Unternehmen plant Bau für Komorbidität-Betroffene in der Kaserne

Zur Pflege in die Kaisergärten nach Babenhausen

In L-Form und zweigeschossig soll das Komo-Wohnpflegeheim im Stadtquartier Kaisergärten gebaut werden. Zumindest ist das der aktuelle Planungsstand. Demnach könnte Ende 2024 die Eröffnung gefeiert werden. Visualisierung: Korian
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In L-Form und zweigeschossig soll das Komo-Wohnpflegeheim im Stadtquartier Kaisergärten gebaut werden. Zumindest ist das der aktuelle Planungsstand. Demnach könnte Ende 2024 die Eröffnung gefeiert werden. Visualisierung: Korian

Das neue Stadtquartier Kaisergärten in Babenhausen nimmt weiter Formen an. Nachdem bereits unter anderem große Wohnungsbaugesellschaften wie Bonava und Nassauische Heimstätte ihre Vorhaben kommuniziert haben, hat nun auch mit Korian ein großer Pflegeheim-Konzern sein Projekt vorgestellt.

Babenhausen - Demnach soll kein klassisches Pflegeheim auf dem ehemaligen Kasernenareal entstehen, sondern ein von Korian-Projektleiter Jonas Sterbenk so bezeichnetes Komo-Wohnpflegeheim. Dahinter verbirgt sich der etwas sperrige Begriff der Komorbidität (siehe auch Infokasten). Gemeint ist damit, dass ein Mensch neben einer Grundkrankheit mindestens eine weitere hat. Als Beispiel nannte Sterbenk etwa einen Suchterkrankten mit einem weiteren seelisch-psychischen Krankheitsbild. Es handele sich um Menschen, die sowohl in klassischen Pflegeheimen oder in Einrichtungen der Behindertenhilfe fehlplatziert seien, so Sterbenk.

Da die mit Komorbidität klassifizierten Patienten höheren Pflege- und Betreuungsbedarf haben, sind die entsprechenden Einrichtungen auch viel kleiner als die großen Pflegeheime. Das in Babenhausen geplante Komo-Wohnpflegeheim – das Projekt beläuft sich auf Nachfrage auf mehrere Millionen Euro – ist auf 36 Plätze ausgelegt – alles kleine Appartements. Die zukünftigen Heimbewohner hätten mindestens Pflegegrad 3, berichtet Sterbenk. Was die Bewohner außerdem von anderen Pflegeheimen unterscheide, ist die Altersspanne. Die reiche bei Komo-Wohnpflegeheimen von 45 bis 80 Jahren. Im Schnitt seinen die Komorbidität-Patienten 60 Jahre alt.

Komorbidität ist die fachliche Bezeichnung für das Zusammentreffen von seelischer Behinderung (chronischer psychischer Erkrankung) und einer schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder Fähigkeiten (Pflegebedürftigkeit im Sinne des Pflegegrads 3 oder höher). Diese seelischen Behinderungen führen zu einer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und zu Störungen der beruflichen und sozialen Integration.

Aus Mangel an bedarfsgerechten Angeboten wurden Menschen mit Komorbidität in der Vergangenheit in Seniorenpflegeheimen versorgt – eine für diesen Personenkreis ungeeignete Einrichtung, um ihren spezifischen Bedürfnissen gerecht zu werden. Um diesen Missstand zu beseitigen, wurde 2005 in Hessen ein Rahmenkonzept entwickelt. Ziel dieses Konzeptes ist die optimale Betreuung jüngerer Menschen mit einem erhöhten Pflege- und gleichzeitigem Eingliederungshilfebedarf in einem völlig neuen Einrichtungstyp.

Das Unternehmen Korian hat seinen Hauptsitz in Paris. 247 Pflegeeinrichtungen, davon 65 Seniorenheime mit Betreutem Wohnen und 51 ambulante Diensten hat Korian in ganz Deutschland. In der Region ist Korian in Rodgau (Haus Gretel-Egner), in Dreieich (Haus Ulmenhof), in Langen (Haus Ahornhof) und in Mainaschaff (Haus Mainparksee) vertreten. (nkö)

Den geplanten Bau auf dem dem 3 522 Quadratmeter großen Areal, für das das Unternehmen eine Interessensbekundung für den Erwerb abgegeben hat, stellte Architekt Stephan Herrmann vor. Demnach soll das zweigeschossige Gebäude in einer L-Form gebaut werden. Betreffend der Gebäudehöhe würde es unter den im Umfeld zugelassenen Gebäude mit drei Vollgeschossen plus Dachgeschoss bleiben. Das Unternehmen plane, noch in diesem Jahr eine Bauvoranfrage zu stellen. Laufe alles wie gewünscht, könnte das Wohnpflegeheim Ende 2024 eröffnet werden.

Nach Aussage von Sterbenk ist der Bedarf für diese spezielle Wohnform sehr hoch. Aus diesem Grund baue Korian sein Komorbiditäts-Angebot weiter aus. Bis 2024 entstehen drei weitere neue Einrichtungen nach dem hessischen Rahmenkonzept an den Standorten Wolfhagen, Fulda und Schwalmstadt. Er schätzt, dass es hessenweit derzeit etwa 700 Betten gibt. 154 davon in den vier Korian-Häusern in Oberursel, Idstein und Frankfurt

CDU-Fraktionsmitglied Heidrun Koch-Vollbracht trug in der anschließenden Fragerunde ihre „Bauchschmerzen“ zu dem Vorhaben vor. Sie sei unsicher, ob der Standort des Komo-Pflegeheims in unmittelbarer Nähe zur geplanten Kindertagesstätte passend sei. Sie habe sich, als seinerzeit im Bauleitverfahren auch von einem Pflegeheim gesprochen worden ist, eine eher klassische Einrichtung vorgestellt. Einen Vorbehalt, denn Sterbenk aus Bad Hersfeld kennt, wo im kommenden Jahr ein solches Haus eröffnet wird. In öffentlichen Gesprächsrunden konnte diese ausgeräumt werden. Auch in Babenhausen könne im Vorfeld ein Infoabend veranstaltet werden. Zudem bot er den Kommunalpolitikern an, die beiden Einrichtung in Oberursel zu besichtigen. (Norman Körtge)

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