Start in zwei Wochen

Achterbahnfahrt der Gefühle bei Brüder-Grimm-Festspielen

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Ein wandlungsfähiges Bühnenbild mit Drehscheiben und Drehtüren hat Tobias Schunck für die diesjährige Festspielsaison entworfen. Auf der Bühne unter dem Zeltdach des Amphitheaters entsteht in Sichtweite von Schloss Philippsruhe so quasi ein zweites Schloss.  

Hanau - In genau zwei Wochen beginnt mit der Premiere des Musicals „Dornröschen“ im Amphitheater die diesjährige Festspielzeit in Hanau. Von Christian Spindler

Sophia Euskirchen spielt und singt „Dornröschen“.

Die 34. Saison des Festivals mit fünf Produktionen und etwa 100 Aufführungen verspricht eine Erfolgreiche zu werden: Gut 35.000 Karten wurden bereits verkauft - absoluter Rekord. Die Brüder-Grimm-Festspiele laufen bis Ende Juli.
Die beachtlichen Vorverkaufzahlen zeigten, dass das Publikum ein hohes Zutrauen in die Qualität der Aufführungen habe, sagte Oberbürgermeister und Kulturdezernent Claus Kaminsky bei der gestrigen Auftaktpressekonferenz der diesjährigen Festspiele. Insofern sei er auch sicher, dass das Festival bei der diesjährigen Konkurrenz zur Fußball-WM bestehen werde.

Das Hanauer Festival biete immerhin Einzigartiges, unterstrich Intendant Frank-Lorenz Engel. Die Hanauer Festspiele seien „die einzigen Festspiele im deutschsprachigen Raum, die alle Stücke jeweils bei Autoren neu in Auftrag geben“, die Bücher für die Produktionen werden stets neu geschrieben, mithin sind alle Stücke Uraufführungen.

In diesem Jahr setzt das Festival auf bekannte Märchen. Diese haben sich in der Vergangenheit stets als am publikumsträchtigsten erwiesen. Und das steht diesmal auf dem Spielplan:

  • Musical „Dornröschen“ (Premiere: 11. Mai, insgesamt 31 Aufführungen): Die Hanauer Adaption nach dem Buch von Wolfgang Adenberg zeigt „ein sehr modernes Dornröschen“, sagt Regisseur Alex Balga. Die Inszenierung präsentiert gewissermaßen eine Coming-of-Age-Geschichte, „es geht ums Erwachsenwerden, um Familie, um Zusammenhalt und um das Sich-selbst-Finden“. Die fantasievolle Inszenierung wird, wie das Musical im Vorjahr, mit einer Liveband präsentiert. Komponist Marian Lux verspricht einen modernen Sound und überraschende Elemente. Eindruck einer ersten musikalischen Kostprobe beim Medientermin: Ohrwurmqualität.
  • Familienstück „Der Froschkönig“ (Premiere: 19. Mai, 23 Aufführungen): Stefan Vögel, einer der meistgespielten deutschsprachigen Theaterautoren, hat für die Festspiele eine Froschkönig-Komödie geschrieben, erläutert Adisat Semenitsch, die das Stück inszeniert. Die österreichisch-deutsche Schauspielerin („Für alle Fälle Stefanie“) und Regisseurin war bereits in Hanau tätig. Das rasante Stück ist für Kinder ab fünf Jahren geeignet.
  • Schauspiel mit Musik „Die Prinzessin auf der Erbse“ (Premiere: 2. Juni, 20 Aufführungen): Das Märchen stammt eigentlich von Hans Christian Andersen. Es tauchte 1843 dennoch in einer einzigen Auflage der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen auf. Titel: „Die Erbsenprobe“. Autor und Regisseur Jan Radermacher zeigt „eine Prinzessin, die das ganze Schloss umkrempeln will“ und damit auf den Widerstand derer stößt, die vermeintlich gute alte Zeiten festhalten wollen. Das Stück mit viel Situationskomik nimmt das Publikum mit auf eine „Achterbahnfahrt an Emotionen“ (Intendant Engel).

Frau Holle feiert Premiere bei Grimm-Festspielen in Hanau: Bilder

  • Reihe „Grimm Zeitgenossen: „Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ (Premiere: 9. Juni, 11 Aufführungen): Der Dauerbrenner am Münchner Residenztheater wurde mehrfach verfilmt. Das poetische Volksstück ist die bisher wohl ungewöhnlichste Produktion bei den Festspielen und, wie ausführlich berichtet, eine Kooperation mit dem Förderverein Palliative Patienten-Hilfe Hanau. Intendant und Regisseur Frank-Lorenz Engel inszeniert das Stück in bayerischer Mundart, bei den Himmel-Szenen in barocker Pracht, dazu gibt es stellenweise bayerische Volksmusik - alles live.
  • Reihe „Junge Talente“: Die Leiden des jungen Werther“ (Premiere 13. Juli, 5 oder 6 Aufführungen): Nachwuchsregisseur Patrick Dollmann hat die Goethe-Vorlage gehörig eingedampft und will sie „mit frischem Wind“ inszenieren. Das 70-Minuten-Stück mit drei Schauspielern, das in der Wallonischen Ruine an der Französischen Allee gezeigt wird, richtet sich vor allem an ein junges Publikum.

Die Brüder-Grimm-Festspiele konnten dank zusätzlicher Sponsorengelder ihren Etat um 100.000 Euro auf nunmehr 1,2 Millionen Euro erhöhen, berichtet Intendant Engel. Die Stadt steuert 375.000 Euro bei. Der städtische Zuschuss ist zuletzt um 50.000 Euro erhöht worden.

Bilder: Premiere von Faust I

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