„Wollen den Verein erhalten“

SV Sickenhofen vor ungewisser Zukunft

„Er macht sehr viel für den Verein, auch außerhalb des Platzes“ – Trainer Rafal Josefus.
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„Er macht sehr viel für den Verein, auch außerhalb des Platzes“ – SV Sickenhofen Trainer Trainer Rafal Josefus.

Nach der Trennung vom Vorsitzenden will der SV Sickenhofen nicht aufgeben. Eine wegweisende Versammlung ist für Dezember geplant.

Sickenhofen – Still war es zuletzt um den SV Sickenhofen geworden. Was einerseits mit der Corona-Zwangspause für Sport und Geselligkeit zu tun hatte, andererseits aber auch dem geschuldet, dass im Babenhäuser Stadtteil-Klub derzeit generell nicht allzu viel sportliches Leben herrscht. Grundsätzlich infrage stehe die Zukunft des 1958 gegründeten SVS aber nicht, sagt Edmund Weis.

Weis ist stellvertretender Vorsitzender und führt die Sickenhöfer derzeit kommissarisch. Grund: Kurz vor dem Lockdown trennte sich der Verein von seinem Vorsitzenden Christian Hockemeyer. Die Gründe bleiben bislang intern, die Folgen werden hinter den Kulissen aber schon aufgearbeitet. Und sollen am 11. Dezember auch in personeller Hinsicht abgeschlossen werden.

An diesem Tag nämlich findet die Mitgliederversammlung des SVS statt, bei der man auch den Vorstand neu wählen will. Dann soll unter anderem die Position an der Spitze des in den vergangenen Jahren auf weniger als 150 Mitglieder geschrumpften Vereins neu besetzt werden. Weis ist guter Dinge: „Wir arbeiten daran, dass das gelingt.“

Der Optimismus rührt unter anderem daher, dass das verbliebene Vorstandsteam derzeit vertraut miteinander umgehe. „Es läuft ganz gut, wir halten zusammen“, sagt Weis. „Jeder lässt seinen Worten Taten folgen. Wir versuchen, den Verein zu erhalten.“

Dies ist eine Botschaft, die zuletzt keineswegs mehr selbstverständlich schien. Denn das aktive Vereinsleben beim SV Sickenhofen war ziemlich in die Brüche gegangen. Aktuell treiben lediglich noch ein Fußballteam in der Kreisliga B Dieburg sowie zwei Tischtennis-Teams – sie spielen in der Wiesinger-Halle – aktiv Sport. Altherren-Kicker gibt es auch noch, „aber die spielen selten“, so Weis.

Eine zweite Mannschaft in der Kreisliga D hatte der SVS in der vergangenen Saison noch an den Start gebracht, sie nach einer Begegnung wegen der Abwanderung vieler Spieler jedoch vom Betrieb zurückziehen müssen. In der Folge hatte auch die erste Mannschaft arge Not, war in der B-Liga lange abgeschlagen, verstärkte und verbesserte sich aber in der Winterpause, wie die ersten Resultate 2020 zeigten. Dann sicherte der coronabedingte Saisonabbruch den Klassenerhalt in der B-Liga, in der die Sickenhöfer nun eine bessere Rolle und gleichwohl erneut gegen den Abstieg spielen dürften. Sportliche Fortschritte, die Weis auch dem Trainer Rafal Josefus anrechnet: „Er macht wirklich sehr viel für den Verein, auch außerhalb des Platzes.“

Aktuell geht es für den SV Sickenhofen vor allem darum, sich personell, sportlich und infrastrukturell zu stabilisieren. Von großen Plänen, wie sie in der Vergangenheit des SVS mitunter im Übermut geschmiedet wurden, ist derzeit wenig zu hören. So ist Weis unter anderem skeptisch, ob dem SVS auf absehbare Zeit ein Comeback im komplett eingestellten Junioren-Fußball gelingen werde. „Die Kinder gehen in Hergershausen in die Grundschule“, weiß er. „Sie sind mit Hergershäuser Kindern befreundet und spielen deshalb oft auch in Hergershausen Fußball.“ Schon rein quantitativ könnte einem weiteren fußballerischen Nachwuchsangebot in der Nachbarschaft somit der personelle Boden fehlen, auch wenn in der Kernstadt derzeit ein Vereinsangebot für junge Kicker fehlt, weil die Babenhäuser Germania am Ostheimer Hang nicht mehr aktiv ist. Doch viele Fußball spielende Kinder aus Babenhausen haben sich bereits vor allem gen Harreshausen orientiert.

Derzeit zählt beim SV Sickenhofen somit nur die Botschaft: „Es läuft weiter, wir haben die Flinte nicht ins Korn geworfen.“ Was für Edmund Weis und den kleinen Kreis der Mitstreiter auch keine Option ist: „Dafür haben wir schon viel zu viel ins Gelände gesteckt. Wir werden den Verein schon wieder auf Vordermann bringen.“ (Von Jens Dörr)

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