Karnevalverein bereitet „Fest der Feste“ schon mal vor

Was wird aus der Fastnacht ´21 in Dieburg?

Zehntausende Zuschauer beim Dieburger Fastnachtsumzug, wie hier an der Schießmauer: Ein Bild, wie es für den 16. Februar 2021 derzeit schwer vorstellbar scheint. Während Babenhausen seinen Umzug sowie die komplette Kampagne nun abgesagt hat, hält sich der Karnevalverein Dieburg aber weiter alle Optionen offen.
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Zehntausende Zuschauer beim Dieburger Fastnachtsumzug, wie hier an der Schießmauer: Ein Bild, wie es für den 16. Februar 2021 derzeit schwer vorstellbar scheint. Während Babenhausen seinen Umzug sowie die komplette Kampagne nun abgesagt hat, hält sich der Karnevalverein Dieburg aber weiter alle Optionen offen.

Der Karnevalverein Dieburg hält sich für die Dieburger Fastnacht noch alle närrischen Optionen offen. Babenhausen hat die komplette Kampagne bereits abgesagt.

Dieburg – Der Karnevalverein Dieburg ist hinsichtlich der fünften Jahreszeit krisenerprobt: Mit der sturmbedingten Absage des großen Umzugs 2016 und dem Unfall mit Todesfolge auf der „Äla-Nacht“ 2018 musste der KVD in jüngerer Vergangenheit ebenso umgehen wie in diesem Jahr mit den Morden von Hanau, die kurz vor den tollen Tagen für manchen zum Stimmungsdämpfer wurden. Das Coronavirus birgt nun sogar die Gefahr, dass in der Kampagne 2020/21 der Großteil der organisierten Narretei in der Gersprenzstadt flöten geht. Während Babenhausen seine komplette Session vor wenigen Tagen abgesagt hat, hält man sich in Dieburg weitere alle Optionen offen.

Abgesagt hat der KVD bislang lediglich sein für August geplantes „Hessenfest“ und das für Oktober geplante „Oktoberfest“, beides Veranstaltungen im KVD-Zeughaus, die außerhalb der närrischen Kampagne zwischen dem 11.11. und Aschermittwoch liegen. Zur Kampagneneröffnung samt „Äla-Meile“ im November und der Hochphase im Januar und Februar – der große Umzug am Fastnachtdienstag wäre 2021 relativ früh, am 16. Februar –hat der zweitgrößte Verein der Stadt und der größte im Bund Deutscher Karneval hingegen noch keine Nägel mit Köpfen gemacht.

Fastnacht in Dieburg: KVD berät Vorgehen „nicht vor September“

KVD-Präsident Günter Hüttig nennt Prognosen – egal ob Richtung Durchführung, Änderungen oder Absage – derzeit noch einen „Blick in die Glaskugel“. Der KVD werde das weitere Vorgehen deshalb „nicht vor September“ beraten, wolle weiter eine Portion Optimismus und alle Möglichkeiten bewahren.

Doch wie lautet die Vereinsempfehlung in einer Phase, in der die Vorbereitungen der Bühnenaktiven für die nächste Sitzungskampagne sowie jene der Fastnachtsgruppen für den Umzug langsam Fahrt aufnehmen? „Die Bühnenaktiven sind angehalten, sich so auf die neue Kampagne vorzubereiten, als wenn nichts wäre“, sagt Hüttig. Einige der Tanzgruppen proben bereits und haben seit den hessischen Lockerungen für den Sportbetrieb seit Samstag bessere Möglichkeiten, ihre Choreografien einzustudieren. Wortakrobaten und Sänger sollen sich prinzipiell ebenfalls weiter darauf einstellen, dass es im Herbst zu einer Klausurtagung des KVD kommen könnte, bei der die Vorträge dann schon ein einigermaßen fertiges Stadium erreicht haben müssten.

Auch abgespeckte Fastnachts-Kampagne in Dieburg möglich

Generell ist für Hüttig weiter „alles möglich. Ich sehe uns als großen Verein dabei auch ein bisschen als Vorreiter und möchte den Kopf nicht in den Sand stecken“, verbreitet er Zuversicht. Finanziell könne der KVD auch eine abgespeckte Kampagne verkraften, „ich sehe das zunächst vor allem unter dem kulturellen Aspekt“, betont Hüttig. Vor allem aber gelte es, die Helfer und Aktiven bei der Stange zu halten, „das ist das Wichtigste“. Nach seinen bisherigen Eindrücken und Gesprächen werde das gelingen, „wir haben Leute, die die Fastnacht lieben und die auf die Bühne wollen“. Er stehe zur Aussage „Fastnacht findet statt“, so Hüttig. Um zu ergänzen: „In welcher Form, das muss man sehen.“

Mit Blick auf die Fastnachtsgruppen, die in den nächsten Wochen mit ihrem Kostüm für den Umzug 2021 beginnen oder schon begonnen haben, konstatiert er: „Im schlimmsten Fall haben sie bei einer Absage ein Kostüm für einen späteren Umzug geschneidert.“ Gleichwohl sich gerade bei Kindern im Wachstum ein Outfit nicht so leicht ins Folgejahr übertragen lässt: Derartige Luxusprobleme könnten die Fastnachter an der Gersprenz ob der Ausnahmesituation gewiss verschmerzen.

Im Gegensatz zu Dieburg: Carnevalverein Babenhausen sagt Fastnachtskampagne komplett ab

So geduldig und noch immer positiv gestimmt wie die Dieburger Narren ist man aber nicht allerorten. Babenhausen hat nun entschieden: Die Kampagne 2020/21 fällt aus. Der Carnevalverein Babenhausen (CVB) hat sich zur Komplettabsage entschlossen: keine Sitzungen, kein Maskenball, kein Prinzenpaar. In der Folge verzichtet auch das Gremium der Babenhäuser Vereine auf die Durchführung des Umzugs am Fastnachtdienstag.

Helmut Fendt, Vorstandsmitglied im CVB, Vorsitzender des elf Vereine umfassenden Gremiums und darüber hinaus Babenhausens Zugmarschall, nennt neben der Vermeidung gesundheitlicher Risiken den Hauptgrund für den Beschluss: „Wir sehen uns nicht in der Lage, kostendeckende Veranstaltungen zu machen.“

Als Beispiel führt er die CVB-Sitzung in der Babenhäuser Stadthalle an: „Wenn ich dort nur noch 150 statt 500 Zuschauer reinlassen und zudem keine Bar betreiben darf, kann ich das einfach nicht finanzieren.“ Generell ist man beim CVB ob drohender Corona-Auflagen schon jetzt überzeugt: „Fastnacht, wie wir sie kennen und lieben, ist mit Abstand und Maske nicht möglich.“ (Von Jens Dörr)

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