Trockenheit

Investitionen in den Wald: Neue Bäume für Dieburg und Groß-Zimmern kosten 70 000 Euro

Revierförster Martin Starke auf vom Borkenkäfer befallenen Fichtenholz, das nur zu einem niedrigen Preis verkauft werden kann. Fotos: zba

Der Wald in Dieburg zeigt sich zurzeit fast von seiner schönsten Seite. Die wilden Kirschen blühen und die Birken und Buchen zeigen auch schon ganz zaghaft ihr erstes Grün.

Dieburg - Auch auf dem Waldboden sind die ersten Kräuter zu sehen, die Sternmiere blüht weiß und das Immergrün zeigt seine blauen Blüten. Förster Martin Starke hat auch dafür einen Blick, allerdings geht es bei ihm momentan eher darum, wieder aufzuforsten. In Dieburgs Wäldern gibt es einige Kahlstellen, sei es nun, dass sie durch die Stürme der vergangenen Jahre verursacht wurden, oder auch durch die Trockenheit und in deren Folge den Borkenkäfer, der besonders über die Fichten herfällt.

„Eigentlich wollte ich schon im vergangenen Frühjahr neue Bäume pflanzen“, sagt Starke, „aber durch die Trockenheit war es unmöglich.“ Die jungen Pflänzchen hätten keine Chance gehabt. Dieses Frühjahr hat es im Februar und März relativ viel geregnet und das ist auch nach der Trockenheit der vergangenen drei Wochen noch sichtbar. Die Tümpel und Gräben im Wald sind noch mit Wasser gefüllt und wenn Forstarbeiter Leko Huse mit dem Spaten in den Boden sticht, sieht man auch hier noch viel Feuchtigkeit.

Also hat Starke Pflanzen bestellt. Für die 0,4 Hektar in der Abteilung 50 des Dieburger Waldes, beziehungsweise ein Waldstück an der Forstbaumschneise sind mehr als 2 000 Stieleichen zum Teil schon gepflanzt, zum Teil noch eingeschlagen. Auf dem Waldstück, auf dem noch ein paar alte Kiefern stehen, sollen auch noch 525 Hainbuchen gepflanzt werden. Der Rest soll durch Naturverjüngung selbst aufwachsen. Auf dem Waldboden sind schon kleine Keimlinge von Kiefern, Birken, Buchen und Erlen zu sehen.

Starke hat bei der Forstbaumschule Darmstadt – die Pflanzen sollen möglichst schon von Anfang an den heimischen Klimabedingungen ausgesetzt sein – auch noch 600 Wildkirschen bestellt. Die sitzen eher am Waldrand, einige sind schon ganz in der Nähe der Nebenstrecke von Dieburg nach Darmstadt gepflanzt. Allerdings fallen alle neu gesetzten Bäume nur dem aufmerksamen Beobachter auf. Sie sind noch so klein und dünn, dass man genau hinschauen muss, um sie zu sehen. Der Förster hätte auch gerne noch Esskastanien für den Forst erhalten, die waren aber schon aus. Dafür bessert er mit 700 Douglasien Kahlstellen im Wald aus.

Die Investitionen sind erheblich. Eine Pflanze kostet 1 Euro, rechnet man die Pflanzkosten hinzu, landet man bei 2 Euro. Starke beziffert die Investition in beide Reviere, also Dieburg und Groß-Zimmern mit 70 000 Euro, dazu kommen noch 10 000 Euro für den Gatterbau, um die jungen Bäumchen vor dem Wildfraß zu schützen. Glücklicherweise gibt es Fördermittel von Bund und Land in Höhe von 70 Prozent – die mussten allerdings schon im Vorfeld beantragt werden.

So kann Dieburg in diesem Jahr auch nicht mit Einnahmen aus dem Forst, so wie in den vergangenen Jahren, rechnen. Wertvolles Holz, das gut verkauft werden kann, hat der Förster mit dem Unternehmer Elvedin Kukaviza in diesem Winter auch nicht eingeschlagen. Sein Augenmerk lag darauf, die Verkehrssicherheitspflicht zu erfüllen. Das heißt, Wege und vor allem die Nebenstrecke freizuhalten und an ihren Rändern Bäume zu entfernen, die vom Umstürzen bedroht waren. Geld gibt es für dieses Holz kaum, wenn es überhaupt verkauft werden kann. Erhält man für die Fichte normalerweise 90 bis 100 Euro für den Festmeter, so gibt es für das Käferholz aktuell 20 Euro. Allein in Nordhessen liegen 300 000 Festmeter Fichtenholz auf Halde. Auch bei der Buche dank der Preis von 90 auf 30 Euro deutlich. Vor allem, weil Starke nur Holz im Angebot hat, das von Bäumen stammt, die durch die Trockenheit starben.

Starke hofft jetzt, dass es demnächst und im Sommer häufiger regnet, damit die jungen Bäume auch eine Chance haben, anzuwachsen und später mal groß und stark zu werden. „Erst im Mai oder Juni wird man sehen, ob die Pflanzen tatsächlich angewachsen sind“, erklärt der Förster. zba

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