Vor der Mahd suchen zwei Jäger und ihre Hunde das hohe Gras nach Rehwild-Nachwuchs ab

Kein Kitz, aber fünf Störche

Michael Hartmann (l.) und Ludwig Völker haben die Wiese mit ihren Hunden vor der Mahd nach Rehkitzen abgesucht.

Dieburg – Eine vorbildliche Zusammenarbeit im Tierschutz war am Freitagmorgen an der alten Gundernhäuser Straße zu erleben: Auf einer großen Wiese haben der Pächter und zwei Jäger sichergestellt, dass beim Mähen keine Rehkitze verletzt oder getötet werden. VON JENS DÖRR

In diesen – in der Natur babyreichen – Wochen bringt auch das Rehwild seinen Nachwuchs zur Welt. Dann versteckt die Ricke es nicht zwangsläufig im Wald, wenn es auf Nahrungssuche geht. In den ersten zwei Monaten, in denen das Kitz seine Mutter noch nicht auf ihren Streifzügen begleiten kann, wird es oft auch im Gras hoher Wiesen abgelegt. Was nur dann ein geschützter Ort ist, wenn die Wiese nicht vom Menschen bewirtschaftet, also gemäht wird. Oder wenn sich Leute wie Michael Hartmann und Ludwig Völker für die Natur einsetzen.

Hartmann ist Jagdpächter des Reviers „Dieburg III“, das im Süden an die Kreisstraße 128 beziehungsweise an die alte Gundernhäuser Straße grenzt. Diese Straße ist heute ein Rad- und Fußweg und bildet entlang von Erbesbach und Fischwasser die Verlängerung der Rheingaustraße. Auf der Nordseite dieses Wegs und auch des beliebten Spielplatzes nahe Rheingaustraße und Südwestring liegt ein großes Areal, auf dem Wiesengräser wachsen und schon mal deutlich höher als einen Meter werden. Diese Fläche ist an den Dieburger Bauern Stix verpachtet, der das Gras am Freitag durch ein Unternehmen mähen ließ. Das Gras wird anschließend zu Heuballen verarbeitet.

Wichtig nun für den Schutz der jungen Rehe: Stix informierte vorab Michael Hartmann. Ehe das Mähen begann, war dieser samt Jagdhündin Birka vom Birkenmoor vor Ort. Ebenfalls mit von der Partie war Ludwig Völker, der früher 40 Jahre lang Pächter des Reviers „Dieburg III“ gewesen war. Auch er hatte eine vierbeinige Gefährtin der als sehr intelligent geltenden Jagdhund-Rasse Deutsch Drahthaar dabei: Basra vom Elser Berg. So machte sich das Quartett auf seine zwölf Beine, um das Gelände zu sondieren.

„Die Mähmaschine hat zwar ein Kitzwarnsystem“, schilderte Hartmann vor Ort, dass es durchaus technische Hilfen gibt, um Tierleid zu vermeiden. Ein Piepser warnt dann den Fahrer der Maschine im Inneren, dass es etwas zu umkurven gibt. Dennoch sei ein zusätzliches Ablaufen der Wiese mit Hunden sinnvoll. „Ich habe die Bauern gebeten, mich vor dem Mähen zu informieren“, sagte Hartmann. „Das klappt gut.“

Am Freitag blieben Völker, die zwei Hunde und er auf dem beschriebenen Gelände ohne Rehkitz-Fund. Wenn man ein Kitz entdecke, sei es wichtig, das Tier nicht zu berühren, weil es die Mutter nicht mehr annehme, wenn es menschlichen Geruch trage. Stattdessen bette man den tierischen Nachwuchs dann auf Gräser und transportiere ihn ohne direkten Kontakt an eine sichere Stelle in der Nähe. Dort finde es die Ricke schnell wieder, könne es lecken, säugen und die gewohnte Bindung damit aufrecht erhalten.

Auch ohne Rehwild bot sich am Freitag auf der Wiese an der alten Gundernhäuser Straße derweil ein beeindruckendes Naturschauspiel: Unter anderem bis zu fünf Störche gleichzeitig taten sich im flachgelegten Gras gütlich. „Eine frisch gemähte Wiese ist ein Magnet“, beschrieb es Völker. Zumal selbst der sensibelste Sensor einer Mähmaschine nicht vor jedem Mäuschen Halt macht und im lokalen Fall durch die nahen Gewässer auch Frösche auf dem Areal zu finden sind. Ein Fuchs ließ sich ebenfalls blicken – und neben den Störchen machen Michael Hartmann und Ludwig Völker in diesem Dieburger Randgebiet immer wieder auch Rot- und Schwarzmilane sowie ab und an sogar Rebhühner aus.

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