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Museumscafé im Schloss Fechenbach: „Das ist ein Marathonlauf“

Machen im Dieburger Museumscafé gerade eine schwere Zeit durch: die Betreiber Aytug Eser und Serena Figuccio. Auch wenn dieser Gast es auf dem Balkon anders macht: Die Kunden müssen im Café keine Maske tragen. Eser und Figuccio hingegen schon, haben sie auf Bitte des Fotografen lediglich für die wenigen Sekunden des Fotoshootings abgesetzt.

Museumscafé im Schloss Fechenbach: Aytug Eser und Serena Figuccio sind in Sorge, wollen aber durchhalten. Besonders schmerzen sie die fehlenden Veranstaltungen. 

Dieburg – Seit 2014 betreiben Aytug Eser und Serena Figuccio im Schloss Fechenbach das Museumscafé. „Wir sind in den letzten sechs Jahren gewachsen“, sagt Eser über ein eigentlich erfreuliches Kapitel der Dieburger Gastronomie. Eigentlich, weil das Coronavirus und seine anhaltend krisenhaften Auswirkungen auf die Branche das erarbeitete Werk des Ehepaars in Gefahr bringen. Sechs Monate Zeit geben sich die beiden im Obergeschoss des einstigen Adelssitzes noch – wenn sich nichts bessert.

Grundsätzlich sind Eser und Figuccio, die mit ihren zwei Kindern in Groß-Umstadt wohnen, mit der bisherigen Entwicklung ihres gastronomischen „Babys“ zufrieden: „Die Dieburger Kundschaft hat uns angenommen“, freuen sie sich. „Von ihr kriegen wir gerade viel Unterstützung und Zuspruch. Manche rufen sogar an und fragen, wie es uns geht.“

Auch mit der Stadt Dieburg als Hausherrin sind die beiden Pächter des Museumscafés d’accord: „Die Zusammenarbeit mit dem Standes- und dem Kulturamt verläuft reibungslos.“

Dass das Rathaus den Betreibern städtischer Liegenschaften wie Museumscafé, Römerhalle oder Spießfeld-Kiosk in der Corona-Zeit nach Aussage von Bürgermeister Frank Haus mit Mieterlässen entgegenkommen will, haben Eser und Figuccio ebenfalls wohlwollend zur Kenntnis genommen. Eine schriftliche Bestätigung liegt ihnen bislang jedoch nur für eine Mietstundung vor. Die Lage ist angespannt.

Eser bringt es auf den Punkt: „Im April und Mai haben wir einen Riesenverlust gemacht, weil wir hier jedes Wochenende mindestens zwei Veranstaltungen gehabt hätten.“ Eben die sind neben dem regulären Café-Geschehen (dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, sonntags wegen des durch ein Frühstücksangebot ersetzten Brunchs nun eine Stunde früher als bisher) die zentrale Einnahmequelle des Familienbetriebs. „Wir leben stark von Konzerten, Hochzeiten, Sektempfängen und anderen Veranstaltungen“, zählt Eser auf. An Richard Bergs Schlosskonzerte („Da bewirten wir bis zu 100 Leute“) im Kammersaal ist derzeit aber ebenso wenig zu denken wie an die Bewirtung von Trauungen. Selbst die wenigen Hochzeitsgesellschaften, die in Dieburg derzeit, begrenzt auf 15 Personen, noch auf „freiherrlichen“ Spuren wandeln, bringen dem Café keinen Umsatz: Die Gäste sind angehalten, das Schloss nach dem standesamtlichen Akt rasch und sogar ohne Gratulation an die frisch Vermählten zu verlassen.

Im Ostflügel des Schlosses, in dem das Café untergebracht ist, können Aytug Eser und Serena Figuccio momentan gerade mal zehn Gäste bewirten. Auf dem Balkon mit malerischem Blick über den Fechenbach-Park ermöglichen die Abstandsregeln nur sieben Plätze. Selbst die sind seit der Lockerung der Corona-Maßnahmen selten voll belegt: „Die Gäste sind sehr vorsichtig“, hat Eser registriert. „Sie tasten sich erstmal ran oder fragen telefonisch nach, ob es eine Reservierungspflicht gibt.“ Gibt es nicht, gleichwohl Reservierungen für den Gast oft empfehlens- und für den Gastronomen wünschenswert sind.

Insgesamt sei „die Zahl der Kunden derzeit gering“. Und das Museumscafé strebt jetzt dem Hochsommer entgegen, der ohnehin eine magere Zeit ist. „Man darf ein Café wie unseres nicht mit einem Eiscafé verwechseln“, betont Eser, gleichwohl er den kalten Schleck neben selbst gebackenem Kuchen, Getränken und Frühstück (auch für Vegetarier) ebenfalls im Programm hat. Eine Sommerpause, in der die Familie sonst meist nach Bella Italia reist, wollen sie sich diesmal nicht gönnen.

Unter dem Strich bezeichnen Eser und Figuccio, die vor ihrem Engagement im Schloss die „Käsekiste“ in der Steinstraße betrieben, die Situation als „nicht gravierend traurig. Die laufenden Kosten sind aber viel höher als der Zuschuss vom Staat“. Esers Ausblick: „Wir machen das Café leidenschaftlich und so lange, wie es irgendwie geht. Wenn es aber weiterläuft wie jetzt, brauche ich einen Nebenjob.“

Ende des Jahres wolle man ein unternehmerisches Resümee ziehen – in der klaren Absicht und großen Hoffnung, das Museumscafé fortzuführen. „Sechs Monate können wir das so noch durchhalten, dann schauen wir mal weiter. Corona ist kein 100-Meter-Sprint, sondern ein Marathonlauf.“

Von Jens Dörr

Quelle: DA-imNetz.de

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