Fulminantes „Rapunzel“-Musical eröffnet die Brüder-Grimm-Festspiele

Intrige, Drama, Komik

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Umjubelte Premiere in Hanau: die quirlige Fee Felicitas (Sophia Euskirchen, links) mit Rapunzel (Katharina Abt)

Hanau - Mit der Musical- version des Märchens von „Rapunzel“ haben die Macher der Inszenierung im Amphi- theater einen fulminanten und vielversprechenden Auftakt für die 32. Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau vorgelegt. Von Dieter Kögel 

Die Produktion hat alles, was ein gutes und bestens unterhaltendes Musical braucht – und mehr, was die Premierengäste nach knapp zwei Stunden fantasievoller Reise in die Märchenwelt mit lang anhaltendem und begeistertem Applaus belohnten. Dabei glaubt sich der Zuschauer zu Beginn der Geschichte, zu der Intendant Frank-Lorenz das Buch geschrieben hat und Holger Hauer Regie führt, zunächst nicht in einem Märchen. Showtime scheint angesagt im Laden für Babyausstattungen und Kinderspielzeug von Gundula Gothel (Masha Karell), der bösen Zauberin. Schrill und bunt die Verkäuferinnen, die in flotten Choreographien von Bart de Clercq einen Hauch von Broadway und Las Vegas versprühen, kindlich ausgelassen die drei höfischen Herzoge und der spätere König, denen Erzieherin Wilhelmina von Ambesser (Barbara Bach) kaum beikommen kann, voller Vorfreude auf den Nachwuchs die Schloss-Bediensteten Johanna (Judith Kolb) und Martin Ecco Mylla).

Dann Licht- und Stimmungswechsel: Die Zauberin, der ein eigenes Kind versagt bleibt, singt ihre geheimsten Wünsche hinaus. Sie will „ein Kind für mich allein“, heißt es im Liedtext von Anne X. Weber zur Musik von Shay Cohen, und stößt damit die Tür zur unheimlichen, bedrohlichen Dimension auf. Einige dieser gut gesetzten Brüche beschert das Musical dem Zuschauer. Aber auch sanfte Balladen voller Sehnsucht, wenn Rapunzel (Katharina Abt) in ihrem Turmgefängnis von der Welt draußen träumt oder der künftige König Philipp (Dennis Weißert) singt, dass ihm in seinem Leben anderes vorschwebt als das Tragen der Krone. Beide Gefangene, beide unfrei. Rapunzel wegen des teuflischen Handels zwischen ihrem Vater und der Zauberin, weil Martin aus dem verboteten Garten Rapunzeln gestohlen hat, Philipp der Staatsräson wegen. Beide Balladen verweben sich schließlich, zwei gleiche Seelen haben sich gefunden, verlassen in der Fantasie ihre Begrenzungen, die Herzen sind voller Hoffnung.

Eröffnung der 32. Brüder-Grimm-Festspiele in Hanau: Bilder

Schwer bleibt die Stimmung allerdings nie lange. Dafür sorgen auch die quirlige Fee (Sophia Euskirchen) und der Gnom Grompf (Alexander Leder), die zwei ach so unterschiedlichen Geschöpfe, die sich dennoch zusammentun, um Rapunzel zu finden und um sie aus den Klauen der Zauberin zu befreien. Dieses Musical bietet alles: Fetzige Musik vom Arienhaften bis zum Rap, Tempo und Besinnlichkeit, Intrige, Drama und Komik in wohl dosiertem Wechsel, starke Stimmen als Soli, im Duett oder vielstimmig. Und natürlich ein Happy End, ehe es im von Tobias Schunck entworfenen Bühnenbild Funken des Glücks regnet. Und für Philipp scheint das Regieren mit Rapunzel an seiner Seite plötzlich auch nicht mehr so undenkbar zu sein. Eben wie im Märchen, wo Liebe die stärkste Magie ist, wie es im Schlusslied heißt.

  • Weitere Aufführungen gibt es am 22. Mai um 19.30 Uhr, am 26. Mai um 15.30 Uhr und um 19.30 Uhr, am 27. Mai um 19.30 Uhr, und am 28. Mai um 15.30 Uhr und um 19.30 Uhr.

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