Naturschutzgebiete im Kreis: Der Faulbruch zwischen Dieburg und Münster

Als der Opa noch mit der Sense kam

Matthias Kisling und Stefan Rickert (von links) bei einer Begehung des Faulbruchs.
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Matthias Kisling und Stefan Rickert (von links) bei einer Begehung des Faulbruchs.

Dieburg – 16 Naturschutzgebiete (NSG) gibt es im Landkreis, und drei davon sind auf der Gemarkung von Dieburg und Münster angesiedelt. Dazu gehören „Das große Hörmes“ bei Dieburg, die „Fohlenweide“ ebenfalls bei Dieburg und der „Faulbruch“ zwischen Dieburg und Münster, der allerdings komplett auf Münsterer Gemarkung liegt. Mit 77 Hektar gehört der Faulbruch zu den großen NSG im Landkreis, das kleinste ist mit der Scheelhecke nur vier Hektar groß.

1985 wurde der Faulbruch als NSG ausgewiesen. Seine Lage ist nicht ganz unproblematisch: Die B 45 führt direkt am Faulbruch vorbei. Das bedeutete eine Zerschneidung beim Bau der autobahnähnlichen Bundesstraße, es gab im Vorfeld Entwässerungen und Nutzungsintensivierungen. Seit 1985 gehört dem Naturschutz das Gebiet, seitdem gibt es intensive Bemühungen zur Renaturierung und Verbesserung der Wassersituation. Das Naturschutzgebiet Faulbruch ist vielgestaltig. „Die Hälfte der Fläche sind Wiesen, die andere Hälfte Wald“, sagt Forstoberamtsrat Stefan Rickert bei einer Begehung zusammen mit dem Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Matthias Kisling. Auf jeden Fall ist es ein feuchtes Gebiet, im Wald dominiert die Erle. Das Waldgebiet ist im Wesentlichen von der Bewirtschaftung ausgenommen, allerdings wurde hier noch nie viel gearbeitet, weil durch die Feuchtigkeit, die sich deutlich zeigt, eine Bewirtschaftung schon immer schwierig war. Es gab Diskussionen, den Wald zu fällen, aber hier siedeln auch viele Brutvögel, deshalb sahen das Forstamt und die Naturschutzbehörde von einer Rodung ab.

Interessanter, vor allen Dingen seien aber die Wiesenbereiche, so Rickert. Hier befinden sich größere Bestände des Teufelsabbiss (botanisch Succisa pratensis), der typischerweise in Feuchtgebieten wächst. Besonders ist auch der Pillenfarn (Pilularia globulifera), der dem Laien vom Aussehen eher wie ein Gras erscheint. „Das ist eine ganz uralte Form des Farnes“, sagt Rickert. Diese spezielle Form des Farnes braucht zum einen offenen Boden, aber hier speziell den Rohboden, also ein Boden der bearbeitet oder gestört wird. Als neue Teiche angelegt wurden und folglich der Boden bearbeitet wurde, zeigte sich auch der Pillenfarn wieder. Die nassen oder feuchten Wiesengebiete werden immer weniger, viele wurden trockengelegt. Mit dem Schwund der Fläche geht ein Artenverlust einher. Früher nahmen die Landwirte auch diese Flächen in die Nutzung. „Früher war in der Landwirtschaft der Opa noch mit dabei, der hat die Sense mitgenommen und hat die nassen Ecken mit ausgemäht, so wie der Opa verschwunden ist, so ist auch dieses Nass-Grünland verschwunden, weil es einfach keinen mehr gibt, der das händisch nacharbeiten kann“, erklärt Kisling. Ein Moor war der Faulbruch noch nie, aber schon alleine der Name deutet darauf hin, dass es dort schon immer nass war.

Aber auch bei der Fauna gibt es Besonderheiten. „Von den Amphibien ist eigentlich alles da“, sagt Matthias Kisling. Der Moorfrosch wurde hier gesichtet, ebenso die Ringelnatter, der Berg-, Teich- und Kammmolch. Die Gelbbauchunke hat hier kein Vorkommen, sie gibt es zwar in der Nachbarschaft in einem Gebiet zwischen Eppertshausen und Messel, aber nicht im Faulbruch. Dafür brüten im Waldbereich der Pirol und die Waldschnepfe. Über die Wiese flattert mit dem Ameisenbläuling ein Schmetterling. Damit der Faulbruch, zumindest der Wiesenbereich erhalten bleibt, muss er gepflegt werden. Die Wiesen müssen regelmäßig gemäht werden, damit sie nicht erst verbuschen und sich anschließend in Wald verwandeln. Aber auch aus dem Wald wurden bestimmte Gehölz- und Baumarten, wie die Weide herausgenommen. Diese Arbeiten erledigt das Forstamt, das für die Pflege der NSG im Landkreis zuständig ist, meist nicht selbst, sondern es werden beispielsweise bei Wiesenbereichen Landwirte mit dem Mähen beauftragt. Auch im Forst arbeitet meist eine Firma, die vom Forstamt beauftragt wird. Aktuell ist laut Einschätzung von Rickert im Wald allerdings kein Eingriff notwendig.

Von Agnes Badener

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