Freizeitzentrum Spießfeld

Gänse-Plage in Dieburg wächst – Tier-Kot ekelt Besucher

Dutzende Gänse – derzeit vor allem Grau- und Kanada-Gänse, in den Vorjahren auch viele Nilgänse – fühlen sich am Ufer des Spießfeld-Sees „gans“ wohl.
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Dutzende Gänse – derzeit vor allem Grau- und Kanada-Gänse, in den Vorjahren auch viele Nilgänse – fühlen sich am Ufer des Spießfeld-Sees „gans“ wohl.

Im Naherholungsgebiet bei Dieburg sorgen Dutzende Gänse für Unmut. Die Stadt will das Problem angehen. Aber wie?

Dieburg – Ein Dauerproblem harrt weiter seiner Lösung: Mit dem „Spießfeld“ bietet Dieburg seinen Einwohnern westlich des Stadtgebiets ein sehr schönes Naherholungsgebiet und Freizeitzentrum für alle Generationen. Eigentlich – denn die Hinterlassenschaften etlicher Grau-, Kanada- und Nilgänse verdrecken das Ufer des Spießfeld-Sees arg, ekeln viele Menschen und vergällen ihnen den Besuch. Auch regelmäßige Leserzuschriften zeigen, dass die Gänse –manchmal sind es 60, 70 Exemplare auf einem Fleck – als Plage gesehen werden, die es zu bekämpfen gilt. Nun gibt es einen kleinen neuen Hoffnungsschimmer.

Auf Besserung warten viele Nutzer von Spießfeld (und auch Wolfgangsee, hier vor allem die Dieburger Angler als Pächter des Gewässers) seit Jahren vergeblich. Die Zahl der Tiere ist eher größer als kleiner geworden, auch wenn die Gänsearten anteilig variieren. So dominieren derzeit vor allem die heimische Graugans und die „invasive“ Kanada-Gans. Tendenziell sind gegenüber den Vorjahren aktuell weniger Nilgänse zu sehen.

Momentan empfinden viele Besucher des Spießfelds die Gänseschar als besonders üppig. Bürgermeister Frank Haus (parteilos) sieht dies ähnlich und vermutet als Erklärung: „Die starke Population am Spießfeld in diesem Jahr steht sicher auch in einem Zusammenhang mit der wochenlangen schwachen Nutzung durch die Sperrung wegen der Pandemie.“ In dieser Phase wurden die Tiere durch den Menschen noch weniger als sonst gestört.

Immer wieder, und auch jetzt, kommt gerade wegen des in Ufernähe, teils aber auch auf Bänken und Spielgeräten zu findenden Gänsekots der Ruf nach Vertreibung oder gar Abschuss der Tiere auf. Zur erstgenannten Option sagt Haus: „Die Durchführung von Vergrämungsmaßnahmen haben wir als nicht aussichtsreich verworfen.“ Grund sei, „dass wir den Gänsen keine Ersatzflächen, sogenannte Duldungs- oder Ablenkungsflächen, anbieten können. Ein Vertreiben der Tiere aus dem Spießfeld könnte also dazu führen, dass diese dann noch stärker den Wolfgangsee oder gar die kleinen Teiche in der Innenstadt wie im Schlossgarten oder am Landratsamt bevölkern würden.“

Wochenlang hatten die Gänse das Freizeitzentrum in der Coronoa-Krise quasi für sich.

Das Schießen der Tiere sei unterdessen „zwar zulässig, aber aus Sicherheitsgründen am Spießfeld nicht möglich“. Das Areal werde „beinahe zu jeder Zeit von Menschen aufgesucht, die aus den unterschiedlichsten Richtungen dorthin kommen. Ein verlässliches Absperren ist nicht machbar. Das hat man bereits während der Corona-Zeit gesehen.“ Eine weitere denkbare Maßnahme, um zumindest die Vermehrung der Gänse in Grenzen zu halten, sei für dieses Frühjahr geplant, aber nicht durchgeführt worden: „Das Entnehmen beziehungsweise Tauschen von Eiern in den Gelegen war in Vorbereitung, konnte dann aber mangels personeller Ressourcen während der Corona-Pandemie nicht weiter verfolgt werden“, erklärt Haus.

Dem Bürgermeister zufolge hat die Stadt die Bekämpfung der Gänse jedoch noch nicht aufgegeben: „Uns liegt seit kurzem ein Leitfaden für das Management von Wildgänsen vor, der in diesem Jahr von der Bayerischen Landesanstalt für Agrarwirtschaft herausgegeben worden ist. Hierin sind die aktuellsten Erkenntnisse zusammengetragen. Mit diesem erarbeiten wir Vorschläge für die Behandlung der Wildgänse in Dieburg.“ Ziel: „Die Population zu steuern, nicht die Tiere vollständig zu beseitigen.“ Letzteres sei „nach allen uns zur Verfügung stehenden Informationen schlichtweg nicht möglich“.

Gedanken gemacht habe sich die Stadt zudem über das Aufstellen von Sichthindernissen zwischen dem See und der Wiese am Spießfeld, um den Tieren den Blick auf den See als Fluchtmöglichkeit zu nehmen. „Der Erfolg dieser Maßnahme ist angesichts der Erfahrungen anderer Kommunen zweifelhaft und schränkt zudem die Nutzung des Areals für Besucher und Besucherinnen zusätzlich ein“, meint Haus.

Untersuchungen des Gänsekots, wie ihn auch mancher Gänsekritiker in Dieburg fordert, habe die Stadt bislang übrigens nicht anstellen lassen. Haus: „Wir müssen davon ausgehen, dass der Kot bei Einnahme gesundheitsschädlich ist. Da das Baden im See untersagt ist, sehen wir keine Notwendigkeit für eine Untersuchung.“ (VON JENS DÖRR)

Auf der A5 bei Bensheim hat sich eine Schwanenfamilie auf die Fahrbahn verirrt und den Verkehr für zwei Stunden behindert. Einsatzkräfte brachten die Tiere in Sicherheit.

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