Leck in der Wasserleitung

Frau in Babenhausen seit Monaten ohne fließend Wasser

Noch zapft Margarete Debertshäuser ihr Trinkwasser aus einem Kanister.
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Noch zapft Margarete Debertshäuser aus Babenhausen ihr Trinkwasser aus einem Kanister.

Margarete Debertshäuser aus Babenhausen sitzt seit vergangenen September auf dem Trockenen. Wegen eines Lecks hat das Gruppenwasserwerk Dieburg ihr den Hahn zugedreht. Wasser gibt es jetzt nur noch aus einem Fass in der Küche.

Langstadt – Der Behälter ist so schwer, dass Margarete Debertshäuser ihn nicht anders platzieren kann. Bei Bedarf kommen auf Anruf Mitarbeiter des Gruppenwasserwerks Dieburg (ZVG) im ehemaligen Bahnwärterhäuschen der 70-Jährigen bei Langstadt (Babenhausen) vorbei und stellen ein 30-Liter-Fass in die Küche, auf dem in großen Lettern der Inhalt deklariert ist: Trinkwasser.

Ansonsten sitzt sie seit vergangenem September auf dem Trockenen. Wegen eines Lecks in der Versorgungsleitung und des daraus resultierenden Wasserverlusts hat das ZVG den Hahn zugedreht. Für eine Reparatur oder einen Neuanschluss sieht es sich nicht zuständig. Und auch niemand anders. Doch nun zeichnet sich in dem Skandal eine Lösung ab.

Babenhausen: Nach fataler Fehlentscheidung ohne fließend Wasser

Die Vereinten Nationen haben bereits 2010 in einer Resolution den Zugang zu Trinkwasser zu einem Menschenrecht erklärt. In hoch entwickelten Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland muss das grundsätzlich mit „fließendem Wasser“ übersetzt werden. Allerdings ist dem kommunalen Zweckverband eine Satzung gegeben worden, die Adressen „Außerhalb“ nicht in den Versorgungsauftrag einschließt. „Außerhalb“ – das ist vor allem Teil der Anschrift von Aussiedlerhöfen, aber auch von Bahnwärterhäuschen wie dem, dass die Debertshäusers vor rund fünf Jahrzehnten der Bundesbahn abgekauft haben.

Als fatal erweist sich nun, dass die Debertshäusers damals den Staatsbetrieb von jeglicher Haftung für die Versorgungsleitungen frei gestellt haben. Und dass die Bahn die Wasserleitung für das Bedienungspersonal am einstigen Bahnübergang direkt am Gleiskörper verlegt hat. Damit ist das Unternehmen zwar von jeglicher Haftung freigestellt, sitzt aber trotzdem mit im Boot, weil es Reparaturarbeiten auf ihrem Gelände zustimmen und vielleicht sogar mit einer Betriebsunterbrechung auf der Strecke Babenhausen-Groß-Umstadt flankieren müsste.

Kein Wasser in Babenhausen: Neuer Leitung kostet bis zu 20.000 Euro

Das wird schwierig, das wird teuer“, ahnt Wolfram Wittwer, technischer Betriebsleiter des ZVG, und hat deshalb schon mal die Verlegung einer neuen Leitung auf einer alternativen Strecke ins Gespräch gebracht. Doch hält er sich dabei an die Satzung des Zweckverbands und fordert deshalb eine Garantie für die Übernahme der Kosten von geschätzten 15. 000 bis 20. 000 Euro. Es gebe eine Reihe von Fällen, in denen Kunden hohe Anschlusskosten gezahlt haben, und da wäre es eine Ungerechtigkeit, in anderen Fällen ein Auge oder mehr zuzudrücken.

Viel zu viel für Margarete Debertshäuser, die ihren Lebensunterhalt zum Teil aus der Grundsicherung bezieht und daraus sogar noch Finanzierungsleistungen aus dem Hauskauf tilgt. Sie hat deshalb eigeninitiativ nach anderen Lösungen gesucht, vorzugsweise einer Reparatur des bereits verorteten Lecks, so wie das in der Vergangenheit durchaus möglich gewesen sei. Mit der Bahn ist die Rentnerin aber nicht sehr viel weiter gekommen.

Kein Wasser in Babenhausen: Muss der Landkreis Darmstadt-Dieburg zahlen?

Bleibt also wohl nur der vom ZVG vorgezeichnete Weg. Debertshäuser erhält Leistungen des Sozialamts beim Landkreis Darmstadt-Dieburg, und es gibt Meinungen, die diese Behörde in der Finanzierungspflicht sehen. Auf entsprechende Nachfrage teilte die Pressestelle des Landkreises aber zunächst mit, dass nach erster Einschätzung die Finanzierung von Wasserleitungen wohl nicht zu den Pflichtleistungen des Landkreises gehört. Eine einschlägige Rechtsprechung gebe es für einen solchen Fall bisher allerdings nicht.

Inzwischen kommen etwas andere Signale aus dem Landratsamt. Die Behörde hat jetzt zumindest eine „Erhaltungsaufwendung“ von rund 2 100 Euro zugebilligt. Die Bemessungsgrundlagen dieses Betrags bleiben allerdings undeutlich, denn weiter heißt es: „Der genannte Betrag ergibt sich aus der Differenz zwischen den bereits bewilligten Unterkunftskosten und den angemessenen Unterkunftskosten bezogen auf einen Zeitraum von zwölf Monaten“, was eher für eine reguläre Nachzahlung statt für eine einmalige Sonderzahlung spricht.

Katholische Kirche Babenhausen ruft zu Spenden auf

Der Betrag deckt wenig mehr als ein Zehntel des genannten Kostenrahmens. Hinzu kommen inzwischen aber auch Spenden. Eine Aktion ist in Groß-Umstadt angestoßen worden. Dort sollen bislang 1100 Euro zusammengekommen sein. Außerdem hat Pfarrer Ferdinand Winter von der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in zu Spenden aufgerufen.

Obwohl alles zusammen nicht den vom ZVG formulierten Kostenrahmen ausfüllen würde, ist von dort laut Debertshäuser signalisiert worden, dass im März mit dem Bau einer neuen Anschlussleitung begonnen werden könnte. Nun also doch ein oder zwei zugekniffene Augen beim ZVG? Betriebsleiter Wittwer will sich dazu aber nicht mehr äußern.

Warten aufs Wasser in Babenhausen: Zur Feier würee Sekt fließen

Voller Vorfreude kündigt Debertshäuser jetzt schon mal an: „Wenn dann wieder Wasser fließt, werde ich erst mal einen ganzen Tag in der Badewanne sitzen und feiern.“ Da könnte dann auch ein wenig Sekt fließen. (sr)

Es gibt noch ganz anderen Wasser-Ärger in Babenhausen: Biber haben einen Stausee entstehen lassen. Nun besteht die Vermutung, dass der See unerwünschte Stoffe ins Grundwasser bringen könnte.

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