Entsetzen in Darmstadt

Gefährliche Post an Rathaus in Darmstadt: Jetzt ermittelt der Staatsschutz zum Masken-Paket

Der Eingang zum Neuen Rathaus am Luisenplatz in Darmstadt.
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Eine unscheinbare Kiste wurde an das Rathaus in Darmstadt geschickt. Ihr Inhalt sorgte für Entsetzen.

Entsetzen im Rathaus: In Darmstadt bekam der Oberbürgermeister eine Kiste via DHL zugeschickt. Sie enthielt mutmaßlich gebrauchte Corona-Schutzmasken. Jetzt tauchen Indizien auf, wer hinter dem Angriff stecken könnte.

  • Eine unauffällige Kiste wurde an das Rathaus in Darmstadt verschickt.
  • Ihr Inhalt sorgte für Entsetzen – sie war mit mutmaßlich gebrauchten Corona-Schutzmasken angefüllt.
  • Ein Informant hat der Redaktion jetzt Indizien dazu vorgelegt, wer dahinter stecken könnte.

Update von Montag, 06.07.2020, 21.50 Uhr: Im Fall des mit mutmaßlich benutzten Corona-Schutzmasken gefüllten Päckchens, das am Freitag (03.07.2020) anonym an den Darmstädter OB Jochen Partsch (Grüne) ins Neue Rathaus geschickt wurde, hat das Staatsschutzkommissariat des Polizeipräsidiums Südhessen die Ermittlungen übernommen.

Gefährliche Post in Darmstadt: Staatsschutz ermittelt

Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft, sagte am Montag der „FR“*, dass OB Partsch inzwischen – entsprechend seiner Ankündigung vom Freitag – Strafanzeige gegen unbekannt gestellt habe. Ermittelt werde nun wegen des Verdachts der versuchten Körperverletzung, erklärte der Sprecher der Ermittlungsbehörde. Zunächst würden die Ermittler „Beweismittel sichern und auswerten“, kündigte der Oberstaatsanwalt an. Zugleich gehe es darum herauszufinden, wer für die Versendung des Päckchens als Urheber verantwortlich sei. Bei den Ermittlungsbehörden hat sich bislang niemand zu der Tat bekannt.

Nach übereinstimmenden Informationen der „Frankfurter Rundschau“ und op-online.de stehen, wie berichtet, Corona-Skeptiker unter Verdacht, die möglicherweise verschmutzten Masken ins Rathaus geschickt zu haben. Weder der Sprecher der Staatsanwaltschaft noch eine Polizeisprecherin wollten dies bestätigen oder dazu Stellung nehmen.

Darmstadt: Telegram-Chats geben Hinweise auf mögliche Urheber des Schmutz-Masken-Päckchens

Nachdem der FR-Artikel* am Sonntagabend online erschienen war, meldete sich in der nicht frei zugänglichen Gruppe „Querdenken (615 – Darmstadt)“ des Messengerdienstes Telegram ein Gruppenmitglied und fragte irritiert, warum das Päckchen mit den Masken anonym eingesandt und nicht wie offenbar ursprünglich geplant „persönlich im Namen von 615 überreicht“ worden sei. Der Gruppenteilnehmer äußerte sich zudem besorgt darüber, dass er seinen Namen und seine Adresse auf seine unbenutzte Maske geschrieben habe. Das laut Telegram-Profil männliche Gruppenmitglied könnte für die Polizei ein wichtiger Zeuge sein.

Bemerkenswert ist auch, dass nach Informationen der Redaktion in den vergangenen Tagen verdächtige Chateinträge mit Bezug zu dem Päckchenversand gelöscht und als Reaktion auf die Onlineartikel auch Einladungslinks für Chat-Untergruppen von den Administratoren deaktiviert wurden.

Masken-Paket im Rathaus von Darmstadt: Chat-Screenshots werden zum Beweismittel

Der Informant hat seine umfangreiche Screenshot-Sammlung inzwischen auch an die Polizei weitergeleitet und über ein entsprechendes Portal eine Onlineanzeige erstattet. Die Polizei hat auf Anfrage bestätigt, dass unter der von dem Informanten angegebenen Nummer eine Anzeige eingegangen sei, wollte sich aber nicht weiter dazu äußern.

Gefährliche Post in Darmstadt: Informant liefert jetzt Hinweis auf mögliche Täter

Update von Sonntag, 05.07.2020, 14.30 Uhr: Nachdem in Darmstadt eine Kiste mit mutmaßlich gebrauchten Corona-Schutzmasken an den Bürgermeister Jochen Partsch geschickt wurden, nimmt der Fall jetzt zunehmend an Fahrt auf. Details, die uns von einem Informanten aus Darmstadt zugespielt wurden, der anonym bleiben möchte, zeichnen ein düsteres Bild.

Darmstadt: Gefährliche Post an Oberbürgermeister – Ein Informant hat Indizien, wer dahinter stecken könnte

Wie der Mann erzählt, könnte eine Gruppe hinter der Post an den Bürgermeister stecken, die in Darmstadt wegen der Organisation sogenannter Hygiene-Demos schon mehrfach aufgefallen war. Nachdem der Informant von Teilnehmern einer solchen Demo verbal für das Tragen einer Corona-Schutzmaske angegangen worden war, hatte er sich, wie er sagt, entschieden, sich über die Gruppierung hinter der Demo näher zu informieren. Er schaute sich deren Gruppe im Messengerdienst Telegram genauer an.

Was er dort im Chat las, habe seine Vermutung bestätigt, dass es sich keinesfalls um eine ausschließlich harmlose Gruppe handele, wie er sagt. Im Chat stieß er auf diesen Aufruf: „Wir sammeln Eure MASKEN und übergeben sie am 30. Juni an unseren OB Jochen Partsch im Rahmen seiner Bürgersprechstunde. (sic)“ Screenshots der Nachricht liegen unserer Redaktion vor.

Darmstadt: Wurden aktiv gebrauchte Corona-Schutzmasken gesammelt, um sie dem Bürgermeister zu schicken?

Dass es sich bei der Sammel-Aktion nicht ausschließlich um neue Corona-Schutzmasken gehandelt haben könnte, implizieren die Chat-Nachrichten von Mitgliedern, die beispielsweise damit prahlen, am Bahnhof Masken aus dem Gleisbett gesammelt zu haben. Ein weiteres Indiz dafür, dass die Masken möglicherweise gebraucht und mutmaßlich infektiös sein könnten, ist auf einem Bild in der Telegram-Gruppe zu sehen. Im Bild sind die Worte eingefügt: „Herrn OB Jochen Partsch, mit infizierten Grüßen“.

Wie aus den Informationen des Mannes weiter hervorgeht, sei die Übergabe der Masken am 30. Juni gescheitert. Weitere Chatnachrichten weisen darauf hin, dass die Masken anschließend per Post an den Bürgermeister von Darmstadt geschickt wurden. Der Informant nannte uns auch das Aktenzeichen der Online-Anzeige, in der er die Screenshots an die Polizei Darmstadt weiterleitete. Die bestätigte auf Anfrage, dass unter der Nummer eine Anzeige eingegangen sei, wollte sich aber nicht weiter äußern und verwies auf die Staatsanwaltschaft Darmstadt. Diese hatte den Fall zwar übernommen, war jedoch am Sonntag (05.07.2020) telefonisch nicht zu erreichen.

Gefährliche Post an Rathaus sorgt für blankes Entsetzen

Erstmeldung von Samstag, 04.07.2020: Darmstadt – In manchen Menschen fördert die Corona-Zeit* die schlechten Seiten besonders zutage. Im Rathaus in Darmstadt sorgte ein Vorfall jetzt für Angst und Schrecken. Eine Mitarbeiterin im Rathaus in Darmstadt nahm am Freitag (03.07.2020) eine Kiste entgegen, geschickt via DHL. So weit, so normal – möchte man meinen. Allenfalls der Absender machte die Frau möglicherweise stutzig, „Ihre ehemaligen Wähler“ steht auf der Kiste.

Darmstadt: Mysteriöse Post an Oberbürgermeister – Sie ist gefüllt mit Corona-Schutzmasken

Nichtsahnend öffnete die Mitarbeiterin des Rathauses in Darmstadt die Kiste. Sie war voll mit Masken zum Schutz vor einer Corona-Infektion. Die Masken wirkten gebraucht. Blankes Entsetzen macht sich im Rathaus breit.

Ob die Masken tatsächlich gebraucht sind, ist unklar. Das Gesundheitsamt soll nun prüfen, ob von den Masken eine Infektionsgefahr ausgeht. Da der oder die Absender anonym die Kiste an das Rathaus verschickten, stellte Oberbürgermeister Jochen Partsch bei der Staatsanwaltschaft Darmstadt Strafanzeige gegen Unbekannt.

Darmstadt: Oberbürgermeister geht von offenbar politisch motiviertem Angriff aus

Der Oberbürgermeister von Darmstadt geht von einem Angriff aus politischen Beweggründen aus. „Ich bin entsetzt über die Art und Weise, wie hier aus offenbar politischen Motiven die Gesundheit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und mir angegriffen und aufs Spiel gesetzt wird“, erklärt er in einer Pressemitteilung.

„Es ist normal, dass man sich über politische Entscheidungen nicht einig sein kann. Aber mitten in einer Pandemie, einer globalen Seuche, eine derart ekelhafte und feige Drohung zur Durchsetzung des eigenen politischen Standpunkts zu senden, worin dieser auch immer bestehen mag, ist eine neue Dimension. Je nachdem, ob die Masken nun getragen wurden oder nicht, und ob sie infektiöses Material enthalten, könnte man durchaus von versuchter Körperverletzung sprechen", stellt der Oberbürgermeister weiter fest.

Vor der Sendung der Kiste mit den mutmaßlich gebrauchten Corona-Schutzmasken sei man in Darmstadt von derlei Angriffen auf die Gesundheit von Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern größtenteils verschont geblieben. Diese Zeit scheine jetzt vorüber, so Partsch.

Darmstadt: Gefährliche Post an Oberbürgermeister – Doch er lässt sich nicht einschüchtern

Weiter heißt es in der Pressemitteilung des Oberbürgermeisters von Darmstadt: „Es stimmt mich traurig, dass wir in unserer offenen Gesellschaft mit derartigen Auswüchsen von Respektlosigkeit und Dummheit umgehen müssen. Wir werden uns in unserer Arbeit aber durch solche Angriffe nicht einschüchtern lassen und für die Bürgerinnen und Bürger weiter konsequent für die Meinungsfreiheit, die freiheitliche Demokratie und die Entwicklung der Wissenschaftsstadt Darmstadt arbeiten!“

Es bleibt abzuwarten, was genau der Grund des mutmaßlichen Angriffs in Form einer Kiste mit Corona-Schutzmasken war und ob ermittelt werden kann, wer sie abgeschickt hat.

Immer wieder kommt es in der Corona-Zeit zu Auseinandersetzungen: In einem Supermarkt in Darmstadt eskaliert ein Streit über Corona-Regeln. Zwei Männer gehen dabei auf einen Kunden los. Auch eine Mitarbeiterin wird verletzt. (Von Sophia Lother) *op-online.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Darmstadt beschäftigt derzeit noch eine andere aufsehenerregende Meldung: Die Polizei sucht Zeugen, die gesehen haben, wie ein Harley-Davidson-Fahrer auf dem Gehweg entlang fuhr, um einen Stau zu umgehen.

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