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Journalistin aus Darmstadt im Irak aus Haft entlassen

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Von: Jens Joachim

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Sitzt in Bagdad im Gefängnis des irakischen Geheimdienstes: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster.
Sitzt in Bagdad im Gefängnis des irakischen Geheimdienstes: Die Journalistin und Aktivistin Marlene Förster. © Civaka Azad

Die Journalistin Förster ist nach einmonatiger Haft im Irak wieder frei. Die Darmstädter Stadtverordneten beschlossen zuvor einstimmig einen Dringlichkeitsantrag.

Update vom Freitag, 20. Mai 2022, 16.15 Uhr: Die am 20. April im Nordirak festgenommene Studentin, politische Aktivistin und Journalistin Marlene Förster aus Darmstadt und ihr slowenischer Kollege Matej Kavcic sind wieder frei.

Die beiden seien am Freitag aus der Haft entlassen und abgeschoben worden, teilte der Solidaritätskreis „Free Marlene and Matej“, der auch Marlene Försters Mutter Lydia Förster angehört, am Freitag mit. Marlene Förster sei am Freitag mit einem Flugzeug nach Berlin gebracht worden, sagte ein Sprecher des Solidaritätskreises der Frankfurter Rundschau.

Petition und Dringlichkeitsantrag forderten „Freiheit für Marlene und Matej“

Eine Petition zur Freilassung von Förster und Kavcic auf change.org hatten bereits mehr als 53.000 Menschen unterzeichnet, darunter die ehemalige Vizepräsidentin des Europaparlaments, Evelyne Gebhardt (SPD), der Sozialmediziner und Bundespräsidentenkandidat Gerhard Trabert aus Mainz und der Bundestagsabgeordnete und ehemalige Fraktionsvorsitzende der Linken, Bernd Riexinger, sowie Volker Jung, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, und die kurhessische Bischöfin Beate Hofmann.

Am Donnerstagabend hatte die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung auf Initiative der Fraktionen von Die Linke, SPD, Uwiga/WGD und der Stadtverordneten Christina Dietrich von den Freien Wählern einstimmig einen Dringlichkeitsantrag beschlossen. Darin wurde die „dringende Bitte an das Auswärtige Amt und die deutsche Botschaft im Irak gerichtet, bei den irakischen Behörden „mit hoher Priorität auf die Freilassung der beiden Inhaftierten hinzuwirken“.

Förster und Kavcic hatten nach Angaben ihrer Unterstützerinnen und Unterstützer über die Situation der Jesidinnen und Jesiden in der nordirkaischen Sindschar-Region recherchiert. Nach ihrer Festnahme wurden sie in das Hauptquartier des irakischen Geheimdienstes nach Bagdad gebracht. Wenige Tage nach der Festnahme der beiden habe das irakische Militär in der Region eine Offensive gestartet. 2014 beging dort die Terrormiliz „Islamischer Staat“ Massaker unter der jesidischen Bevölkerung.

Irak bezichtigt inhaftierte Journalistin aus Darmstadt der Spionage

Erstmeldung vom Dienstag, 17. Mai 2022, 17.31 Uhr: Nach fast einem Monat ist die am 20. April im Nordirak festgenommene Studentin, politische Aktivistin und Journalistin Marlene Förster in Bagdad erstmals von einem Haftrichter angehört worden. Zudem hatte die aus Darmstadt stammende 29-Jährige erstmals Kontakt mit ihrem Anwalt. Das hat Marlenes Mutter Lydia Förster der FR mitgeteilt.

Während der richterlichen Anhörung seien auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft in der irakischen Hauptstadt sowie Marlenes Anwalt zugegen gewesen. Die Botschaft habe ihr mitgeteilt, dass der ursprünglich kolportierte Terrorismusvorwurf „vom Tisch“ sei.

Bagdad: Vorwurf der Spionage gegen Journalistin Marlene Förster aus Darmstadt

Laut der Botschaft werde ihrer Tochter nun vorgeworfen, spioniert und gegen Aufenthaltstitel verstoßen zu haben. Was sich hinter dem Spionagevorwurf verberge, sei jedoch unklar, sagte Lydia Förster.

Marlenes Mutter berichtete ferner, dass die Mitarbeiterin der Botschaft in Bagdad ihrer Tochter Kleidung, Hygieneartikel, Medikamente und ein Buch aushändigen konnte. Über das Buch habe sich Marlene so sehr gefreut, dass sie in Tränen ausgebrochen sei. Marlene Förster sitzt – wie auch ihr slowenischer Kollege Matej Kavcic im Gefängnis des irakischen Geheimdienstes in Bagdad.

Darmstadt: Marlene Förster und Kollege Matej Kavcic in Bagdad in Haft

Förster und Kavcic hatten mehrere Monate im jesidischen Siedlungsgebiet in der nordirakischen Region Sindschar/Sengal recherchiert. 2014 wurden dort Jesidinnen und Jesiden von der Vernichtung durch den sogenannten Islamischen Staat bedroht. Bis heute ist kein Frieden in der Region eingekehrt. Mitte April hatte die Türkei eine neue Offensive gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK im Nordirak gestartet.

Zudem soll erst vor wenigen Tagen die irakische Armee Angriffe auf jesidische Milizen in der Sindschar-Region gestartet haben.

Darmstadt/Bagdad: Terrorismusverdacht gegen Marlene Förster vom Tisch

Lydia Förster teilte zudem mit, dass es Marlene „körperlich gut“ gehe, wenngleich sie mental „etwas angegriffen“ sei. „Wir sind froh, dass der Terrorismusverdacht vom Tisch ist und hoffen dass es nun gelingt, den absurden Vorwurf der Spionage zu entkräften.“

Dennoch stehe für sie fest, dass der irakische Staat versuche, „einen freien Journalismus im Zusammenhang mit der Situation im Sengal zu kriminalisieren“, kritisiert Förster.

Darmstadt: Kundgebung auf dem Friedensplatz und Dringlichkeitsantrag geplant

Ein Solidaritätskreis lädt unterdessen an diesem Mittwoch, 18. Mai, um 18 Uhr zu einer weiteren Solidaritätskundgebung auf den Friedensplatz ein. Bereits am vergangenen Mittwoch, 11. Mai, hatte es dort eine erste Kundgebung gegeben, bei der Lydia Förster über einen ersten überraschenden Anruf ihrer in Bagdad inhaftierten Tochter berichtet hatte.

In einem Dringlichkeitsantrag wollen am Donnerstag während der nächsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im Darmstadtium die Fraktionen von Die Linke, SPD, Uwiga/WGD sowie die Stadtverordnete Mandy Neumann (Die Partei) die Forderungen der Demonstrierenden aufgreifen und ein Zeichen der Solidarität für Förster und Kavcic setzen. (Jens Joachim)

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