Weniger Book-n-drive Autos

Kaum Interesse an Carsharing in Dieburg

Im Dornröschenschlaf: Carsharing ist in Dieburg nicht der Renner. Foto: enders
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Im Dornröschenschlaf: Carsharing ist in Dieburg nicht der Renner.

Der Anbieter Book-n-drive fährt seinen Fahrzeugpool in Dieburg mangels Nachfrage stark runter. Die Nutzung war „deutlich schwächer“ als andernorts. 

Dieburg – Der Carsharing-Anbieter Book-n-drive hat seine Fahrzeugflotte in Dieburg wegen mangelnder Nachfrage deutlich reduziert. Wie Nadine Pintner, Sprecherin des Unternehmens für das Rhein-Main-Gebiet, auf Anfrage des Dieburger Anzeigers mitteilte, gebe es seit dem vergangenen Montag (15.) „neue, angepasste cityFlitzer-Bereiche“. Für Dieburg bedeutet das: Von den flexibel abstellbaren cityFlitzern in zweistelliger Zahl, die seit Anfang 2017 auf dem Leer-Parkplatz und am Mediencampus der Hochschule stationiert waren, bleiben künftig nur noch zwei „Stationsautos“.

„Die Nutzung der cityFlitzer in Dieburg war nicht nur deutlich schwächer als in Großstädten, sondern lag auch zum Beispiel hinter Roßdorf“, sagte Pintner ohne genaue Zahlen zu nennen. Zudem habe es in Dieburg ein „enorm großes Missverhältnis“ zwischen Fahrten nach und von Dieburg weg gegeben: Obwohl das Team von Book-n-drive die sich sammelnden cityFlitzer häufig aus Dieburg weggefahren habe, sei die Anzahl der Autos in der Stadt „meist über dem Bedarf“ gewesen. Die cityFlitzer können – unabhängig vom Ausleihort – innerhalb des Frankfurter Geschäftsgebiets und den cityFlitzer-Pools in Darmstadt, Dieburg, Frankfurt, Mainz und Wiesbaden beliebig wieder abgestellt werden. Aufgrund der Nähe zu Darmstadt hat in Dieburg die innerstädtische Einweg-Pauschale von 3 statt der üblichen Stadt-zu-Stadt Gebühr von 6 Euro gegolten.

Die beiden Wagen, die in der Stadt verbleiben, sind jedoch keine solchen cityFlitzer, sondern sogenannte Stationsautos. Diese müssen an ihren Standort zurückgebracht werden.

Immerhin: „Sobald wir eine ansteigende Entwicklung der Nutzungszahlen bei den beiden Autos beobachten können, ist eine erneute Ausweitung des Angebots denkbar“, sagt Sprecherin Pintner.

Deutschlandweit ist das Teilen von Autos zunehmend verbreitet. Die Anzahl der Fahrzeuge lag Anfang des Jahres dem Bundesverband Carsharing zufolge bei 25 400 – ein Zuwachs um satte 25,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Anbieter ist in dieser Zeit bundesweit um 45 auf 226 gestiegen. 840 Ausleihorte gibt es. „Carsharing wächst nicht nur in den Großstädten. Es ist auch in der Fläche immer stärker verbreitet“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes, Gunnar Nehrke bei der Vorstellung der Carsharing-Statistik Anfang des Jahres.

Allerdings gilt weiterhin: Je größer die Stadt, umso besser das Angebot. Carsharing gibt es laut Nehrke in 238 Orten zwischen 20 000 und 50 000 Einwohnern – ein Anteil von 46,8 Prozent. In den 445 Orten mit weniger als 20 000 Einwohnern, also auch Dieburg, ist der Anteil mit 4,3 Prozent deutlich kleiner. Dagegen gibt es in fast allen 77 deutschen Großstädten Carsharing-Angebote.

Auf dem Land funktioniert Carsharing Verbandschef Nehrke zufolge wirtschaftlich nach wie vor in der Regel nicht. Häufig würden die Angebote von Kommunen mitfinanziert oder von Vereinen getragen.

Neben dem ausgedünnten Angebot von Book-n-drive gibt es in Dieburg seit Ende April auch ein Elektroauto zum Ausleihen: An der Stromtankstelle am Bahnhof bietet der Darmstädter Energieversorger Entega einen Renault Zoe. Pro Stunde fällt eine Pauschale von 5 Euro an (Entega-Kunden: 3) sowie weitere Kosten von 10 Cent pro gefahrenem Kilometer. (VON RALF ENDERS)

Quelle: DA-imNetz.de

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