„Junge Talente“ bei den Grimm-Festspielen

Grimm-Festspielen im Bann der Liebe

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Andi lässt den harten Kerl raushängen, Anschi will Romantik: Gregor Andreska und Mandy-Marie Mahrenholz in „Burning Love“

Hanau - „Ich fühle meine Temperatur steigen. Nichts kann mir helfen. Ich stehe in Flammen“, heißt es im Lied „Burning Love“ von Elvis Presley, in dem es um um eine große Liebe geht. Von Matthias Grünewald

Das gleichnamige Theaterstück von Fitzgerald Kusz feierte bei den Brüder-Grimm-Festspielen in Hanau Premiere in einer neuen Spielstätte. Im Hof der Wallonischen Ruine startete die neue Reihe „Junge Talente“, mit der die Festspiele jungen Regisseuren und Schauspielern ein Forum geben wollen. In „Burning Love“ ist der Schauplatz eine Autobahnbrücke, auf der Bühne durch ein Baugerüst angedeutet. Es ist der Treffpunkt von Anschi (Mandy-Marie Mahrenholz) und Andi (Gregor Andreska). Man hängt zusammen rum, zählt Autos und spuckt auf vorbeifahrende Nobelkarossen.

Überall ist es besser als zuhause. Denn dort warten nur „Assi-TV und die Hackfressen von meinen Alten“, so Anschi. In der Ablehnung ihrer Eltern sind sich die Jugendlichen einig. Doch während Anschi von Heirat und romantischen Erlebnissen träumt, mimt Andi den harten Kerl und denkt nur an „Weiber knallen“. Elvis ist sein großer Held, schließlich kommt auch der von ganz unten.

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Die intimen Momente sind zerbrechlich, auch weil Andi keine Nähe zulassen kann. Im hämmernden Stakkato-Licht reden Andi und Anschi aneinander vorbei. Sie formuliert ihre Seelennöte: „Mir fehlt etwas.“ Er träumt vom Motorradfahren: „Mit 200 über die Autobahn.“ Und doch gibt es sie, die Nähe. Nicht nur, wenn beide gemeinsam ein Lied von Elvis singen, entstehen berührende Gänsehaut-Momente.

Gefühlsgeladen und emotional hat Regie-Debütant Marco Krämer-Eis das Drama inszeniert. Packend und authentisch mit großer darstellerischer Kraft bringen es die beiden Akteure auf die Bühne. Das Ringen zweier verletzter Seelen bei dem verzweifelten Versuch sich zu befreien, zieht den Zuschauer in seinen Bann. Und auch die äußeren Wetterbedingungen folgen bei der Premiere am Samstagabend der Dramaturgie der Ereignisse: Dunkle Wolken ziehen auf, die sich am Ende in Blitz und Donner entladen. Es ist eine Liebe, die alles zu zerreißen droht. Ein Spiel zwischen Liebe und Gewalt, intensiv und tragisch. Liebe kann weh tun.

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