Probleme mit Tretminen auf der „Rennstrecke“ zum Wolfgangsee

Dieburger kämpft mit Wasserstrahl gegen Hundekot

Verbotsschild Hundekot
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Darf gerne beachtet werden: Das Schild verkündet eine eindeutige Botschaft.

Der Dieburger Heinrich Hiemenz kämpft mit einem Gartenschlauch gegen den Hundekot auf dem Gehweg vor seinem Haus.

Dieburg – Am Samstagmittag spritzt Heinrich Hiemenz den Gehweg vor seinem Haus an der Alten Mainzer Landstraße mit einem Gartenschlauch ab. Das wirkt auf den ersten Blick ziemlich komisch. Die meisten Passanten und Autofahrer denken, dass er dem Laub und den alten Schalen der Kastanienbäume, was beides der Herbst reichlich „gesät“ hat, auf den Leib rückt. Einige schütteln sogar über die vermeintliche Bequemlichkeit den Kopf, dass so was nicht weggekehrt, sondern weggespült wird.

Doch der Wasserstrahl hat einen anderen Hintergrund: „Ich bin nicht das erste Mal dabei, Hundekot zu entfernen“, erklärt der 61-Jährige und ergänzt: „Die Hinterlassenschaft ist noch ganz frisch und lässt sich nur so beseitigen, da schon jemand in den Haufen hineingetreten ist und ihn verteilt hat.“ Für den technischen Zeichner war der Gartenschlauch schon öfters ein probates Mittel, um „Tretminen“ abzulösen. Da die Alte Mainzer Landstraße quasi eine „Rennstrecke“ zum Wolfgangsee ist, gehen hier tagtäglich Zweibeiner mit ihren Vierbeinern entlang. Zudem verfügt die Seite mit den ungeraden Zahlen über zahlreiche Bäume und Beete, was sich für die Hundetoilette geradezu anbietet.

Trotzdem landen durch die Natur der Dinge Fäkalien mit großer Regelmäßigkeit auf den Platten. Heinrich Hiemenz ist nicht der Einzige, der sich in der Straße darüber ärgert. Dabei geht es ihm weniger um die Beseitigung oder das Wasser, welches zum Glück kostenfrei aus seiner Zisterne fließt. „Es sind vor allem die Kinder, die hier Tag für Tag vorbeikommen. Und wenn die Kastanien fallen haben sie ihre Hände ständig auf dem Boden“, sagt er.

Dass einige Hundebesitzer diesen Umstand und die gesundheitliche Gefährdung für den Nachwuchs ignorieren, ist für ihn unverständlich. Denn „schließlich könnten es auch deren Enkel sein, die am Ende ,Hunde-Kaka’ an den Händen haben“. Mehrmals hat der Dieburger bereits Verursacher angesprochen. Wie er sagt, „immer in wohl dosierten Worten“, um einen sachlichen Austausch zu gewähren.

Nicht wenige Antworten entpuppten sich als uneinsichtig, ein Teil löste bei ihm sogar Kopfschütteln aus. So fiel einmal der Satz „das interessiert mich nicht, ich bezahle schließlich Hundesteuer“. Dass eine Steuer das Ablegen von Exkrementen vor der Haustüre anderer Leute legitimiert, will Hiemenz nicht so recht in den Kopf.

Den Vorwurf von Haltern, dass er was gegen Hunde habe, weist er zurück. Im Gegenteil: Zusammen mit seiner Lebensgefährtin führt er regelmäßig den Terrier von deren Eltern aus. Dadurch ordnet er sich selbst schon ein klein wenig der Sparte „Hundeführer“ zu. „Macht ,Macho‘ nur die kleinsten Anzeichen das Bein zu heben, geht bei uns schon reflexartig die Hand Richtung Tüte“, berichtet der 61-Jährige über einen Automatismus, der bei vielen Hundehaltern vorhanden ist – aber leider nicht bei allen.

Mit dem Satz „die Hunde können nichts dazu“ nimmt Hiemenz die Vierbeiner komplett aus der Verantwortung raus. In punkto „Tretminen“ sind die Anlieger der Alten Mainzer Landstraße weitaus betroffener als Bürger in anderen Straßen. Von „drei kleinen Nürnberger Rostbratwürstchen“ bis hin zu „zwei recht dicken Rindswürsten“ packt Hiemenz das, was von ihm und den Nachbarn des Öfteren wegzumachen ist, in gut vorstellbare Bilder.

Unvergessen blieb ihm ein größerer Vierbeiner, der es schaffte, nicht gegen die rund 50 Zentimeter hohe Mauer der Einfriedigung zu machen, sondern durch die Stäbe des darauf befestigten Metallzauns. Ungewöhnlich (und für den Besitzer ungewollt), erfolgte eine Bewässerung der Gartenbepflanzung.

Sind die Hinterlassenschaft fester Konsistenz, kommt bei Hiemenz nicht immer der Schlauch zum Einsatz. Im Sommer, bei schneller Trocknung, reicht die Schippe. Wenn schon jemand reingetreten ist, bleibt hingegen nur die „Wasserspritze“.

Mittlerweile ist der Dieburger das Ansprechen ignoranter Hundebesitzer und den Kampf gegen Windmühlen fast schon ein wenig leid. „Auch bei anderen Dingen scheint es in Deutschland so, dass man mit guten Worten nicht mehr weiterkommt“, konstatiert das Mitglied der Kolpingfamilie. Zudem sei zu befürchten, dass einige dann das nächste Mal vielleicht Exkremente über das Hoftor oder in den Garten werfen.

Für Heinrich Hiemenz wäre es schön, wenn wenigstens die Einfriedigung und der Bereich rund um die Baumstämme frei von Kot bleiben. „Wenn‘s in den Beeten oder in der Rinne liegt, dann sehe ich die Sache schon als akzeptabel. In der Rinne kann es der nächste Regen in die Kanalisation spülen“, meint er.

Die Exemplare einfach liegenlassen, auf den Zahn der Zeit zu warten oder eine Blätterabdeckung durch die Natur, will Hiemenz nicht. Laut seinen Worten könne er das den Leuten, die hier vorbeilaufen, nicht antun. So überwiegt die Hoffnung, dass künftig mehr Hundetüten benutzt werden – zum einen wegen der Kinder, zum anderen, weil ein Wassereinsatz im Winter wegfällt. „Auch kann ich mir was Besseres vorstellen, als Ende November unter den fragenden Blicken der Passanten den Bürgersteig abzuspritzen“, fügt er abschließend hinzu.

Von Michael Just

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