„Witches & Wizards“ Square Dance

US-Zauber zur Walpurgisnacht

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Präsident Gerhard Simon und seine Frau Sylvia gehören zu den Aushängeschildern von „Witches & Wizards“. Die Geburt des Vereins fand in Babenhausen statt.

Babenhausen/Rodgau - Es war die einstige US-Kaserne, die den Square Dance nach Babenhausen brachte. Heute leben Tanzstil und Passion im Verein „Witches & Wizards“ in Rodgau weiter. Mit der „Walpurgisnight“ geht es einmal im Jahr zurück zu den Wurzeln nach Babenhausen. Am Montag ist es in der Stadthalle wieder soweit. Von Michael Just

Der Square-Dance ist ein amerikanischer Volkstanz. Er wird in einem Quadrat, dem Square, in Gruppen zu je vier Paaren ausgeübt. Ein Ansager, Caller genannt, gibt die genau festgelegten Schritte und Figuren während des Tanzens vor. Das kann in gesprochener oder gesungener Form passieren. „Diese Calls sind weltweit normiert. So lässt sich sowohl in Deutschland als auch weltweit jederzeit problemlos mit Gleichgesinnten tanzen“, weiß Gerhard Simon, der Vorsitzende von Witches and Wizards in Rodgau. Geläufiger ist für den 54-jährigen Service-Techniker allerdings die Bezeichnung Präsident. Das liegt daran, dass durch den amerikanischen Bezug fast alle verwendeten Begriffe in englisch sind. Die Country-Musik bildet die wichtigste Grundlage für den Square Dance, die Kleidung ist an den Western-Style angelegt. Frauen tragen Petticoat, bei den Männern gehört ein langärmeliges Hemd, eine große Gürtelschnalle (Buckle) sowie eine schnurähnliche Krawatte, die von einer Brosche zusammengehalten wird (Bolotie), zum Standard. Der Cowboyhut taucht in der offiziellen Kleiderordnung nicht auf.

Rund 50 Vereinigungen existieren im Großraum Rhein-Main, 500 sind es in ganz Deutschland, die dem beliebtesten Volkstanz der USA nachgehen. Der ist in ganz Europa zuhause, was einmal im Jahr die European Square Dance Convention ermöglicht. Dann kommen 1000 bis 2000 Anhänger zusammen. Dieses Jahr ist Amsterdam der Treffpunkt. Mit seiner Frau Sylvia hat Gerhard Simon schon mehrfach internationale Luft geschnuppert. Der Spaß steht dabei im Vordergrund, denn Wettbewerbe sind beim Square Dance unbekannt.

Vereinslogo mit dem Hexenturm

Bei Witches & Wizards, was übersetzt Hexen & Magier bedeutet, sind rund 40 Köpfe aktiv. Die Mitglieder kommen neben Rodgau auch aus der Umgebung, darunter Babenhausen, Hanau oder Langen. Vor allem Babenhausen spielt in der 39-jährigen Geschichte des Vereins eine große Rolle: In der einstigen US-Garnison liegen die Anfänge, bevor sich im Lauf der Zeit Rodgau zur Basis entwickelte. „Über die ersten Jahre und den Umzug sind kaum Informationen überliefert. Im Hinblick auf unser 40-jähriges Bestehen 2019 ist es das Anliegen des Vorstands, in den nächsten Monaten mehr Licht in die Geschichte zu bringen“, erklärt Simon. Ansprechpartner, die die Zeit Mitte der 1980er Jahre in der US-Kaserne miterlebten, gibt es allerdings kaum noch. So besitzt der Präsident mit Dorrie van Cleef lediglich den Namen einer älteren Dame, die bei der Gründung und den Aktivitäten der ersten Jahre dabei war und immer noch in Babenhausen leben soll. An die Ursprünge erinnert heute vor allem das erste Vereinslogo, das den Hexenturm zeigt. Von diesem Bau wurde auch der Vereinsname „Witches and Wizards“ abgeleitet. Die Verlagerung nach Rodgau führte zu einem neuen Logo mit Zauberhut mit zwei Zauberstäben.

Bilder: Tag der offenen Kaserne in Babenhausen

Im Rodgauer Bürgerhaus und der Gartenstadtschule haben die tanzenden Hexen und Magiere zwei Plätze für ihre Clubabende zur Auswahl. Immer freitags wird zum Tanzen und geselligen Miteinander geladen. Die „Walpurgisnight“ stellt den Höhepunkt im jährlichen Vereinskalender dar. Dann kommen rund 200 Aktive zum großen Square-Dance. Nach der Registrierung am früher Nachmittag besteht bis zur Afterparty um 22 Uhr die Möglichkeit, das Parkett zu nutzen. Fand die Walpurgisnacht zuvor in Rodgau statt, zog man vor drei Jahren in die Babenhäuser Stadthalle. Gründe waren vor allem die bezahlbare Hallenmiete und das gute Gefühl, bei den Wurzeln zu sein. Das 40-jährige Bestehen wird schon jetzt fest in Babenhausen geplant. Zuvor gilt es aber, die aktuelle Walpurgisnight auszurichten. Die Vorzeichen sind gut: Gleich drei renomierte Caller wurden verpflichtet. Wer einmal einen Blick auf fliegende Petticoats und Boloties werfen will, ist bei freiem Eintritt zum Zuschauen willkommen. Neben der Pflege von Brauchtum soll ein bisschen Werbung für den Square Dance nicht fehlen.

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