Festspiel-Begleitprogramm widmet sich Bettine von Arnim

Briefverkehr mit Goethe

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Stellte im Begleitprogramm der Grimm-Festspiele Leben und Werk von Bettine von Arnim vor: Schauspielerin Ursula Ruthardt, die als Vorsitzende des Fördervereins zugleich dessen 20-jähriges Wirken vorstellte.

Hanau - Sie galt als überaus gebildet, künstlerisch und literarisch hochtalentiert, und sowohl politisch als auch sozial stark engagiert: Bettine von Arnim. Von Dieter Kögel

Im Rahmenprogramm der Brüder-Grimm-Festspiele widmete sich die Schauspielerin Ursula Ruthardt im Blauen Saal von Schloss Philippsruhe der Zeitgenossin von Wilhelm und Jacob Grimm - und sie stellte auch die Verdienste des Festspiel-Fördervereins dar. Dass sich Bettine von Arnim den schönen Künsten widmen konnte, kam nicht von ungefähr. Als Spross der überaus reichen aus Italien stammenden Händlerdynastie Brentano verfügte sie über einen finanziellen Hintergrund, der ihr alle ökonomischen Alltagssorgen abnahm. Was nicht heißt, das Bettine von Arnims Leben immer ein leichtes gewesen ist. Immerhin hatte sie Zeit genug, Erlebtes, Gefühltes, Ersonnenes zu reflektieren, in Briefe zu fassen. Denn während ihrer Lebenszeit von 1785 bis 1859 war das Briefeschreiben in ihren Kreisen mehr als nur Mitteilung. Es war eine literarische Kunstform, die im Kreise der Romantiker weit verbreitet war.

Und die Romantiker, sie trafen sich regelmäßig auf dem Hofgut Trages des Rechtsgelehrten Carl Friedrich von Savigny. Clemens Brentano, die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm, Achim von Arnim, Karoline von Günderode, und auch Bettine von Arnim gehörten unter anderen zu dem kreativen Kreis. Spät, sehr spät erst hat Bettine von Arnim dann ihre Briefe als Briefromane veröffentlicht. Unter anderem auch den Briefverkehr mit Goethe, in dem, so berichtete Ursula Ruthardt, allerdings wohl auch viel Fiktion steckt. Was nichts an der literarischen Blumigkeit der romantischen Sprache ändere.

Alles zu den Brüder-Grimm-Festspielen

Ruthardt ist auch Vorsitzende des Fördervereins für die Brüder-Grimm-Festspiele, der in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiern kann. Am 22. Juni 1996 wurde er gegründet - auch auf Betreiben von Ursula Ruthardt hin. Denn als Schauspielerin der „ersten Stunde“ bei den Festspielen wusste sie mit am besten, wo der Schuh drückte. Unzureichende Verhältnisse in den Bereichen Sanitär und Umkleide waren zu beklagen, als die Festspiele noch im Philippsruher Schlosspark stattfanden. Nach dem Umzug in den Baumgarten, wo heute das Amphitheater steht, waren weite Wege im Kostüm vom Schloss bis zum Auftrittsort nötig. Eigentlich unzumutbar. Dass schließlich das Teehaus zur Garderobe mit anständigen Möglichkeiten zum Umziehen und Duschen geworden ist, ist maßgeblich den Bemühungen des Fördervereins zuzuschreiben. Ebenso die Organisation von Patenschaften für Kostüme. Denn die knapper werdenden Mittel erforderten viel Kreativität, um den Standard der Festspiele zumindest zu halten. Und so waren es auch Mittel des Fördervereins, mit denen in Indien haufenweise Stoffe eingekauft wurden, um die Festspiel-Schneiderei von Ulla Röhrs entsprechend auszustatten.

Zahlreiche renommierte Künstler wie Walter Renneisen oder das Kottmann-Trio konnten für Benefizveranstaltungen im Comoedienhaus gewonnen werden. Neben den vielen ehrenamtlichen Stunden im Dienste der Festspiele hat der Förderverein in seiner 20-jährigen Geschichte das mittlerweile überregionale Festival mit 250.000 Euro unterstützt. Und die Geschichte des bürgerschaftlichen Engagements, sie wird weiter geschrieben.

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