Viertklässler heben letztmals ab

Zukunft des Luftsportclubs weiterhin offen

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Ben Spazierer (von links) aus Hergershausen, Lara Altrichter aus Sickenhofen und Lennox Fromm aus Babenhausen kletterten am Samstag gemeinsam in einen Flieger, um eine Runde über ihrem Heimatort zu drehen. LSC-Vorstandsmitglied Kurt Schäfer (hinten) half ihnen beim Einsteigen.

Babenhausen - Die 44. Freiflugveranstaltung, zu der die Verkehrswacht Dieburg gemeinsam mit dem Babenhäuser Luftsportclub (LSC) und den Jugendverkehrsschulen der Polizei in Reinheim und Dieburg wieder eingeladen hatte, wird – auf jeden Fall auf dem Flugplatz Babenhausen – die letzte gewesen sein. Von Petra Grimm

Für die Viertklässler, die erfolgreich ihre Fahrradprüfung abgelegt haben, ist es eine besondere Extra-Belohnung. Seit 44 Jahren wird an den Grundschulen im Altkreis Dieburg nämlich ausgelost, wer von Babenhausen aus in die Luft gehen darf. Hinter der Kaserne haben am Samstag auf jeden Fall zum letzten Mal 30 Kinder die Sitze der kleinen motorisierten Flieger erklommen, um einen 15-minütigen Rundflug über ihren Heimatort zu erleben.

Der Vertrag des LSC, der das Areal südlich der Kaserne nutzt, läuft – wie berichtet – wegen der geplanten Wohnbebauung auf dem ehemaligen Kasernengelände Ende des Jahres aus. Selbst wenn die Gespräche mit den Investoren, wie LSC-Vorsitzender Wulf Heintzenberg sagte, eventuell noch eine Verlängerung um eins, zwei Monate ins neue Jahr hinein bringen würden, so muss der 1951 gegründete Verein sich doch neu orientieren. Dabei sei noch alles offen, so der Vorsitzende. Verschiedene Optionen, darunter die Flugplätze in Egelsbach, Gelnhausen oder auch Aschaffenburg, würden im Verein diskutiert. Eine Mitgliederbefragung laufe noch und werde in einer Woche dann ausgewertet. Auch bei der Jahreshauptversammlung am Samstagabend habe sich kein eindeutiges Meinungsbild ergeben, sagte Heintzenberg auf Nachfrage.

Die rund 120 aktiven Mitglieder, darunter auch 30 Modellflieger, betreiben Motor- und Segelflug. Also sollte im Idealfall ein Flugplatz gefunden werden, auf dem beides möglich ist. Eine weitere Schwierigkeit sei, dass die Vereinspiloten aus der ganzen Region, also bis aus dem Spessart, Odenwald, Frankfurt oder auch Darmstadt kommen und natürlich den an ihrem Wohnort näher gelegenen Flugplatz bevorzugen. Das müsse unter einen Hut gebracht werden.

Es geht auch nicht nur ums Abheben und Landen. Denn für die vereinseigene Flotte, die aus acht Motor- und fünf Segelfliegern, plus sechs Privatflugzeugen besteht, muss ein neuer Standort gefunden werden. Eine Lösung sei noch nicht in Sicht, so Heintzenberg. Fest stehe, dass man mit einem Nachbarverein ein Arrangement finden müsse, dass möglichst viele LSC-Flieger mittragen. Im Herbst sei zu diesem Thema noch eine zweite Mitgliederversammlung geplant.

Airlines & ihre Flugbegleiterinnen

Für die seit 1975 stattfindende Freiflugveranstaltung, von Anfang an eine Kooperation von LSC und Verkehrswacht, die lediglich im Jahr 2001 wegen der Terroranschläge in den USA von den Amerikanern verboten wurde, bedeutet das Ende des LSC am Babenhäuser Standort das Aus für diese „in Deutschland einzigartigen Veranstaltung“, wie der stellvertretende Verkehrswacht-Vorsitzende Claus Sterr sagte. „Wir werden uns aber auf jeden Fall eine andere Belohnung für die Schüler einfallen lassen.“

Die 30 Kinder mit Anhang, die auch von Verkehrwacht-Geschäftsführer Friedbert Metz, der Kreisbeigeordneten Doris Hofmann und Bürgermeister Joachim Knoke begrüßt wurden, kletterten jedenfalls wieder mit freudiger Aufregung in die fliegenden Kisten. Darunter der kleine Babenhäuser Lennox Fromm, die Sickenhöferin Lara Altrichter und der Hergershäuser Ben Spazierer. Ben flog zum ersten Mal in seinem Leben und freute sich vor allem darauf, den Hergershäuser Sportplatz und das Haus seiner Familie von oben zu sehen. Von der Spritztour in luftiger Höhe war er danach mehr als begeistert.

Die LSC-Piloten hatten wie in den vergangenen Jahren das Flugbenzin und die Verkehrswacht im Anschluss noch einen Imbiss spendiert. Auch die Polizei war vertreten. Michael Prenzlow, der Leiter der Direktion Verkehr in Darmstadt, und für die beiden Jugendverkehrsschulen in Reinheim und Dieburg Ralf Neuschwander und Britta Lifka.

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