Grundsatzbeschlüsse zu städtischen Immobilien auf der Agenda

In welche Immobilien soll Babenhausen investieren?

Sowohl in die Stadtmühle (oben) als auch in die Stadthalle muss viel Geld investiert werden, um sie als Versammlungsstätten zu erhalten. Die neu gewählten Stadtverordneten müssen dazu demnächst Grundsatzentscheidungen treffen.
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Sowohl in die Stadtmühle als auch in die Stadthalle (Bild) muss viel Geld investiert werden, um sie als Versammlungsstätten zu erhalten. Die neu gewählten Stadtverordneten müssen dazu demnächst Grundsatzentscheidungen treffen.

Zur konstituierenden Sitzung kommen die neu gewählten Stadtverordneten zwar erst am Donnerstag, 22. April, ab 19.30 Uhr in der Stadthalle zusammen, mit einem Dauerthema können sich die Fraktionen allerdings jetzt schon befassen: Dem Zustand der städtischen Immobilien.

Babenhausen - Bereits zum Ende der zurückliegenden Legislaturperiode in Umlauf gebracht, aber noch nicht in den politischen Gremien diskutiert, ist ein Grundsatzbeschluss zur Stadtmühle. Wie berichtet, sollen die Lokalpolitiker entscheiden, ob das unter Denkmalschutz stehende Gebäudeensemble verkauft werden soll, oder ob die Stadt einen Millionen-Betrag in die Hand nimmt, um die Gebäude vor allem brandschutz-technisch zu sanieren. Der Tenor aus dem Rathaus: „Aus baufachlicher und immobilienwirtschaftlicher Sicht ist der Verkauf der Stadtmühle vor dem Hintergrund der anstehenden Instandsetzungsmaßnahmen und der langfristigen Nutzungskosten sinnvoll.“ Mindestverkaufspreis: eine Million Euro.

Das letzte Wort hat letztendlich die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung. Auch ohne Debatte war zumindest vor der Kommunalwahl aus dem Umfeld der Parteien zu hören, dass man an der Stadtmühle festhalten wolle. So oder so. Die Versammlungsräume in der Stadtmühle können schon seit Längerem nur eingeschränkt genutzt werden und das Restaurant mit seinem schönen Biergarten an der Gersprenz ist ohne Pächter.

Lange bevor die Stadtmühle in den Fokus rückte, waren es die Friedel-Wiesinger Halle in Sickenhofen und das Bürgerhaus Hergerhausen. Anfang 2017 waren sie wegen Mängeln beim Brandschutz zeitweilig komplett geschlossen worden, da es unter anderem an Fluchtwegen mangelte. Nach ersten Nachbesserungen und unter Auflagen wurden sie sukzessive und eingeschränkt wieder geöffnet. Während die Wiesinger-Halle mittlerweile nach einer umfassenden brandschutztechnischen Sanierung und Erneuerung der Elektroinstallationen als Versammlungsstätte komplett sicher nutzbar gilt, ist beim Hergershäuser Bürgerhaus noch kein Land in Sicht. So werde etwa der Instandsetzungsbedarf an der Lüftungsanlage deutlich höher ausfallen als im Bauantrag zur Sanierung der Brandschutzmängel angenommen wurde, heißt es dazu aus der Stadtverwaltung. Bedeutet vor allem: Es muss mehr Geld in die Halle investiert werden als einst gedacht.

Sowohl in die Stadtmühle (Bild) als auch in die Stadthalle (Bild) muss viel Geld investiert werden, um sie als Versammlungsstätten zu erhalten. Die neu gewählten Stadtverordneten müssen dazu demnächst Grundsatzentscheidungen treffen.

Als größtes Sorgenkind erweist sich hingegen die Mehrzweckhalle in Harreshausen, die bereits seit Monaten gesperrt ist. Die über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Secondhand-Wuselbasare werden dort auch ganz ohne Corona-Pandemie bis auf Weiteres nicht stattfinden können. Die städtische Kinder- und Jugendförderung weicht mit ihren geplanten Sommer-Ferienspielen in die Markwaldhalle nach Langstadt aus. Die Harreshäuser Versammlungsstätte könnte gar ein juristisches Nachspiel haben. Im Kontext einer Neubewertung haustechnischer und sicherheitstechnischer Aspekte werde dort die Fragestellungen von möglichen Planungs- und Ausführungsmängeln in der 2015 abgeschlossenen Brandschutzmaßnahme in einem selbstständigen Beweisverfahren angegangen, teilt das Rathaus mit.

Im Zuge der vorbereiteten Planungen in Hergershausen und Sickenhofen habe die Bauverwaltung generell festgestellt, dass in den städtischen Hallen im Bereich der Haustechnik, insbesondere in den Gewerken Elektroanlagen und Lüftungstechnik, erheblicher Handlungsbedarf besteht, um die gesetzlichen Vorgaben an Gebäuden, die als Versammlungsstätten genutzt werden, einhalten zu können. Wie Bürgermeister Dominik Stadler auf Nachfrage berichtet, gehört dazu auch die Stadthalle, wo schon, wie seit Längerem bekannt, die Heizung, aber eben auch die Lüftungsanlage einer Sanierung bedarf. Sinnvollerweise sollte eine neue Lüftungsanlage auf dem Dach montiert werden, meinen die städtischen Experten. Bislang ist sie im Stadthallen-Keller. Ob allerdings das Dach solch eine Anlage tragen kann, müssen Statiker klären.

Zur vorläufigen Abschätzung des Umfangs des gesamten Nachbesserungsbedarfs an der Haustechnik in den städtischen Hallen und für die daraus abzuleitende Entwicklung von Sanierungskonzepten, sind zunächst weitere Untersuchungen unter Einbindung von externen Planungsbüros und Sachverständigen erforderlich. Auf der Grundlage der Untersuchungsergebnisse der externen Planer ist geplant bis zum Sommer eine Zusammenfassung der bis dahin festgestellten Sachverhalte zu erstellen. Diese sollen den politischen Gremien mit Vorschlägen von möglichen Szenarien zur Abarbeitung der festgestellten Mängel vorgelegt werden. Heißt: Die Stadtverordneten müssen entscheiden, ob und wie die Immobilien saniert, ein Neubau favorisiert oder gar Liegenschaften aufgegeben werden. „Es müssen Grundsatzentscheidungen getroffen werden“, macht Bürgermeister Stadler deutlich.

Da einige der Halle nicht uneingeschränkt genutzt werden können, erarbeitet die Verwaltung ein Konzept, um diese teilnutzbar machen zu können. Dies sei jedoch erst nach Eingang der Untersuchungsergebnisse vollständig möglich. (Norman Körtge)

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