Tania Appel leitet Kreis-Wohnbauförderung im Landkreis Darmstadt-Dieburg

Kampf gegen Alltagshindernisse

Tania Appel aus Klein-Zimmern ist Fachteamleiterin der Wohnbauförderung beim Landkreis Darmstadt-Dieburg.
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Aufgepasst: Tania Appel erklärt im Badezimmer, was bei Gehschwäche hinderlich ist.

Bis ein Amtsschimmel wiehert, das dauert. Und wenn er kommt, dominiert die Bürokratie den gesunden Menschenverstand. Ein gern gepflegtes Vorurteil über Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes, über das Tania Appel nur lachen kann – laut und herzlich, wie es ihr Markenzeichen ist.

Die gelernte Industriekauffrau und Facility-Managerin aus Klein-Zimmern ist Fachteamleiterin der Wohnbauförderung beim Landkreis Darmstadt-Dieburg. Was trocken klingt, menschelt doch sehr: Denn schließlich geht es dabei um Menschen – Menschen, die Hilfe brauchen. Zum Großteil sind es Leute, die aufgrund Alter, Krankheits- oder Unfallfolgen Probleme in der eigenen Wohnung haben und behindertengerechte Umbauten vornehmen müssen, erzählt Appel. Meldet sich einer aus 23 Kommunen, treten entweder sie oder eine Kollegin auf den Plan. Und zwar so schnell, wie es die Terminkalender der beiden zulassen. Schlendrian passt nicht zu Appel. Wohnraumanpassungsberatung nennt sich das Ganze. Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich Telefongespräche und eine persönliche Sichtung der Dinge bei einer Vor-Ort-Begehung – jedenfalls zur coronafreien Zeit. „Wenn ich live einen Einblick in die Wohnsituation habe, sehe ich am effektivsten, wo es hapert“, meint die 51-Jährige. Liegt der Teppich ungünstig und dient als Stolperfalle? Stehen Möbel zu eng und lassen dem Rollator kaum Platz? Erschwert mangelnde Beleuchtung den sicheren Tritt? „Manchmal sind es Kleinigkeiten, die eine große Wirkung haben“, stellt Appel immer wieder aufs Neue fest. Ein Haltegriff an der richtigen Stelle zum Beispiel trage oft schon viel dazu bei, dass eine Tätigkeit, die allein zur Qual wurde, plötzlich leichter von der Hand gehe. Sie betont: „Unser Ziel ist erfüllt, wenn Menschen so lang wie möglich in ihren eigenen vier Wänden bleiben und sich selbst versorgen können.“ Und natürlich, wenn diese die eigenen vier Wände auch selbstständig verlassen können, um am Leben draußen teilzunehmen. Dafür müssen Hürden wie hinderliche Schwellen oder gar Treppen per Hilfsmitteln überwunden werden. „Vieles läuft über ärztliche Verordnungen“, erklärt die Frau mit den langen schwarzen Haaren. Dann finanziere die Krankenkasse einen Teil der Kosten. So des Öfteren bei Badewannenliftern oder Toilettensitzerhöhungen. Liege Wohneigentum vor, können zudem Zuschüsse vom Land Hessen beantragt werden. Was inwieweit förderfähig ist – diese Entscheidung gehört ebenfalls zu Appels Aufgabenbereich. In den meisten Fällen seien die Betroffenen sehr dankbar, dass sich einer ihrer Sorgen annehme, berichtet sie. Ein gutes Gefühl. Schwierig werde es nur, wenn jemand unbedingt etwas eingebaut haben wolle, was wenig helfe: beispielsweise jemand mit starker Gehbehinderung eine Badewanne statt einer ebenerdigen Dusche. Selbst die geringe Eintrittshöhe einer Wanne mit Türchen bildet dann eine Barriere. In ihrem 32. Jahr ist Appel nun beim öffentlichen Dienst. Seit Oktober 2018 arbeitet sie für den Kreis, davor in der Liegenschaftsverwaltung Münster. Eine neue Herausforderung war fällig. Sie schätzt die Abwechslung ihrer Arbeit. Kümmert sie sich nicht um barrierefreies Wohnen, bespricht sie Fördermöglichkeiten mit meist jungen Familien, die sich das erste Mal Wohneigentum zulegen. Hessen-Baudarlehen ist das Stichwort. Oder sie beschäftigt sich in den verschiedenen Kommunen mit sozialem Wohnungsbau. Seit Corona die Normalität in der Gesellschaft lahmlegt, haben die, die Appels Rat wollen, mehr Mühe. „Gerade Älteren fällt es oft nicht leicht, Fotos und Videos von ihrer Wohnung zu machen und zu mailen“, meint sie bedauernd. Dennoch ersetzt diese Art der Begutachtung von Problemstellen seit März Appels Gang vor Ort. Schwierig, bei solch einem virtuellen Rundgang alles zu erkennen, wie sie findet. Jammern mag sie trotzdem nicht. Sie ist der Typ, der die Gegebenheiten so nimmt, wie sie sind und jedem Negativen etwas Positives abgewinnt.

Von Katrin Nahe

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