Bürgermeister Dominik Stadler stellt zwei Modelle vor

Wird Babenhausen wieder zum Kita-Träger?

Noch ist der ASB Betreiber von acht Kitas in Babenhausen und den Stadtteilen.
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Noch ist der ASB Betreiber von acht Kitas in Babenhausen und den Stadtteilen.

Wer wird zukünftig die acht Kindertagesstätten betreiben, die derzeit noch in der Hand des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) sind? Mögliche Antworten auf diese Frage stellte Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig) jüngst sowohl im Sozial- als auch im Finanzausschuss vor.

Babenhausen - Wobei es derzeit auf zwei Modelle hinausläuft. Entweder ein Ausschreibungsverfahren startet, um die Kitas von freien Trägern betreiben zu lassen. Oder die Stadt übernimmt selbst wieder die Trägerschaft.

Zur Erinnerung: Die Stadtverordneten hatten den seit 2008 laufenden Vertrag mit dem ASB im vergangenen November gekündigt. Zu groß war das Misstrauen gegenüber dem Träger geworden, das im vergangenen Jahr in einen Akteneinsichtsausschuss mündete und wegen vertraglich umstrittener Fragen mittlerweile auch Juristen und vor Gericht verhandelt wird. Die ASB-Ära in Babenhausen wird damit im Sommer 2023 enden.

Zumindest scheint es danach auszusehen. Denn theoretisch könnte sich der ASB auch am Ausschreibungsverfahren beteiligen, wenn eine Mehrheit der Stadtverordneten diesen Weg gehen möchte. Wie Stadler berichtete, würde die Stadt aufgrund der Komplexität das notwendige europaweite Vergabeverfahrens über eine Anwaltskanzlei laufen lassen. Die Vergabe soll in zwei Losen (Kosten pro Ausschreibung zwischen 3500 und 5000 Euro) stattfinden. Bedeutet: Es werden zwei Betreiber gesucht. „Trägervielfalt ist bislang politischer Wille“, erklärt der Rathaus-Chef dazu, dass die acht Kitas nicht mehr an einen einzigen Betreiber gehen sollen. Neben dem ASB gibt es derzeit als weitere Kita-Träger die evangelische Kirchengemeinde, die Sense-Ability-Academy (Wald-Kita) und eine gemeinnützige GmbH, die die Interimskita in den „Kaisergärten“ betreibt. Im Spätsommer müsste die Entscheidung fallen, ob extern ausgeschrieben wird.

Wesentlich mehr Zeit investierte Bürgermeister Stadler im Finanzausschuss, um vorzustellen, wie die Stadt selber wieder Kitas betreiben könne. Dazu blickt er zunächst in die Vergangenheit, um aufzuzeigen, welche Hoffnungen die Stadt vor 15 Jahren hatte, als sie die Betreuung an den ASB abgab. Ein Gutachten hatten seinerzeit ergeben, dass die Kommune langfristig pro Jahr mehr als 300 000 Euro an Kosten einsparen könne und weniger Verwaltungsaufwand hätte. Stadlers Erkenntnis, gerade zu Letztgenanntem: „Ziel nicht erreicht.“ Darüber hinaus habe sich die Betreuung erheblich verändert. 2008 war U3-Betreuung noch kein Thema.

Der Bürgermeister skizzierte, wie er sich den Kita-Betrieb in Eigenregie vorstellen könne. Demnach würde ein eigener Fachdienst gegründet, der dem Finanz-Fachbereich unterstellt würde, wo bereits das Kita-Controlling stattfindet. Sechs Personalstellen sieht der Verwaltungs-chef dafür vor. Sie hätten sich im Vorfeld in anderen Kommunen, unter anderem in Rodgau, kundig gemacht, berichtete Stadler. Sein Tenor: Es ist machbar. Und er belegte das auch mit zahlreichen Berechnungen, die trotz geringer Fördermöglichkeiten als bei freien Trägern, zu einem für die Stadt finanziell guten Ergebnis führen könnten: Unter Strich sieht Stadler ein Einsparpotenzial von 270 000 Euro.

Die geballte Informationsflut von Verwaltungsseite, die Stadtverordnetenvorsteher Ingo Rohrwasser als „ersten Aufschlag“ bezeichnete, wird nun in den Fraktionen beraten. Stadler bot an, auch in die Fraktionssitzungen zu kommen, um das Präsentierte zu vertiefen und weitere Fragen zu beanworten. Zudem soll der Themenkomplex in einer gemeinsamen Sitzung des Sozial- und Finanzausschusses beraten werden, damit nach der parlamentarischen Sommerpause die Grundsatzentscheidung getroffen werden kann: ausschreiben oder selber machen. (Norman Körtge)

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