Wettbewerb „Jugend forscht“

Entdecker am Ziel ihrer Träume

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Jule Thaetner vom Schülerforschungszentrum Nordhessen in Kassel hat es über den Landeswettbewerb bis ins Bundesfinale geschafft. Sie hat ein Verfahren zur Brustkrebserkennung mittels Wärmebildkamera entwickelt.

Darmstadt -  Jule Thaetner forscht auch in den Ferien, und Moritz Hamberger macht nach Rückschlägen mit Versuch und Irrtum einfach weiter. So haben es die beiden Schüler in den Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ geschafft. Von Ira Schaible 

Brustkrebsdiagnose per Temperaturmessung, Biodiesel aus Algen und eine Spezialbrille mit Flüssigkristallen für Piloten: Das sind drei von 105 Projekten, die beim 53.Bundesfinale von Jugend forscht im wissenschaftlichen Wettstreit stehen. Medizin und Umweltthemen sind die Schwerpunkte der Forschungsarbeiten, die die 182 jungen Leute in Darmstadt bis einschließlich Sonntag präsentieren.

Jule Thaetner aus Kassel hat ein thermografisches Verfahren entwickelt, bei dem Brustkrebszellen mit Wärmebildaufnahmen von gesunden Zellen unterschieden werden können – sie sind kälter. „Krebszellen verstoffwechseln weniger und geben deshalb weniger Energie preis“, beschreibt die 18 Jahre alte Schülerin ihre These. Sie habe eine unbedenkliche Alternative zum umstrittenen Mammografie-Screening für die Diagnose von Brustkrebs finden wollen.

Moritz Hamberger aus dem bayerischen Ingolstadt gewinnt aus selbst gezüchteten Algen Fette, die sich als Biodiesel aber auch als Kunststoffe für die Industrie verwenden lassen, wie der 17 Jahre alte Gymnasiast sagt. Drei Brandenburger Schülern aus Wusterhausen ist es gelungen, mit Hilfe verschiedener Siebe Mikroplastik im Auslauf von Kläranlagen nachzuweisen.

Inspiriert von einem Lego-Roboter-Wettbewerb haben drei 15-jährige Schüler aus Gladbach einen Rehkitzretter für Mähdrescher entwickelt. Das Gerät sendet eine akustische Warnung, wenn ein Kitz im Gras liegt. Damit könne dazu beigetragen werden, den Tod von mehr als 100 000 Kitzen jedes Jahr in Deutschland zu verhindern, sagte Patrick Dormanns.

„Meine Utopie wäre eine Fabrik ohne Menschen“, berichtet der 18 Jahre alte Felix Loos aus Klinga in Sachsen. Viele Roboter könnten aber noch nicht dynamisch auf ihre Umgebung reagieren, daher habe er mehrere Programme entwickelt, die auf künstlicher Intelligenz basieren und Industrieroboter flexibler machen sollen.

Die Faszination für die Raumfahrt hat Christoph Musch (17) aus dem sächsischen Gersdorf dazu gebracht, ein „autonomes Lebenserhaltungssystem“ zu entwickeln, das Astronauten mit Hilfe von Pflanzen mit Sauerstoff, Lebensmitteln und Wasser versorgen soll.

„Jugend forscht“ 2018: Bilder aus Darmstadt

Wenn Piloten von Laserpointern geblendet werden oder Autofahrer von der tief stehenden Sonne, kann das verheerende Folgen haben, weiß Adrien Jathe aus Frankfurt. Der 16-Jährige hat eine Brille entwickelt, die solche direkten Lichteinstrahlungen stufenlos abdunkelt – mit Hilfe von organischen Solarzellen und Flüssigkeitskristallen.

Aus Hessen stammen 14 Teilnehmer mit sieben Projekten. Angemeldet hatten sich für den Wettbewerb bundesweit mehr als 12.000 Schüler, Azubis und Studienanfänger im Alter bis 21 Jahre. Sie konkurrieren in sieben verschiedenen Sparten der sogenannten MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Was treibt die jungen Forscher an? Thaetner sagt: „Krebs ist eine sehr spannende Krankheit, und es muss noch viel erforscht werden.“ In ihrer Familie seien alle gesund, „die erschreckenden Zahlen“ von Brustkrebserkrankungen seien ihre Motivation, sagt die 18-Jährige, die gern Medizinerin werden möchte. Der Klimawandel und Berichte über Bio-Diesel hätten ihn beschäftigt, beschreibt Hamberger seine Motivation. „Dran bleiben und weiter machen ist dann das Entscheidende“, sagt der 17-Jährige. „Er war einfach neugierig“, beschreibt Markus Jathe den Antrieb seines Sohnes Adrien, der wegen einer Ökonomie-Klausur in der Schule später kommt. „Er hat viel gebastelt und gebaut“, auch ein Cockpit, weil er Pilot werden wollte. „Wir haben nie geschimpft, wenn etwas kaputt gegangen ist. Und es ist viel kaputt gegangen.“

„Es gab in den Ferien schon Wochen, wo ich nichts anderes gemacht habe“, sagt Thaetner. Manchmal habe sie auch Unterricht ausfallen lassen und den Stoff nacharbeiten müssen. Seit vier Jahren arbeitet sie an ihrem Projekt. Hamberger ebenfalls. Der 17-Jährige sagt: „Man baut seine Freizeit und die Schule irgendwann um das Projekt herum.“ (dpa)

Quelle: DA-imNetz.de

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