Studierende vom Mediencampus mit innovativer Idee

Lachen in der virtuellen Dieburger Kneipe

Ein „Wimmelbild“ mit den am Projekt beteiligten Studierenden, die aus 28 verschiedenen Ländern stammen.
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Ein „Wimmelbild“ mit den am Projekt beteiligten Studierenden, die aus 28 verschiedenen Ländern stammen.

Eigentlich findet die „StadtWerkstatt Medien“ mitten auf dem Dieburger Marktplatz statt. Pandemiebedingt ist dies nicht möglich, daher haben sich Studierende vom Mediencampus der h_da eine digitale Variante überlegt, um mit den Menschen in Kontakt zu treten.

Dieburg – „Getrennt verbunden“ – so lautet das diesjährige Motto der „StadtWerkstatt Medien“, einer Mitmach-Aktion vom Dieburger Mediencampus der Hochschule Darmstadt (h_da). Das erste Mal seit 2017 traten die Studierenden der Internationalen Medienkulturarbeit dabei am Samstag nicht physisch auf dem Marktplatz in Dieburg in Erscheinung. Coronabedingt zogen sie sich auf den Facebook-Auftritt der Stadt zurück und boten dort ihre Workshops an. Bürgermeister Frank Haus (parteilos) übergab die Seite für den Tag in ihre Hände. Das Motto soll speziell in der aktuellen Situation helfen, Distanzen zu überbrücken – zum Beispiel eben digital.

„Unser Ziel ist es, Menschen einen Zugang zu den schöpferischen Möglichkeiten der digitalen Medien zu zeigen“, sagt Sabine Breitsameter, Professorin des Medien-Studiengangs. Ein Projekt wie dieses sei ideal, um gegen Entfremdungserfahrungen mit der Digitalisierung anzugehen und stattdessen die Gelegenheit zu bieten, sich selbst auszuprobieren und die eigene Weltwahrnehmung gestalten zu können. Die Projektleiterin hofft, durch die Aktion allerhand Berührungsängste mit der digitalen neuen Welt abgebaut zu haben. „Wir wollten nichts machen, was nur informativ wahrgenommen wird“, erläutert Co-Leiter Klaus Schüller das Vorgehen. Also haben sie auf kreative Interaktion gesetzt. Die Menschen durften sich beteiligen – und zwar nicht wie sonst nur die, die in Dieburg gerade über den Marktplatz schlenderten, sondern alle weltweit. Irgendwie auch passend zur Internationalität der 40 am Projekt beteiligten Studierenden, die immerhin aus 28 verschiedenen Ländern stammen.

Das Ergebnis: Etliche Menschen nahmen die Chance wahr, mindestens einen der sechs Online-Workshops auszuprobieren, entweder auf Deutsch oder auf Englisch, und etwas über Medienkunst, Akustikdesign und die künstlerische Gestaltung digitaler Netzwerke zu lernen. Und was gab es konkret? Zunächst begann alles gemütlich mit einem virtuellen Frühstück um 10 Uhr, jeder bei sich daheim vor der Webcam seines Monitors. Ab 11 Uhr konnten dann die Links der Workshops angeklickt werden, acht Stunden lang, manche zu festen Zeiten, bei anderen war ein Einstieg kontinuierlich möglich. Letzteres beispielsweise bei der „Dieburger Klanglandkarte“. Hier durften Besucher bekannte Dieburger Orte nach ihren Klängen neu anordnen und damit ein eigenes akustisches Stadtbild erschaffen. Um Klänge ging es auch beim „Un-Erhört“-Workshop. Welche Alltagsgeräusche nehme ich wahr, welche ignoriere ich einfach, und hat die Corona-Isolation etwas daran verändert? Im „Escape Zoom“ wurde es knifflig. Angelehnt an den Freizeittrend der Escape-Rooms, in denen eine Gruppe von Menschen Rätsel lösen muss, um ihnen zu entkommen, sollten die Teilnehmer in diesem Fall gemeinschaftlich einem Zoom-Meeting entfliehen. „Wir haben eine Art virtuellen Parcours gebaut – mit Aufgaben zu Begriffen wie Realität, Vertrautheit und Autonomie“, berichtet Studentin Anita Lavorano. Kollege Frederick Rühl vom „Fernweh Generator“ bot dagegen jedem Einzelnen einen eigenen Fluchtort, der per Künstlicher Intelligenz individuell aus dessen Vorlieben erzeugt wurde. Das i-Tüpfelchen: Die surrealen Landschaftsbilder standen danach zum Download bereit. „Wie können wir unseren Gefühlen in Online-Gesprächen Ausdruck verleihen, wenn viele Gesten gar nicht im Sichtfeld der Kamera liegen?“, fragt Samira Jakobi. Gerade zu Corona werden Video-Konferenzen immer mehr und mehr, in der Uni wie im Beruf. Ihre Gruppe „Audio Emoji“ hat deswegen eine Möglichkeit gefunden, einen persönlichen Klangausdruck für Jedermann zu entwickeln. „Aus allem, was man von sich preisgibt“, erklärt sie: Emotionen, Aussehen und Worte. Und sogar unbedachte Geräusche, die verstärkt ebenfalls in den klanglichen Fingerabdruck einflössen.

In der „virtuellen Kneipe“ durfte gelacht und diskutiert werden. Jeder Teilnehmer fand sich als kleine Figur wieder und konnte per Pfeiltasten verschiedene Tische ansteuern. An einem angekommen, waren plötzlich die Gespräche der geselligen Runde dort hörbar und eine Beteiligung erwünscht. Aus den Eindrücken aller sechs Workshops erstellen die Studierenden aus Dieburg und aller Welt nun diese Woche eine virtuelle Medienskulptur, in der sich jeder Besucher auf irgendeiner Weise wiederfindet, erzählt Breitsameter.

In den Jahren zuvor wurde eine echte Ergebnisskulptur im Museum Schloss Fechenbach präsentiert, die virtuelle wird ab nächstem Freitag (Vernissage um 18.30 Uhr) bis Sonntag auf der Seite medienkultur.eu in einer Onlineausstellung zu sehen sein. In Kooperation mit dem Museum.

Von Katrin Nahe

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