48-jähriger Angeklagter räumt vor Gericht sämtliche Vorwürfe ein

Stieftochter jahrelang missbraucht: Fünfjährige erlebte ein Martyrium

Darmstadt/Mühltal - Mehr als zehn Jahre lang soll sich ein Mühltaler an seiner Stieftochter vergangen haben. Am Freitag sitzt L. vor der 2. Strafkammer des Landgerichts Darmstadt auf der Anklagebank. Der 48-Jährige räumt alle Vorwürfe ein. Von Stefan Mangold 

Die heute 20-jährige Geschädigte erscheint als Nebenklägerin vor dem Darmstädter Landgericht. Ihre Mutter und die Mutter eines leiblichen Kindes des L. sagen aus. Die Figur von L., der seit Oktober 2017 in Haft ist, wirkt gedrungen, seine Mimik leblos. Bevor der Prozess beginnt, wendet sich Verteidiger Eckart Sauer der Staatsanwältin Annika Hegmanns zu: „Wegen mir muss die arme Frau nicht aussagen.“ Gemeint ist die heute 20-jährige Stieftochter, die sein Mandant zwischen derem fünften und 15. Lebensjahr schwer missbraucht haben soll. Die mutmaßlichen Taten passierten an den wechselnden Wohnorten der Familie, zuletzt in Mühltal. Nach der Verlesung der Anklageschrift wird L. sagen: „Alles, was da drin steht, stimmt so.“ Damit erspart er der Stieftochter eine detaillierte Befragung.

Zum ersten Übergriff kam es im Jahr 2003. In einem Darmstädter Kaufhaus nimmt der damals 33-Jährige das fünfjährige Mädchen mit auf die Herrentoilette, wo es sein Genital anfassen muss. Bald danach vollzieht L. an seiner Stieftochter penetrierende Praktiken, die auch für einen Erwachsenen schmerzhaft sein können. Für ein Kind kommen sie einem Martyrium gleich. Wöchentlich „benutzt“ er die Tochter seiner Frau. Das Ehepaar arbeitet zu unterschiedlichen Zeiten. Die 43-jährige Mutter der Nebenklägerin berichtet, ihre Tochter habe ihr 2003 erzählt, der Stiefvater fasse sie unangenehm an. Daraufhin habe sie ihr Kind untersuchen lassen, „da kam nichts raus“.

Der Stiefvater habe den Vorwurf bestritten. „Ich glaubte ihm“, antwortet die Frau auf Nachfrage von Richter Marc Euler. Sie habe gewusst, dass gegen ihren Mann schon mal ein Verfahren wegen Missbrauchs an dessen eigener Tochter mit Einstellung endete.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

2006 habe ihr die Tochter wieder von Übergriffen erzählt, wodurch sich das erste Prozedere lediglich wiederholte. Erst 2017, drei Jahre nach der letzten Vergewaltigung, glaubte die Mutter ihrer Tochter. Die Geschädigte hatte den Stiefvater gefragt, warum er ihr das angetan habe. Der antwortete, „ich weiß nicht, was mich geritten hatte. Leider kann ich es nicht rückgängig machen“. Die Tochter hatte den Dialog auf dem Handy aufgenommen. Wie es damals zum eingestellten Verfahren kam, erzählt die Mutter der leiblichen Tochter des L.: „Im Kinderzimmer erwischte ich ihn mit heruntergelassener Hose vor der Dreijährigen, die nur ein Hemd trug.“

Das Urteil steht noch aus.

Quelle: DA-imNetz.de

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion