Dieburger Friseure nehmen an Aktion „Licht an!“ teil

„Wir brennen für unsere Kunden!“

Spätestens Mitte Februar wollen Friseure wieder die Chance haben, Geld zu verdienen. Ihr Handwerk sei kein Treiber der Infektionszahlen.
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Spätestens Mitte Februar wollen Friseure wieder die Chance haben, Geld zu verdienen. Ihr Handwerk sei kein Treiber der Infektionszahlen.

Friseure fordern die Salonöffnung Mitte Februar. Auch in Dieburg nahmen letzte Woche von Freitag auf Samstag Betriebe an der Aktion „Licht an!“ des Landesverbands teil.

Dieburg – „Ungeeignete Überbrückungshilfen“, „Der Ehrliche und Fleißige ist der Dumme“, „Todesstoß“: Mit deutlichen bis drastischen Worten hat der Landesinnungsverband des Friseurhandwerks in Hessen in den vergangenen Tagen in mehreren Pressemitteilungen die Not einer ganzen Branche ausgedrückt. Teil der Öffentlichkeitsarbeit, die die seit Mitte Dezember und noch mindestens bis Mitte Februar gültige Zwangsschließung aller Salons in Deutschland sowie die Corona-Hilfen des Bunds kritisiert, war am Wochenende zudem die Aktion „Licht an!“. Auch in Dieburg beteiligten sich Friseure.

Beispielsweise der Salon Faust in der Altstadt: Hier schaltete Inhaber Detlef Faust in der Nacht von Freitag auf Samstag die Beleuchtung ein, nicht nur die übliche des Schaufensters. Natürlich ohne handwerkliches Leben im Inneren. Der Friseurverband hatte dazu aufgerufen, von Freitag um 8 Uhr morgens bis zum gleichen Zeitpunkt am Samstag die Lichter in der Geschäften anzulassen, unter dem Motto: „Wir brennen für unsere Kunden!“

Was die vom Verband formulierten Kernbotschaften symbolisieren und Aufmerksamkeit für die Anliegen der Friseure schaffen sollte: „Wir lassen für unsere Kunden das Licht an! Wir kämpfen um unsere Existenz und wollen arbeiten! Wir werden von unseren Kunden zurückerwartet!“ Friseurmeister und Innungs-Obermeister Detlef Faust unterstützt diese Aussagen, und beispielsweise letztere hält ihn derzeit trotz vermeintlichen Zwangsurlaubs täglich stundenlang auf Trab: Da es zumindest bei einigen Friseuren und Kunden zunächst die Hoffnung gegeben hatte, der Lockdown in den Salons werde im Laufe des Januars enden, lief die Terminvergabe unter anderem für die erste Februar-Hälfte weiter. „Nun muss ich alle Termine vor dem 15. Februar wieder verlegen“, sagt Faust. Denn bis Mitte des kommenden Monats ist festgelegt, dass seine Mitarbeiterinnen und er keine Kunden bedienen dürfen. Ob dann wieder die Locken fallen dürfen? Ausgang noch offen.

Geht es nach dem hessischen Landesverband, der seine Position Mitte vergangener Woche auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) zustellte (Schreiben liegt unserer Zeitung vor), so muss es für die Betriebe spätestens Mitte Februar wieder die Chance geben, Geld zu verdienen. Was gesundheitlich verantwortbar sei, denn in den Salons sei es auch im Herbst und Winter zu keinem relevanten Infektionsgeschehen gekommen: Von Oktober bis Dezember habe es bundesweit 64,8 Millionen Kundenkontakte in Friseurgeschäften gegeben, und nur acht Infektionsfälle wurden der Berufsgenossenschaft gemeldet. Es stehe fest, dass „das Friseurhandwerk kein Treiber der Infektionszahlen“ sei.

Zugleich richten die Salonschließungen seit Mitte Dezember Tag für Tag immensen wirtschaftlichen Schaden an. Pro Tag verzeichnen Deutschlands Friseure normalerweise 700 000 Kundenkontakte, aktuell (legal) keinen einzigen. „Wir fordern daher die Politik eindringlich auf, die Überbrückungshilfen III auf das Friseurhandwerk anzupassen und nicht nur die Fixkosten bei der Auszahlung zu berücksichtigen, sondern auch einen Unternehmerlohn“, so der Verband. Eine Alternative könnte auch eine sich am Umsatz orientierende, nicht zurückzuzahlende Auszahlung analog zur November- und Dezemberhilfe für die Gastronomie sein. Dabei seien Betriebsgröße und Mitarbeiterzahl zu berücksichtigen. Eine weitere Erscheinung dieser Tage ist nach Einschätzung des Verbands zudem, dass zunehmend schwarze Schafe unter den Friseuren gegen die Corona-Verordnung des Landes Hessen verstoßen und Friseurdienstleistungen heimlich erbringen. Auch Obermeister Faust ist ein solcher Fall aus dem Altkreis Dieburg bekannt.

Der Landesverband sieht in der Schwarzarbeit zugleich ein Argument für eine Wiedereröffnung der Salons Mitte Februar: „Mit jedem Tag steigt die Gefahr, dass das Arbeitsverbot aus der Not heraus auch von bisher redlichen Friseuren umgangen wird und sich eine Ansteckungsgefahr damit deutlich erhöht.“ Denn beim Haarschnitt im privaten Umfeld seien nicht jene erprobten und erfolgreichen Hygiene- und Arbeitsschutz-Standards eines Friseursalons gegeben. „Das kann nicht im Sinne des Gemeinwohls sein.“

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