Nichts ist so, wie es scheint

Brüder-Grimm-Festspiele: Premiere von „Was ihr wollt“

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Eine berauschende Premiere feierte die vierte und letzte Produktion der aktuellen Spielzeit im Hanauer Amphitheater.  

Hanau -  Während Viola vor Illyrien Schiffbruch erleidet, steuert die Inszenierung von Shakespeares Liebeskomödie „Was ihr wollt“ unter der Regie von Festspielintendant Frank Lorenz Engel bei den 32. Hanauer Brüder-Grimm-Festspielen punktgenau in den sicheren Hafen einer weiteren erfolgreichen Inszenierung. Von Dieter Kögel 

Am Samstag feierte die vierte und letzte Produktion der aktuellen Spielzeit im Amphitheater eine berauschende Premiere. Im dritten Jahr widmet sich der Festspielintendant neben den Märchen auch einer klassischen Inszenierung, vornehmlich aus den Federn von Grimmschen Zeitgenossen. Zu denen gehört William Shakespeare nun nicht gerade, aber der Übersetzer Schlegel, und die Komödie ist für Engel eine der schönsten, die es gibt, und märchenhaft ist sie auch irgendwie mit ihrem Raum für unerfüllte Träume, Liebeswünsche, Enttäuschungen und Intrigen. Denn Engel legt auch großen Wert darauf, trotz der komödiantischen Grundlinie Seelenzustände wie Melancholie, Verzweiflung und Schwermut zu betonen und durch ein glänzend agierendes Ensemble greifbar zu machen. Zusätzlich gewinnt die Inszenierung durch die musikalische Begleitung (Musik: Valentin von Lindenau) von Kilian Fröhlich am Cello und Marius Schneider, der als Curio dazu die Gitarre spielt. Auch Grundlage für die berührenden Lebensweisheiten des Narren (Barbara Krabbe), der einzige auch, der den Überblick behält und weiß, dass „nichts ist, wie es scheint.“

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Denn Viola (Katarina Schmidt) bleibt nach ihrem Schiffbruch nicht Viola. Als junger Mann Cesare tritt sie in den Dienst des Illyrien-Fürsten Orsino (Patrick Dollmann) und darf der Gräfin Olivia (Natalie O’Hara) fortan die Liebesschwüre des Fürsten überbringen. Mit dem Ergebnis, dass Olivia sich in Cesare verliebt, Cesare indes sein Frauenherz an Fürst Orsino verliert – und es geheim halten muss. Der unbeliebte Haushofmeister der Gräfin, Malvolio (Hartmut Volle), hat ebenfalls ein Auge auf seine Herrin Olivia geworfen und fällt auf einen bösen Trick der Junker herein, die ihm einen fingierten Brief von Olivia unterjubeln, in dem sie ihm ihre Liebe zu gestehen scheint. Wie sich der steife Malvolio bei den Interpretationsversuchen des vermeintlichen Liebesbriefes langsam in den Liebesrausch hineinsteigert, bereit, sich für seine Angebetete zum Affen zu machen, das ist einer der Höhepunkte der Inszenierung, bevor dem Zuschauer beim tiefen Fall Malvolios das Lachen vergeht. Mobbing würde man es heute wohl nennen, und der Narr sieht es pragmatisch: „Lieber gut gehenkt als schlecht verheiratet.“

Shakespeares „Was ihr wollt“ bei den Festspielen: Bilder

Während der Genarrte tief gedemütigt die Szene verlässt, betritt Violas/Cesarios nach dem Schiffbruch tot geglaubter Zwillingsbruder Sebastian (Florian Rast) die Bühne, Raum für neue Verwicklungen, ehe zumindest Orsino und Viola und Olivia und Sebastian das bekommen, was sie wollten. Versöhnliches Ende einer emotionalen Irrfahrt, deren Echo den Zuschauer noch lange lebhaft begleitet. Eben ein ganz starkes Stück Theater.

Nächste Aufführungen im Amphitheater (Landstraße), 16., 17., 25. Juni, jeweils 20.30 Uhr

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