Evangelisches Gotteshaus auf dem Hering in Otzberg ist zur Licht- und Medienkirche geworden

Bibel-Rap per Berührung

Altar- und Kirchenraum der evangelischen Kirche Hering leuchten neuerdings in unterschiedlichen Farben. Dazu können Besucher Lieder, Andachten oder Psalmen wählen.
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Altar- und Kirchenraum der evangelischen Kirche Hering leuchten neuerdings in unterschiedlichen Farben. Dazu können Besucher Lieder, Andachten oder Psalmen wählen.

Otzberg – Licht, Musik und meditative Gedanken in der Kirche, wie ich möchte: In der evangelischen Kirche Hering macht das seit Kurzem ein Touchscreen möglich.

Verschiedene Farben leuchten durch die Kirchenfenster und machen die evangelische Kirche des Otzberger Höhendorfs Hering in der Dunkelheit weithin sichtbar. Drinnen in der Kirche fällt ein Touchscreen nahe am Eingang in den Blick, ein Bildschirm, der sich durch Berührung steuern lässt. Rot, Grün, Lila, Regenbogenfarben – ein leichtes Tippen genügt, schon erscheinen Innenraum und Altar in der gewünschten Farbe. Andachten sind per Berührung wählbar, Psalmen, aber auch Musik – zum Teil speziell für Kinder. Eigene Inhalte können produziert und eingespielt werden. So ist zum Beispiel noch ein Kirchenführer geplant. „MediaKi“ macht es möglich. Das ist die Abkürzung für ein mediales Kirchensystem, das den Menschen, die im Kirchenraum Ruhe, Besinnung und Zuspruch suchen, ein Angebot aus Licht, Musik und meditativen Texten macht. Ein Artikel in der „Evangelischen Sonntagszeitung“ gab 2018 den Anstoß. Pfarrer Alfred Schwebel und Kirchenvorstandsvorsitzende Sabine Kuhn waren unabhängig voneinander auf den Zeitungsbericht gestoßen und hatten den gleichen Gedanken: Warum nicht auch eine solche mediale Kirche in Hering? „Wir wollten einfach ein Angebot für die Menschen machen, die hier die Kirche vor Ort nutzen“, sagt Kuhn. Also für die Einheimischen, aber auch für die Wanderer, Radfahrer und Auswärtigen, die es auf die Veste Otzberg oder – in Nicht-Corona-Zeiten – auf die Heringer Feste und Märkte zieht. Jahr für Jahr verlieren die Kirchen Mitglieder. Und so geht es auch darum, den Fortbestand der kleinen Kirchengemeinde zu sichern. „Natürlich versprechen wir uns davon, dass die Kirche über die Zeit erhalten wird“, sagt Schwebel.

Seit 20 Jahren ist er in Hering und Hassenroth Pfarrer. Seitdem ist die Heringer Kirche eine offene Kirche. Davon zeugt das Schild „Kersch is uff/Kirche offen“, das vor der Tür steht. „Die Atmosphäre einer Kirche an sich hat ja eine spirituelle Dimension“, sagt Schwebel, „jetzt ist sie noch tiefer gehend. Atmosphäre ist wichtig im Leben.“ Und weiter: „Eine sakrale Atmosphäre und gesegnete Begegnungen sind das, was eine Kirche bieten will und ermöglichen kann“, erklärt der Pfarrer. Die Tür geht auf. Eine Mutter mit ihrer siebenjährigen Tochter kommt aus der Dunkelheit in die warm erleuchtete Kirche. Eine Freundin des Mädchens hatte von der neuen Ausstattung der Heringer Kirche geschwärmt. Jetzt wollen die beiden sich selbst ein Bild machen. Kurz auf den Bildschirm getippt, schon leuchtet die Kirche in Türkis und der Bibel-Rap über den barmherzigen Samariter erklingt. Mutter und Tochter sind begeistert: „Das ist wirklich was Tolles!“

Rund 20 000 Euro haben Konzeption und Umsetzung gekostet. Für die technische Ausstattung der Kirche – zum Beispiel Lampenleisten entlang sämtlicher Wände und Touchscreen wurde ein regionales Unternehmen herangezogen. Die Zeit zwischen Idee und Umsetzung nutzte die Kirchengemeinde, um Spenden zu sammeln. Ende vergangenen Jahres wurde die Heringer Kirche dann zur Lichterkirche. „Das Angebot ist kein Ersatz für die Gottesdienste“, sagt Kirchenvorsteherin Sabine Kuhn. Wohl aber eine Ergänzung. Zumal während der Corona-Pandemie. Davon zeugen die vielen positiven Rückmeldungen im Gästebuch am Eingang: „Eine tolle Idee! Die moderne Kirche der heutigen Zeit ist absolut ansprechend – Danke schön!“   –„Wunderschön!“ – „Was ich hier vorgefunden habe, hat mich tief berührt. Danke für die Farben und Meditationen und die schöne Musik! Ich komme wieder.“ – „Schön, dass wir hier auf unserer Wanderung eine meditative Pause einlegen konnten.“ (st)

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