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Journalistin aus Darmstadt im Irak festgenommen: Öffentlicher Druck wächst massiv

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Von: Jens Joachim

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Marlene Förster bei der Arbeit im Nordirak.
Marlene Förster bei der Arbeit im Nordirak. © Marlene Förster

Die Journalistin Marlene Förster aus Darmstadt wird in einer Einzelzelle des Geheimdienstes in Bagdad festgehalten. Bundesweit gab es nun Solidaritätsaktionen.

Update vom Samstag, 30. April, 16:25 Uhr: Für die im Irak am 20. April wegen angeblichen Terrorverdachts festgenommene Journalistin Marlene Förster, die in Bagdad inhaftiert ist, gibt es immer mehr Solidaritätsaktionen und -bekundungen in Deutschland und auch aus der Schweiz.

Während die deutsche Botschaft inzwischen Kontakt zu Förster aufnehmen konnte, nachdem sie tagelang verschwunden war, fehlt von ihrem slowenischen Kollegen Matej Kavčič bislang jede Spur. Laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF wurde Kavčič zeitgleich mit Förster nach Bagdad überstellt. Wo er seitdem festgehalten werde, sei jedoch unklar.

Bagdad: Journalistin Marlene Förster aus Darmstadt im Irak festgenommen

Förster, die einst Sprecherin des Darmstädter Stadtschülerrats und Sozial-Referentin im Allgemeine Studierendenausschuss der Technischen Universität Darmstadt war, studierte zuletzt an der Marburger Philipps-Universität Geschichte sowie Friedens- und Konfliktforschung.

Nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ arbeitet Förster unter anderem für die monatlich in Hamburg erscheinende Publikation „Analyse & Kritik“, die im Untertitel „Zeitung für linke Debatte und Praxis“ heißt und die Nachfolgerin des „Arbeiterkampf“, der Zeitung des aufgelösten Kommunistischen Bunds, ist. Vorrangig habe sich Förster mit den Konflikten im Nahen Osten und der kurdischen Freiheitsbewegung beschäftigt.

#FreeMarleneandMatej: Solidarität mit Marlene Förster und Matej Kavčič

Nach Angaben des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit sitzt Förster in einer Einzelzelle des irakischen Geheimdienstes in Bagdad. Sie und ihr slowenischer Kollege Matej Kavčič recherchierten im Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden im Nordirak. „Wir fordern die Behörden auf, beide unverzüglich freizulassen!“, heißt es in einem Tweet von „Reporter ohne Grenzen“.

Der Tweet wurde auch von der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU), der Gewerkschaft für Journalistinnen und Journalisten in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, geteilt. Auch die DJU erklärte sich mit Förster und ihrem Kollegen Matej Kavčič solidarisch. Das Auswärtige Amt müsse „alles daran setzen, dass die beiden unverzüglich freigelassen werden“, teilte die DJU auf Twitter unter den Hashtags #FreeMarleneandMatej und #Pressefreiheit mit.

Solidaritätsbekundung in Hamburg: St. Pauli-Fans hängen Banner auf

Der Solidaritäts-Hashtag war auch am Freitagabend beim Heimspiel des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli gegen den FC Nürnberg im Millerntor-Stadion in Hamburg auf einem Banner von St. Pauli-Fans zu lesen. Auf dem Banner stand die Forderung „#Free Marlene & Matej!“.

Bereits am Dienstag, 26. April, hatte eine Delegation von Freundinnen und Freunden von Förster und Kavčič das irakische Konsulat in Frankfurt besucht und deren Freilassung aus der Polizeihaft in Bagdad gefordert, berichtete die Solidaritätsorganisation „Libertad!“, die sich als historische Quellgruppe der Interventionistischen Linken versteht. 

Protestaktionen für Marlene Förster aus Darmstadt in Frankfurt, Hamburg und Berlin

Laut einem Bericht der kurdischen Nachrichtenagentur ANF gab es zudem am Freitag, 29. April, vor dem Auswärtigen Amt in Berlin eine Protestaktion für die Freilassung der deutschen Journalistin und ihres slowenischen Kollegen. Der Versuch, dem zuständigen Staatsminister Tobias Lindner (Grüne) ein Dossier über den Fall direkt zu überreichen, sei jedoch gescheitert.

Einen Offenen Brief an Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne), in dem die Freilassung von Förster und Kavčič gefordert wird, haben laut dem ANF-Bericht inzwischen mehr als 400 Personen unterzeichnet. Der Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke) hat zudem zu dem Fall eine Anfrage an das Auswärtige Amt gestellt. Eine Antwort der Bundesregierung stehe noch aus, teilt der Abgeordnete auf seiner Internetseite mit.

Unterdessen haben auch der Soziologe Jean Ziegler und mehrere Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien aus der Schweiz an die deutsche Botschaft in Bagdad appelliert, sich für die Freilassung der beiden verhafteten Journalist:innen einzusetzen, berichtete die Nachrichtenagentur ANF am Samstag.   

Nach Festnahme im Irak: Lebenszeichen aus Bagdad von Journalistin aus Darmstadt

Erstmeldung vom Freitag, 29.04.2022, 19:03 Uhr: Mehr als eine Woche lang wurde gebangt und gehofft – doch nun gibt es Gewissheit: Die aus Darmstadt stammende Journalistin Marlene Förster lebt und wird in der irakischen Hauptstadt Bagdad festgehalten.

Förster war nach einer Mitteilung des Vereins Civaka Azad, dem Kurdischen Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, am Mittwoch nach Ostern, 20. April, an einem Checkpoint der irakischen Armee in Sengal im Nordirak festgenommen worden. Nach ihrer Festnahme verlor sich mehr als eine Woche lang ihre Spur.

Marlene Förster recherchierte im Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden.
Marlene Förster recherchierte im Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden. © Marlene Förster

Bagdad: Journalistin aus Darmstadt sitzt im Irak im Gefängnis

Am Donnerstag, 28. April, konnte die 29-Jährige nun den Angaben zufolge erstmals mit einer Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft in Bagdad sprechen. Nach Auskunft der Botschaftsmitarbeiterin wird Förster in einer Einzelzelle im Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes festgehalten. Förster soll sich bis zum Kontakt mit der Botschaft in einem Hungerstreik befunden haben. Nach Angaben der Botschaftsmitarbeiterin wird Förster „Terrorunterstützung“ vorgeworfen.

Laut einem Bericht des „Darmstädter Echo“ wuchs Förster in Darmstadt auf, besuchte das altsprachliche Ludwig-Georgs-Gymnasium und war von 2011 an Sprecherin des Darmstädter Stadtschüler:innenrats. Nach ihrem Abitur habe sie zunächst an der Technischen Universität Darmstadt studiert und sich dort auch im Allgemeinen Studierendenausschuss engagiert. Zuletzt soll Förster an der Marburger Philipps-Universität Geschichte sowie Friedens- und Konfliktforschung studiert haben. Ihre Mutter lebt in Darmstadt.

Wird im Irak festgehalten: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster.
Wird im Irak festgehalten: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster. © Civaka Azad

Journalistin aus Darmstadt nach Recherche im Nordirak festgenommen

Laut der Mitteilung des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit hatte Förster zusammen mit einem slowenischen Kollegen in den vergangenen Monaten im nordirakischen Siedlungsgebiet von Jesidinnen und Jesiden recherchiert. Inhalt und Ziel der Recherche waren die gesellschaftliche Entwicklung in Sengal nach dem durch die Terrormiliz des sogenannten Islamischen Staates verübten Genozid an den Jesidinnen und Jesiden im Jahr 2014.

Ein Freundes- und Unterstützerkreis hat inzwischen gemeinsam mit Försters Familie einen offenen Brief an Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) geschrieben. Jan Schalauske, der Vorsitzende und friedenspolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Hessischen Landtag, hat indes gefordert, dass sich auch die Landesregierung für Förster einsetzen soll. (Jens Joachim) Tagelang verschwunden: Journalistin aus Darmstadt im Irak festgenommen.

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