, je nach Zustand des Tieres, zwischen 50 und 120 Euro betragen. Auch das Tierheim Hanau hat kürzlich erklärt, eine „Abgabewelle“ aufgrund der Coronapandemie zu befürchten.

Einen Grund für die bisher noch niedrige Anzahl von Abgabetieren in Babenhausen sieht Neff in den strengen Auflagen des Tierheims, wenn es um die Vermittlung geht. „Wir haben schon radikal Leute aussortiert, bei denen klar war, dass sie ohnehin keine Zeit für Hund oder Katze haben.“ Doch eben jene Menschen beschaffen sich die Tiere dann oftmals über andere Wege, etwa im Netz. Die Anbieter sind dabei jedoch häufig unseriös. „Solche Hinterhofzüchtungen sollten verboten werden. Da geht es nur um schnelles Geld“, warnt Neff, der dieses Vorgehen als „falschen Weg“ bezeichnet. „Die Leute sollten sich zudem vorher richtig informieren, dann wüssten sie, dass nicht jedes Tier gleich ist.“

Coronavirus-Pandemie verhilft schwer vermittelbaren Tieren zu Familien

Doch der Tierpfleger kann der Corona-Pandemie für Haustiere auch positive Seiten abgewinnen. Insbesondere aggressiven, schwer vermittelbaren Tieren komme die Pandemie zugute. „Die Leute haben jetzt mehr Zeit, sich auch mit solchen Tieren auseinanderzusetzen“, erklärt Neff. Die Zahl der ausgesetzten Tiere in Babenhausen ging laut dem Tierpfleger zudem trotz Corona im Vergleich zum Vorjahr zurück.

Auch im Kreistierheim Münster, dem Dieburg und Groß-Zimmern angeschlossen sind, bietet sich ein ähnliches Bild. „Im Corona-Jahr sind deutlich weniger Fundtiere bei uns angeliefert worden. Waren es in den vergangenen Jahren jährlich um die 160 bis 180 Tiere, so schrumpfte deren Anteil jüngst auf ungefähr 100 Tiere im Jahr“, erklärt Barbara Mosch-Schlösser, Leiterin des Heims. Auch seien während der Pandemie deutlich mehr Spenden für die Vierbeiner in Münster eingegangen. So bietet die aktuelle Situation neben Belastung und Problemen für Heime auch eine positive Seite für die Tiere, die darauf hoffen, ein neues Zuhause zu finden. (Jan Lucas Frenger)

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