Konzertveranstalter Berg: Orgelmeile und Schlosskonzerte überstehen Corona

„Aufgeben kommt nicht in Frage!“

„Die Flinte ins Korn werfen und aufgeben kommt nicht in Frage!“: Richard Berg. Fotos: Dörr

Dieburg – Seinen Witz hat Richard Berg auch in der Corona-Zeit nicht verloren: „Gerade hat das Dommuseum in Frankfurt bei mir 25 CDs geordert – die erste große Summe in diesem Jahr!“ Der Dieburger übt sich in Galgenhumor, als ihn unsere Zeitung nach Status quo und Zukunft seiner musikalischen „Babys“ in der Gersprenzstadt befragt. VON JENS DÖRR

Berg, einst für den Landkreis Darmstadt-Dieburg Initiator und Gestalter des „Kultursommers Südhessen“, veranstaltet auch im Teilzeit-Ruhestand weiter die „Dieburger Orgelmeile“ und die „Dieburger Schlosskonzerte“. Gute Kunde in einer Phase, in der die Kultur darniederliegt: Mit beiden Formaten geht es auf jeden Fall weiter. .

Beruflich steht Berg nach seinem offiziellen Ausscheiden beim Landkreis Darmstadt-Dieburg Ende 2018 noch auf drei Beinen: Neben dem Verkauf von CDs mit meist klassischen Werken und der Konzertdirektion ist er auch in der CD-Produktion aktiv. „Das kann ich derzeit fortführen, darauf konzentriere ich mich aktuell“, sagt er. Drei Produktionen sind in den nächsten Wochen geplant. Terminprobleme kriegt Berg kaum: „Die Veranstaltungen in nächster Zeit sind ja alle fraglich oder schon abgesagt.“

Auch in der Reihe „Dieburger Schlosskonzerte“, von denen Berg mittlerweile 182 (!) meist im Fechenbach-Schloss sowie ab und an in der Römerhalle durchgeführt hat, fielen bereits Konzerte zum Opfer. „Im Veranstaltungsgeschäft habe ich derzeit null Umsatz“, sagt der Selbst- und Ständige. Und denkt zugleich doch vorwiegend an andere Leidtragende des kulturellen Shutdowns: „Gerade die Musiker liegen mir sehr am Herzen. Die haben derzeit ja kein Einkommen.“ Sogar das Unterrichten sei im Augenblick schwer. Mal ganz davon abgesehen, dass sich derlei Nachfrage eher auf Klavier und Gitarre denn Horn und Oboe konzentriert.

Angesichts seiner besonders gebeutelten Branche und ungewisser Perspektiven entwickelt Richard Berg eine trotzige Haltung: „Die Flinte ins Korn werfen und aufgeben kommt nicht in Frage!“, betont er. Zwar werde er auch die diesjährige „Dieburger Orgelmeile“ nicht wie geplant am 4. Juli durchführen können. „In die katholischen Kirchen St. Wolfgang und St. Peter und Paul dürfen im Moment nur 50 Leute rein, in die evangelische Kirche vielleicht 20, in die Wallfahrtskirche wegen des schmalen Gangs gar keine. Wenn ich die Orgelmeile mit so wenig Publikum machen würde, würde ich 4 000 Euro drauflegen.“

Aber: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Vielleicht kann ich die Orgelmeile noch in diesem Jahr nachholen, eventuell im Oktober“, sagt Berg. Besonders am Herzen liegt ihm die 2020er-Auflage wegen des Auftaktkonzerts in St. Wolfgang, bei dem an Pfarrer Manfred Gärtner erinnert werden soll. Er begleitete vor 25 Jahren ein CD-Projekt zugunsten von Miguel Couto und verstarb vor 20 Jahren. Zudem sollen bei der diesjährigen Orgelmeile die beiden in Dieburg lebenden Koryphäen Andreas Boltz (Orgel) und Ruth Schwachhöfer (Geige) in der Wallfahrtskirche konzertieren.

Auch hofft Berg darauf, noch das eine oder andere der restlichen Schlosskonzerte durchführen zu können. Die nächsten zwei Veranstaltungen – Czajkowski-Projekt im September und Klavier-Trilogie im Oktober – sind für die Römerhalle geplant; mit ihrem großen Saal bietet sie beim Einhalten von Abständen der Besucher untereinander zumindest bessere Möglichkeiten als der Kammersaal des Fechenbach-Schlosses, in dem es schon bei normaler Reihenbestuhlung ab 80, 90 Personen kuschelig wird.

Bergs weiteres Vorgehen: Er warte jeweils bis wenige Wochen vor der Veranstaltung, ehe er über Absage oder Durchführung entscheide. Klar sei aber auch: „Die jetzigen Einschränkungen sind so groß, dass das alles nicht machbar ist.“

Das bedeute jedoch selbst im Worst Case – weitere Absagen bis zum Jahresende – definitiv nicht das zukünftige Aus für Orgelmeile und Schlosskonzerte. Wo immer möglich, würden ausgefallene Ereignisse nachgeholt, zum Beispiel das auf nächsten März verlegte Konzert mit der „Classical Band“ Spark.

Richard Berg verspricht: „2021 geht es weiter!“ Schließlich habe er beim 150. Schlosskonzert zugesagt, bis zum 200. weiterzumachen – mindestens.

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