Zwangsräumung droht

Ostheimer Hang: Streit zwischen Germania und Stadt eskaliert

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Auf dem Fußballplatz am Ostheimer Hang wird schon seit Längerem nicht mehr gekickt.

Babenhausen – Der Streit zwischen der Stadt und dem SV Germania Babenhausen um das Sportgelände am Ostheimer Hang eskaliert: Angesichts verhärteter Fronten in den Verhandlungen um einen neuen Mietvertrag für die Nutzung des städtischen Areals, hat Bürgermeister Joachim Knoke dem darbenden Verein nun die Zwangsräumung angedroht. Von Jens Dörr

Knackpunkt in der seit vielen Monaten dauernden Auseinandersetzung zwischen Stadt und Verein ist die Höhe der Miete. Die Stadt hat einen monatlichen Minimalbetrag von 625 Euro errechnet. Jürgen Deckarm vom Fachbereich Bauwesen sagt dazu auf Nachfrage: „Wir haben errechnet, dass das die geringst-mögliche Miete ist, inklusive einer Unterstützung durch den Landkreis.“ Das Gelände wird auch für den Schulsport genutzt. Gar nicht mal einkalkuliert seien dabei Wartungskosten und anstehende Investitionen, beispielsweise in die leer stehende Vereinsgaststätte. Bei ihr gibt es wegen technischer Mängel derzeit keine Versuche, einen neuen Gastronomen zu finden. „Wir können nicht unter diese 625 Euro pro Monat gehen. Täten wir das, wäre das eine unerlaubte Vereinsförderung“, so Deckarm.

Für den SV Germania, der in den vergangenen Jahren massiv an Mitgliedern verloren hat, sei ein solcher Betrag hingegen nicht zu stemmen, betont Vorsitzende Tihana Posavec-Hennigs. „Das können wir nicht bezahlen. Mein Vorschlag waren deshalb 200 Euro – plus die Arbeit wie Rasenmähen, die wir im Rahmen unserer Möglichkeiten unentgeltlich leisten können.“ Denn auf der Einnahmenseite fehlt der Germania inzwischen auch die Pacht aus dem Vereinsheim. Um dessen Vermietung durfte man sich bis 2017 selbst kümmern. Nun, im vertragslosen Zustand, könnte nur die Stadt als Besitzerin selbst verpachten, will oder kann das aufgrund von Mängeln, die laut Deckarm etwa bei der Elektroinstallation erheblich sein sollen, aber nicht.

Eine Annäherung bei der Miethöhe gibt es schon seit Wochen nicht mehr. Posavec-Hennigs ist verzweifelt – und inzwischen ziemlich wütend: „Wir wollten eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Ich dachte immer, wenn wir offen sagen, was wir leisten können und was nicht, dann geht das auch.“ Schon zum 31. Dezember hätte der Verein allerdings das Gelände räumen sollen, wozu man am 22. Dezember ablehnend Stellung genommen habe. Grundsätzlich wolle man nicht weg vom Ostheimer Hang, sondern noch immer eine Einigung mit der Stadt erzielen. Bei wieder erlangter Rechts- und Zukunftssicherheit wolle man sich daran machen, den Junioren-Fußball neu aufzubauen. Es gehe in erster Linie um ein Angebot für Kinder und Jugendliche, gerade aus sozialen Brennpunkten der Stadt. „Anfragen haben wir, und wir hören immer wieder, dass Eltern ihre Kinder nicht zu den Vereinen in den Stadtteilen fahren können und wollen.“

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Für den 28. Februar ist nun aber erneut die Zwangsräumung angedroht, sollte der Verein sein Equipment bis dato nicht vom Ostheimer Hang entfernt haben. „Sollte die Räumung bis zu diesem Termin nicht erfolgen, werden wir danach unverzüglich die notwendigen Rechtsmittel zur Zwangsräumung in die Wege leiten“, ließ Knoke den SV Germania vor ein paar Tagen schriftlich wissen.

Posavec-Hennigs weiß nicht mehr weiter, auch weil sich ihre Hoffnung auf eine Vermittlung durch Landrat Klaus Peter Schellhaas bisher nicht erfüllt habe. Die Vorsitzende des 107 Jahre alten Vereins startet einen letzten Hilferuf: „Ich will den Verein eigentlich nicht im Stich lassen, doch ich stehe kurz vor dem Rücktritt. Ich bin sehr enttäuscht von der Stadt. Sie gibt uns für unsere Arbeit eine Ohrfeige. Die Stadt macht den Verein tot!“

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