Stadtpolitik sucht nach Lösungen für einen Feuerwehrstützpunkt

Mit der Gesamtsituation unzufrieden

Blick in die Fahrzeughalle der Dieburger Feuerwehr Am Altstädter See. Lange kann der Stützpunkt in seinem jetzigen Zustand nicht mehr bleiben.
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Blick in die Fahrzeughalle der Dieburger Feuerwehr Am Altstädter See. Lange kann der Stützpunkt in seinem jetzigen Zustand nicht mehr bleiben.

Nach der Enttäuschung, dass das Gefahrenabwehrzentrum des Kreises nicht in Dieburg gebaut wird, sucht die Stadtpolitik nach Lösungen für einen neuen – oder alten – Feuerwehrstützpunkt.

Dieburg – Wie, oder besser gesagt wo geht’s weiter mit der Dieburger Feuerwehr? Nichts Genaues weiß man nicht – so heißt die Antwort auch nach der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) am Donnerstagabend in der Römerhalle. Es geht um die Frage nach umfassender Sanierung oder Neubau am jetzigen Standort Am Altstädter See oder Neubau an anderer Stelle, vorzugsweise im Baugebiet Dieburg Süd.

Auf Antrag der Unabhängigen Wählergemeinschaft Dieburg (UWD) befasste sich das Gremium mit der Standortfrage. Dies vorweg: Der HFA empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung mehrheitlich, in ihrer Sitzung am 25. Februar einen Neubau-Beschluss vom Mai 2017 aufzuheben, die Wirtschaftlichkeit von Sanierung oder Neubau generell neu zu bewerten und ein Gutachten erstellen zu lassen, das die Einhaltung der Hilfsfristen in Dieburg klärt und eine kleine „Filial“-Wache im Westen der Stadt prüft. Die Vorgeschichte ist ein Lehrstück, warum öffentliche Bauvorhaben bisweilen jahrelang in der Schleife hängen: Der Feuerwehrstützpunkt Am Altstädter See ist seit Jahren hochgradig sanierungsbedürftig. Im Mai 2017 beschloss die Stadtverordnetenversammlung deshalb einen Neubau im Baugebiet Süd, das in den nächsten Jahren zwischen Polizei- und Kaufland-Kreisel entwickelt werden soll. Das zentral gelegene Dieburg machte sich damals berechtigte Hoffnungen auf Synergieeffekte mit dem neuen Gefahrenabwehrzentrum (GAZ), für das der Landkreis einen Standort suchte. Auch der Dieburger Betriebshof, der jetzt in die Altheimer Straße kommt, war anfangs ein Thema zur Ankoppelung an Feuerwehrstützpunkt und GAZ. Doch nach einer quälend langen Hängepartie entschied der Landkreis im vergangenen Jahr, das GAZ in Roßdorf zu bauen. Lange Gesichter in Dieburg, alles wieder auf Null.

„Dadurch muss die Gesamtsituation neu bewertet werden“, begründet die UWD ihren Vorstoß. In der Tat: „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ – das kultige Zitat aus Bully Herbigs Film „Der Schuh des Manitu“ beschreibt durchaus die Befindlichkeiten in der Dieburger Stadtpolitik, wenn es um die künftige Heimstatt der Feuerwehr geht. Am Altstädter See sanieren oder in Dieburg Süd neu bauen? Am Altstädter See teilweise oder ganz neu bauen? Oder ganz woanders neu bauen? Sogar das Anota (Mercedes Benz)-Gelände an der Ecke Altstadt/Groß-Umstädter Straße wurde am Donnerstagabend – wie schon beim neuen Finanzamt – ins Gespräch gebracht. Was ist die sinnvollste, die wirtschaftlichste Lösung? Derzeit hat noch niemand eine Antwort. Stadtbrandinspektor Carsten Hammer berichtete am Donnerstag auf Einladung des Ausschusses, dass auch innerhalb der Feuerwehr das Stimmungsbild nicht einheitlich ist: „Es gibt keine einhellige Meinung.“ Auf jeden Fall reiche eine bloße Sanierung nicht, es brauche „einen Neubau an einem Standort“. Aber wo? Bei einem Neubau nach DIN, von der Stange quasi, fürchten einige Feuerwehrleute um manche räumliche Annehmlichkeit, so hört man hinter vorgehaltener Hand. Dabei ist die Raumsituation Hammer zufolge schon jetzt unbefriedigend. Drei kleinere Fahrzeuge parke man beim benachbarten Roten Kreuz, Lagerflächen gebe es keine mehr, und die Kinder- und Jugendfeuerwehr träfe sich in einer Kellerecke. Die Bausubstanz selbst sei schlecht. Die Decke der Fahrzeughalle hänge durch, es gebe Rohrbrüche und Risse in den Wänden, die Elektroinstallation sei hoffnungslos veraltet und – man höre und staune – der Brandschutz sei kaum vorhanden. Auf die eher rhetorische Frage „Braucht die Feuerwehr so viel Kram?“, sagte Hammer, Dieburg sei in Sachen Gefährdung auf der höchsten Bewertungsstufe. Die enge Altstadt, Sonderbauten und Industriebetriebe wie Stihl, Fiege oder OTLG rechtfertigten dies. Zudem leiste man im Ostkreis Darmstadt-Dieburg und in Nachbar-Landkreisen mit Spezialgeräten oft Hilfe. „Und die Aufgaben werden vielfältiger“, sagte Hammer mit Blick auf die neuen Baugebiete und das Gewerbeareal „Allmendländer“. Der Stadtbrandinspektor fasste seinen Vortrag fast schon beschwörend in einem Satz zusammen: „Wichtig ist, dass wir jetzt von der Debatte in die Planung gehen, die Politik entscheidet.“

Für „die Politik“ kritisierte CDU-Fraktionschef Renée Exner erneut, Dieburg sei vom Landkreis „hingehalten“ worden, und Bürgermeister Frank Haus (parteilos) meinte: „Das Feuerwehrhaus hält zwar noch ein bisschen, aber der Druck für uns ergibt sich aus dem Wunsch der Feuerwehr, endlich wissen zu wollen, wo’s hingeht.“ Die UWD hat mit ihrem Antrag die Debatte zumindest mal wieder angestoßen. Weiter geht’s im Dieburger Stadtparlament am 25. Februar in der letzten Sitzung vor der Kommunalwahl am 14. März.

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