Fotograf Reinhold Blaha

Malerei ganz ohne Pinsel

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Solche fantastischen Gemälde entstehen, wenn zwölf Kinder und einige Betreuer mit Lichtquellen bei einer Langzeitbelichtung „herumfuchteln“.

Hergershausen - Zu einem außergewöhnlichen Workshop hatte die Kinder- und Jugendförderung, der Verein Herigar und der Fotograf Reinhold Blaha in Hergershausen eingeladen: Bei Lichtmalerei entstanden Kunstwerke ohne Farbe und Pinsel.

Die Tür ist fest verschlossen. Vor dem Eintritt muss man klopfen. Und wenn man Pech hat, dann schallt dem Besucher erst einmal ein vielstimmiges „Nein“ entgegen. Nach einiger Zeit darf man dann eintreten, vorher war der Eintritt verboten, um eine Lichtverschmutzung zu vermeiden. Zwölf Kinder aus Babenhausen und den Stadtteilen sind ganz fasziniert von dem Workshop mit Lichtmalerei, den über die Kinder- und Jugendförderung und den Verein Herigar der Fotograf Reinhold Blaha anbietet. Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren versuchen sich in der Alten Schule in Hergershausen in der Malerei ganz ohne Pinsel.

Statt einem Pinsel benutzen sie Lichtquellen wie Taschenlampen, Lichtschwerter oder Leuchtstäbe. Nötig ist dazu ein abgedunkelter Raum, damit die Lichtkunst gut zu sehen ist. Damit die Bilder auch dauerhaft sind, bannt sie Blaha mit seiner Kamera, die auf Langzeitbelichtung eingestellt ist, auf die Festplatte seines Computers. Absolute Dunkelheit ist dafür erforderlich, deshalb ist das Geschrei auch groß, wenn ein Besucher das „Nein“ missachtet und trotzdem eintritt.

Viele der Kinder wollen mit der Taschenlampe ihren Namen schreiben, mit dem Lichtschwert, das sehr lang ist, ist das schwierig. Einen Tipp gibt Blaha gleich am Anfang. Der Name muss gespiegelt werden, damit er auf dem Foto auch gelesen werden kann. Aber natürlich können in der Dunkelheit auch ganz andere Sachen entstehen. Abstrakte Gemälde sind möglich – und die Kinder eilen dann immer schnell zum Computer, um nach Einschalten des Lichtes ihre Kunstwerke zu bewundern. So ganz sicher können sie sich nie sein, was, was sie denn da nun tatsächlich gemalt haben.

Hannah (10), Sarah (10) und Lara (8), die drei Mädchen kommen aus Babenhausen, Harreshausen und Sickenhofen, sind ganz begeistert von dem Workshop und stellen ein Gemeinschaftsgemälde her. Alle drei sind mit Lichtquellen bewaffnet und ziehen damit Kreise, Wellen oder Linien. Obwohl sie die ganze Zeit natürlich vor der schwarzen Leinwand stehen, sieht man auf dem Foto nur ihre Bewegungen und die Malerinnen verschwinden hinter den Lichtquellen in der Dunkelheit. Mit dem Schreiben ihres Namens haben sie sich auch verewigt, da fällt dann zum Schluss die Auswahl schwer. Jedes der Kinder darf am Ende ein gedrucktes Kunstwerk mit nach Hause nehmen.

Alle drei Mädchen fotografieren auch sonst, Sarah benutzt dazu das Handy, Lara hat zu Weihnachten eine Kamera geschenkt bekommen und Hannah hat sogar eine Sofortbildkamera. „Die sind wieder ganz in“, weiß Hannah. Lara hingegen freut sich, dass ihre Oma am Ende eines Jahres immer ein Fotobuch mit ihren besten Bildern drucken lässt.

Robin (12) und Joshua (11) haben ebenfalls viel Spaß an der Lichtmalerei. Joshua besitzt auch eine Kamera und fotografiert sonst gerne Vögel, im Urlaub kommt der Fotoapparat auch zum Einsatz. „Wenn ich in den Zoo gehe, dann ist anschließend die Karte voll“, sagt Joshua. Robin fotografiert dort ebenso gerne. Die beiden wohnen in Hergershausen und freuen sich über den Lichtmalerei-Workshop vor Ort, bei dem es so ganz andere Fotos wie bei der konventionellen Fotografie entstehen. (zba)

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