Hans Rohmann macht aus historischen Werken über Dieburg eBooks

Raus aus dem Archiv, rein ins Netz

Seit Jahresbeginn arbeitet Hans Rohmann an der Digitalisierung zweier historischer Schriften über Dieburg.
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Seit Jahresbeginn arbeitet Hans Rohmann an der Digitalisierung zweier historischer Schriften über Dieburg.

Dieburg – Es ist oft ein Jammer: In vielen Archiven oder auch privaten Händen befinden sich alte und damit meist seltene Bücher, die nur schwer von Interessierten einzusehen sind. Wären sie digitalisiert und im Internet verfügbar, würde das den Blick hinein enorm erleichtern. Für zwei Werke über die Dieburger Geschichte hat Hans Rohmann zu diesem Problem nun ein Ausrufezeichen gesetzt:

In den letzten Monaten bearbeitete das Vorstandsmitglied des Heimatvereins die Werke „Dieburg in Geschichte und Dichtung“ (1931) sowie „Die Kurmainzer Amtsstadt Dieburg im Dreißigjährigen Kriege“ (1936). Einst von Valentin Karst und Heinrich Herrmann verfasst, können die Schriften bald als eBooks heruntergeladen werden. Die beiden bald 100 Jahre alten Publikationen erhielt Rohmann einst von seinem Schwiegervater Josef Blank. Für die Verwandlung in elektronische Seiten gab es mehrere Gründe; zuallererst natürlich den Wunsch, den Inhalt einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Hinzu kam die Wissbegierde des 72-Jährigen, einmal ein eBook selbst herzustellen. Notwendige und hilfreiche technische Geräte dafür, wie einen OCR-Scanner, besaß er bereits, ebenso das Grundwissen über Grafikformate. Als Maschinenbautechniker wirkte er im Berufsleben an dicken Bedienungsanleitungen für Kraftwerke mit. Die noch fehlenden Wissenslücken wurden mit Anschauungsvideos auf Youtube geschlossen. Bevor es endlich losgehen konnte, galt es noch eine Entscheidung über das eBook-Format zu treffen. Hier existieren mit Kindle und ePub zwei unterschiedliche Marktführer. Rohmann entschied sich für Kindle. Da es aber immer besser ist, beide Versionen zu bedienen, soll die andere im Lauf der Zeit hinterherkommen.

Stammt ein eBook aus eigener Feder, spielen Urheberrechte keine Rolle. Wagt man sich ans Digitalisieren von Werken anderer, ist das Copyright zu beachten. In der EU liegt ein Urheberrecht vor, das 70 Jahre nach dem Tod des Autors erlischt. Erst danach sind Inhalte frei verwendbar – sofern keine Rechte auf Erben, Verlage oder ähnliches übertragen wurden. Die Bücher Rohmanns sind älter als 70 Jahre, dennoch ist ungeklärt, ob noch Ansprüche existieren. Die bisherigen Recherchen des Schriftführers vom Heimatverein verliefen bisher ohne Ergebnis. Da der gebürtige Urberacher, der vor über 40 Jahren durch seine Frau Marita nach Dieburg kam, die Sache als Hobby ohne finanzielle Interessen angeht, möchte er das Projekt wegen des allgemeinen Nutzens unbedingt zum Abschluss bringen. Seit Jahresbeginn ist er bereits in regelmäßigen Abständen an der Schaffung der eBooks dran. Bald soll das Ergebnis bei Google zum kostenlosen Download zur Verfügung stehen. Dafür ist entweder ein Kindle-eReader oder eine App nötig. Die Nase in beide Publikationen zu stecken, kann Rohmann nur empfehlen. Heinrich Herrmann trug in seinem Buch ein buntes wie interessantes Sammelsurium über die Dieburger Stadthistorie zusammen. Erläuterungen zum Mithras-Stein oder der Gnadenkapelle stehen neben lokalen Gedichten. Auch ungewöhnliche Aufzeichnungen aus dem Kirchenkalender griff er auf, darunter das große Unwetter von 1928, bei dem es sogar den Hahn vom Kirchturm wehte. Schaudern lässt sich bei den angeführten Sagen, darunter jener zum „Wewwerloch“. Noch heute soll nachts an der Gnadenkappelle eine Frau zu hören sein, die durch ihre unbarmherzige und raffgierige Art zum ewigen Klagen nach dem Tod verdammt wurde. Valentin Karst beschäftigte sich ausführlich mit den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Teilweise erschütternd beschreibt er, wie Dieburg in dieser Zeit über die Hälfte der Einwohner verlor.

„Wer ein eBook angeht, steigt besonders tief in die Materie ein. Auch wenn‘s langwierig war: Die Arbeit hat Spaß gemacht“, bilanziert Rohmann und kündigt an, dass von ihm auf diesem Gebiet noch mehr zu erwarten ist. Ohnehin ist er überzeugt, dass Heimat- und Geschichtsvereine sich bei der Umwandlung historischer Schriften in digitalen Lesestoff stärker engagieren müssten. „Für die Corona-Zeit ist diese Aufgabe eine schöne und sinnvolle Beschäftigung“, hebt der „eBook-Produzent“ heraus. Trotzdem hofft er, dass die Pandemie bald ein Ende hat. Dass seit über einem Jahr im Heimatverein gar nichts mehr läuft, tut gerade einem Vereinsmenschen wie ihm, der auch noch im Chor „Resta Con Noi“ und im Seniorenbeirat aktiv ist, außerordentlich weh.

Von Michael Just

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