Jetzt kommt das „Garten-Äffchen“

Im Jahr 2018 feierte Tobias Niestatek das „Sommerfest der Römerhalle“ im Schlossgarten. An selber Stelle – nur mit weniger Plätzen und mehr Abstand – gibt es nun als Dauereinrichtung bis mindestens Ende August einen Biergarten.

Tobias Niestatek eröffnet am Mittwoch einen Biergarten im Schlossgarten mit 60 Plätzen auf 400 Quadratmetern. Das „Kaffee-Äffchen“ im Minnefeld bleibt erstmal geschlossen. VON JENS DÖRR

Dieburg – Der Schlossgarten ist – mal abgesehen vom Festplatz – dank der Pflege der Stadtgärtner eine Augenweide. Ab diesem Mittwoch, 10. Juni, kann man in Dieburgs grüner Lunge nicht nur lustwandeln wie einst die Familie von Groschlag und illustre Gäste wie Johann Wolfgang von Goethe, der Silvester 1779 an der Gersprenz verbrachte: Dann nämlich eröffnet der Dieburger Gastronom Tobias Niestatek im Park einen Biergarten, der den ganzen Sommer lang zum Verweilen einladen soll.

Niestatek betrieb bis Mitte vergangenen Jahres die Römerhalle und eröffnete im Januar das Bistro „Kaffee-Äffchen“ im Minnefeld. Zudem ist er seit der vergangenen Saison Pächter des Kiosks im Dieburger Freibad. Unter dem Namen „Sommerfest der Römerhalle“ war er 2018 schon einmal im Schlossgarten präsent gewesen – damals allerdings „nur“ im Rahmen einer dreitägigen Veranstaltung mit Live-Musik. Diesmal soll der Biergarten zur Dauereinrichtung werden.

Den Gedanken, derlei im Dieburger Schlossgarten zu etablieren, hegte Niestatek schon länger. Allerdings sind es die besonderen Corona-Umstände, die das Vorhaben nun tatsächlich wahr werden lassen. „Ich hätte den Biergarten nicht beantragt, wenn das Schwimmbad wieder geöffnet hätte“, sagt er. Liefe im Ludwig-Steinmetz-Bad jetzt, wie in normalen Jahren, die Hauptsaison an, hätte er den Biergarten vom Aufwand her parallel nicht stemmen können. Wegen Corona bleibt das Freibad bis auf Weiteres aber geschlossen; selbst wenn die Stadt, die noch an einem Betriebskonzept tüftelt, ab Mitte Juli zumindest noch eine Teilsaison durchführt, ließe sich die für Niestatek dann mit dem neuen Projekt im Schlossgarten vereinbaren. „Dann würde ich im Freibad auf ein verkleinertes Angebot setzen“, sagt der Gastro-Unternehmer, der 2019 „mehrere tausend Euro“ ins Kiosk und den separaten Verkaufsanhänger im Freibad investiert hat.

Beim neuen Angebot im Schlossgarten geht Niestatek unter dem Namen „Garten-Äffchen“ ins Rennen. Der Titel lehnt sich ans „Kaffee-Äffchen“ im Minnefeld an. Letzteres startete erfolgreich, gewann seine Gäste besonders mit Frühstücksbuffet und Mittagstisch. „Wir waren voll mit Reservierungen“, sagt Niestatek. Zudem wollte er im Sommer den benachbarten Hof seines Vermieters Andreas Enders nutzen und noch mit einigen Events punkten, etwa der Zimmerner Kerb. Dann machte das Virus derlei Ambitionen zunichte.

Selbst Tobias Niestatek, unternehmerisch mit allen Wassern gewaschen, haben die Wochen seit Mitte März alles abverlangt. „Binnen acht Tagen waren wir auf Null“, blickt er zurück. Ab da blieben ihm fast drei Monate die Hände gebunden, was finanzielle Schwierigkeiten verursachte: „Ich mache ja nicht umsonst nur 14 Tage pro Jahr Urlaub.“

Niestatek beantragte Soforthilfe, meldete Fahrzeuge ab, nahm Geräte vom Stromnetz, musste aber doch eine Vollzeit- und eine Teilzeitkraft entlassen. Wobei er mit beiden Mitarbeiterinnen so verblieb, dass er sie zurückholen werde, wenn das Geschäft wieder anlaufe. Wie jetzt mit dem „Garten-Äffchen“, für das er seine Köchin wieder eingestellt hat. Warum keine Kurzarbeit? „Das ist nicht so einfach, ganz viel Behördenkram“, antwortet Niestatek. Zudem hätte er das Gehalt vorschießen müssen. Und finanziell wären seine Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit nicht besser gefahren als in der Arbeitslosigkeit.

Weil wegen der 1,50-Meter-Abstandsregel das „Kaffee-Äffchen“ wegen seines Platzangebots erstmal geschlossen bleibt und der Saisonstart im Freibad offen ist, setzt Niestatek im Schlossgarten nun ein Signal des Aufbruchs. Ausbreiten wird sich das „Garten-Äffchen“ auf einer Wiese unter Bäumen südlich des Festplatzes – dort, wo 2018 auch das Sommerfest stattfand. An dieser Stelle könne er die Abstandsregeln problemlos einhalten, rechnet der Gastronom vor: 60 Sitzplätze verteilen sich auf 400 Quadratmetern.

Die Eröffnung am Mittwoch ist um 17 Uhr. Danach soll täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet sein. Morgens gibt es Frühstück, mittags eine kleine Karte, ab 17 Uhr eine größere.

Speisen wie Spare Ribs, Salate, Koch- und Handkäs’ sowie Würste werden an den Tischen serviert, die Getränke holt man sich an einem Wagen selbst. Beschallung aus der Konserve oder gar ein Rahmenprogramm mit Live-Musik sind mit Rücksicht auf die Anwohner in der Konrad-Adenauer-Straße nicht geplant. Die städtische Genehmigung fürs „Garten-Äffchen“ hat Tobias Niestatek zunächst für den Zeitraum bis Ende August erhalten.

Quelle: DA-imNetz.de

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