Gesteuert aus Darmstadt

Sonde „BepiColombo“ fliegt zum ersten Mal an Merkur vorbei

„BepiColombo“
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Die Merkur-Sonde „BepiColombo“ wird am frühen Samstagmorgen am innersten Planeten des Sonnensystems vorbeisausen. (Archivbild)

Am Samstag fliegt eine aus Darmstadt gesteuerte Sonde erstmals am Merkur vorbei. Doch noch liegt ein gefährlicher Weg vor ihr - auf der anspruchsvollsten Mission der ESA.

Darmstadt - Seit fast drei Jahren ist „BepiColombo“ bereits unterwegs. Es wird auch noch weitere vier Jahre dauern, bis die Merkur-Sonde da ist, wo sie hin soll: auf den Planeten Merkur. Doch nun ist sie diesem Ziel sehr nahe, wenn auch nur für kurze Zeit. Die Merkur-Sonde „BepiColombo“ wird am Samstag (02.10.2021) um 1.34 Uhr (MESZ) in nur rund 200 Kilometern Höhe am innersten Planeten des Sonnensystems vorbeisausen. Nach Angaben der europäischen Raumfahrtagentur Esa ist es der erste von insgesamt sechs Vorbeiflügen der Sonde am Merkur. Die von der Esa aus dem Satelliten-Kontrollzentrum in Darmstadt gesteuerte Sonde werde dann rund 100 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein.

An diesem Samstag (02.10.2021) sollen der Esa in Darmstadt zufolge von Überwachungskameras Bilder gemacht und zusätzlich Daten gesammelt werden. Anfang August war „BepiColombo“ bei einem „Rendevous“ mit der Raumsonde „Solar-Orbiter“ an der Venus vorbeigeflogen.

Merkur-Sonde aus Darmstadt: Das Projekt kostet Milliarden

Die Raumsonde war am 20. Oktober 2018 an Bord einer Ariane-5-Trägerrakete vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana aus gestartet. Das Ziel: Merkur, der innerste und bisher am wenigsten erforschte Planet unseres Sonnensystems. Mehr als sechs Jahre wird die Reise dauern– das ist länger als es die reine Entfernung zwischen Erde und Merkur erfordern würde. Sie beträgt je nach Position zwischen 77,3 und 221 Millionen Kilometern.

Aber eine direkte Route wäre nicht praktikabel: Sie würde zu viel Treibstoff benötigen, wegen des so entstehenden Gewichts zwangsläufig den Umfang der mitgeführten Geräte reduzieren und wäre technisch auch kaum möglich. Zudem ist Merkur wegen seiner Nähe zur Sonne mit ihrer enormen Anziehungskraft nur über komplexe Flugbahnen zu erreichen. Deshalb vollzieht die Raumsonde mehrere Manöver, um zu beschleunigen, abzubremsen oder die Richtung zu ändern. Das ist nötig, denn sonst besteht die Gefahr, dass die Darmstädter Sonde „BepiColombo“ in die Sonne fällt.

Schon vor fast einem Jahr musste die Sonde abbremsen, damit das nicht passiert. Deswegen nutzte sie im Oktober 2020 die Venus als Bremse: Sie liegt auf dem Weg, genau zwischen Erde und Merkur. Die Lenker der Sonde aus Darmstadt nutzten die Schwerkraft der Venus, um „BepiColombo“ einerseits abzubremsen und sie andererseits in eine andere Richtung zu lenken.

Merkur-Sonde aus Darmstadt: „BepiColombo“ besteht aus zwei Satelliten

Die Esa steuert nach eigenen Angaben derzeit 25 Satelliten, 22 vom Kontrollzentrum in Darmstadt aus. Mit zwei Satelliten an Deck soll sie ab Dezember 2025 die Oberfläche und das Magnetfeld des Himmelskörpers untersuchen. Das europäisch-japanische Gemeinschaftsprojekt mit Gesamtkosten von rund zwei Milliarden Euro soll dazu beitragen, die Ursprünge des Sonnensystems zu verstehen.

Die Sonde trägt den Namen eines italienischen Mathematikers: Giuseppe Colombo hat Bahnen durch das innere Sonnensystem berechnet, auf denen sich der Merkur erreichen lässt. Auf einer von ihnen ist die Sonde nun unterwegs. Bisher gab es erst zwei Raumsonden-Missionen zum Merkur: die NASA-Raumsonden Mariner 10 in den 1970er-Jahren und Messenger, deren Mission 2015 endete. (judo/dpa)

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