Klimaschutz

„Wald im Kleinformat“: Erster „Tiny Forest“ wächst in Darmstädter Innenstadt

Wachsendes Grün: Stefanie Scholz hat das Pflanzprojekt initiiert, Stefan Scharfe vom Verein Miya kümmert sich um die Arbeiten.
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Wachsendes Grün: Stefanie Scholz hat das Pflanzprojekt initiiert, Stefan Scharfe vom Verein Miya kümmert sich um die Arbeiten.

In Darmstadt entsteht ein Mini-Wäldchen auf einem Grundstück an der Berliner Allee unweit des Hauptbahnhofs. Auf dem Areal wurden nun 700 Setzlinge gepflanzt.

Darmstadt – Im Darmstädter Verlegerviertel sind in den vergangenen Jahren etliche Grünflächen verschwunden, da auf ihnen mehrgeschossige Wohnhäuser errichtet wurden, um das Quartier zu verdichten. Am Dienstag ist nun erstmals eine städtische Brachfläche an der Berliner Allee, auf der noch zwei große Nadelbäume stehen, mit 700 Baum- und Strauchsetzlingen bepflanzt worden.

Bei dem vor etwa anderthalb Jahren von der Grünen-Stadtverordneten Stefanie Scholz initiierten Projekt handelt es sich um den ersten städtischen „Tiny Forest“ (Mini-Wald). Ein zweites Wäldchen will die Stadt nächstes Jahr bepflanzen lassen. Ein Standort ist aber noch nicht gefunden. Bereits im Frühjahr hatten Lehrlinge des Bio-Lebensmittelhändlers Alnatura auf dem Gelände der Unternehmenszentrale einen „Tiny Forest“ mit 490 Setzlingen gepflanzt. Die Patenschaft für die nun neben einem großen Autohaus und der vielbefahrenen Berliner Allee bepflanzte Fläche hat die benachbarte Freie-Montessori-Schule übernommen. Bei der Pflanzaktion am Dienstagnachmittag legten auch rund 20 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte mit großem Eifer und Begeisterung Hand an.

„Tiny Forest“ in Darmstadt: 27 Baum- und Straucharten gepflanzt

Auf einer Fläche von etwa 250 Quadratmetern wurden nach den Worten von Projektleiter Stefan Scharfe vom Verein Miya die knie- bis hüfthohen Setzlinge von 27 einheimischen Baum- und Straucharten – wie Rotbuche, Stieleiche, Eibe oder Linde – in einem Abstand von etwa 40 Zentimetern in die Erde gebracht. Zuvor, so Scharfe, musste auf der Brachfläche eine nährstoffreiche Humusschicht aufgetragen werden.

Die auf dem Grundstück an der Berliner Allee gepflanzten Setzlinge wurden am Dienstag auch gleich gut angegossen.

Vorgesehen sei, „die Entstehung eines Waldes im Kleinformat zu simulieren und zu beschleunigen“, so Scharfe. Nach der Pflanzaktion soll das Mini-Wäldchen mehr oder weniger sich selbst überlassen werden.

Die Montessori-Schule hat mit der Stadt einen Kooperationsvertrag abgeschlossen und zugesagt, ab und an auch Müll von der Grünfläche zu entfernen. Wenn es – wie in den vergangenen Jahren – in den Sommermonaten wieder anhaltende Trockenperioden geben sollte, wovon Wissenschaftler:innen angesichts des Klimawandels ausgehen, dann würde sich die Schule in Abstimmung mit dem städtischen Grünflächenamt auch um das Bewässern der Baum- und Strauchpflanzen kümmern.

„Tiny Forest“ in Darmstadt kostet rund 30.000 Euro

Die Stadt sieht in dem „Tiny Forest“-Projekt einen weiteren „Beitrag für mehr Grün und mehr Klimaschutz“. Die Kosten für das Pflanzprojekt belaufen sich nach Angaben der Stadt auf circa 30.000 Euro. Mit 5000 Euro unterstützt auch das gemeinnützige Entega-Natur-pur-Institut das Vorhaben.

In den nächsten drei Jahren werden sich das Grünflächenamt der Stadt, die Freie-Montessori-Schule sowie interessierte Kinder aus der Nachbarschaft um das Areal kümmern.

Glücksbringer: Stadtrat Michael Kolmer (Grüne) überreicht der Montessori-Schule ein auf dem Grundstück, das früher militärisch genutzt wurde, gefundenes Hufeisen.

„Tiny Forest“ in Darmstadt: Verein aus Berlin hat Projekt geplant

Der Verein Miya in Eberswalde bei Berlin, der sich als Fachverband zur Förderung der Miyawaki-Methode (dem Erfinder des Tiny Forests) versteht, hat die Planung für das Projekt erstellt, die vorhandenen Bäume in die Planung integriert sowie die Auswahl der Pflanzen nach Grundsätzen der potenziellen natürlichen Vegetation mit dem Grünflächenamt abgestimmt.

Darmstadts Umweltdezernent Michael Kolmer (Grüne) sprach von einem „tollen Gemeinschaftsprojekt“, mit dem das frühere Militärgelände ökologisch aufgewertet werde. Der Stadtrat schenkte der Schule als Glücksbringer ein auf dem Grundstück gefundenes Hufeisen. (Jens Joachim)

Im April 2021 beschäftigte ein mysteriöses Brummen das Umweltamt in Darmstadt.

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