Abends eine Stunde länger

In Dieburg bis 23 Uhr in Biergärten

Ab dem morgigen Freitag dürfen Gäste, wie hier beispielsweise beim „Mephisto“ auf dem Marktplatz, länger verweilen. Erst um 23 Uhr ist draußen Schluss.
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Ab dem morgigen Freitag dürfen Gäste, wie hier beispielsweise beim „Mephisto“ auf dem Marktplatz, länger verweilen. Erst um 23 Uhr ist draußen Schluss.

Die Stadt Dieburg verschiebt die Sperrstunde für die Außengastronomie auf 23 Uhr und lässt diese Regelung bis Ende September gelten. Eine Freitags- und Samstags-Öffnung bis 24 Uhr wird aber abgelehnt.

Dieburg – Mussten sie den Zapfhahn für jene Gäste, die im Freien saßen, bislang um 22 Uhr abdrehen und diese (derzeit nur mit aktuellen Corona-Test, vollständig geimpft oder genesen) nach drinnen bitten beziehungsweise nach Hause schicken, wird das in den nächsten dreieinhalb Monaten erst um 23 Uhr nötig: Ab dem morgigen Freitag (18.) und bis zum 30. September dürfen die Dieburger Gastronomen draußen eine Stunde länger bewirten. Die Regelung hat am Dienstag formal Bürgermeister Frank Haus (parteilos) beschlossen; die Initiatoren der längeren Öffnungszeit waren aber die Stadtverordneten von CDU, UWD und FDP.

Die drei Fraktionen hatten in der Parlamentssitzung am vergangenen Donnerstag einen gemeinsamen Antrag gestellt, der die Verwaltung zur rechtlichen Prüfung der Sperrstunden-Verschiebung von 22 auf 23 Uhr für die Sommermonate 2021 verpflichtete (DA vom Samstag). Auch die oppositionellen Sozialdemokraten und Grünen – und damit alle 37 Stadtverordnete – hatten dafür ihre Stimme gegeben. Als Grund nannten die Mandatsträger aller Couleur vor allem, den durch die staatlichen Corona-Verbote besonders gebeutelten Gastronomen im Rahmen der lokalen Möglichkeiten helfen zu wollen. Da Corona als Innenraum-Problem gilt, könnte durch einen alternativen Aufenthalt der Gäste im Freien auch in Sachen Virusbekämpfung ein sinnvoller Beitrag geleistet werden, lautete ein weiteres Argument.

Etwas grundsätzlicher zielten Aussagen, die sich um die Attraktivität Dieburgs sorgten, wenn in der hiesigen Innenstadt selbst im Hochsommer um 22 Uhr die Bordsteine hochgeklappt werden, während man zum Beispiel auf dem Groß-Umstädter Marktplatz gastronomisches Treiben bis Mitternacht toleriert.

Nun gaben Bürgermeister und Ordnungsbehörde grünes Licht. Im Juni 2020 hatte Frank Haus mit Verweis auf die gesetzliche Nachtruhe (22 bis 7 Uhr) und das Bundesimmissionsschutzgesetz einen UWD-Antrag zum selben Thema noch als nicht rechtssicher umsetzbar bewertet. Diesmal teilte Haus mit, er habe sich „nach Abwägung der Vor- und Nachteile zur Erweiterung“ der Öffnungszeit entschlossen. Mit den 23 Uhr folgte er der schriftlichen Formulierung des Antrags von CDU, UWD und FDP. Mündlich hatte das Dreierbündnis im Parlament für den Freitag- und Samstagabend allerdings eine Öffnungszeit bis 24 Uhr gefordert. Dem entsprachen das Ordnungsamt mit Verwaltungschef Haus an der Spitze jedoch nicht. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es für viele Menschen, die in der Nachbarschaft von Gaststätten mit Außenbewirtung leben, eine stärkere Belastung darstellt“, so die Begründung.

UWD-Fraktionsvorsitzender Klaus Thomas, der schon 2020 besonders engagiert für die längere Öffnungszeit gekämpft hatte, freute sich am Dienstag über die Nachricht. Er appellierte, in den Außenbereichen auch zu späterer Stunde den Lärmpegel gering zu halten: „Es ist eine Chance, die die Gastronomen im Sinne ihrer Gäste, aber auch ihrer Nachbarn nutzen müssen.“ Ende des Sommers wolle man den Verlauf gemeinsam mit dem Ordnungsamt bewerten. Bei einem positiven Befund lasse sich die längere Öffnungszeit vielleicht sogar auf dem Sommer 2022 übertragen.

Das letztgenannte Szenario wäre aus Sicht von Gastronom Jörg Zoller, der den „Lehrer Lämpel“ in der Zuckerstraße betreibt, „ein Traum“. Zoller hatte vergangene Woche einen ähnlichen Antrag an den Magistrat formuliert. Die Verlängerung auf 23 Uhr sei ein Fortschritt, die Entscheidung hätte von seiner Warte aus aber noch großzügiger ausfallen müssen: „Die 24 Uhr am Wochenende wären schon wichtig gewesen. Denn freitags und samstags ist unser Hauptgeschäft.“ (Von Jens Dörr)

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