Autobiografischer Roman

„Sand im Getriebe“: Dieburger Paul René Frigo veröffentlicht erstes Buch

Der Dieburger Paul René Frigo erzählt in seinen Buch „Sand im Getriebe“ von einer Reise nach Marokko, die eine dramatische Wende nimmt.
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Der Dieburger Paul René Frigo erzählt in seinen Buch „Sand im Getriebe“ von einer Reise nach Marokko, die eine dramatische Wende nimmt.

Paul René Frigo aus Dieburg veröffentlicht sein erstes Buch „Sand im Getriebe“, eine Mischung aus Reisebericht und Familiendrama, in dem er auch real die Hauptrolle spielt.

Dieburg - In die Groß-Zimmerner Straße in Dieburg, wo das Elternhaus seiner Ehefrau steht, hat es Paul René Frigo per Zufall verschlagen. Das Multitalent, unter anderem als Journalist und PR-Fachmann, Moderator, Sprecher, Trainer, Schreiber tätig , kam 2006 von seiner Heimatstadt Wien – beim ersten Wort verrät der Zungenschlag seine Herkunft – für ein Praktikum in der Kommunikationsabteilung eines großen Kreditinstituts nach Frankfurt. Fünf Jahre später hegte er Pläne, seine Zelte hier wieder abzubrechen und zurückzukehren, da lernte auf der Geburtstagsfeier einer Freundin in Darmstadt seine jetzige Frau kennen. „Wie es im Rhein-Main-Gebiet häufig ist: Gekommen fürs Geld, geblieben für die Liebe“, bilanziert das Frigo im Interview schmunzelnd.

Roman „Sand im Getriebe“ für Dieburger Frigo sehr emotionales Werk

2017 wird geheiratet, die Familie mit der heute sechsjährigen Tochter, der Sohn ist vier, lebt zeitweise in Wien, tauscht dann aber die „schönen Steine“ der österreichischen Bundeshauptstadt mit dem Haus im Grünen in der hessischen Kleinstadt Dieburg. Das dürfte auch im Sinne des tierischen Faktotums, der 15-jährigen Hündin Kyra, sein. Diese Details sind wichtig, weil sie die Basis für den Roman-Erstling des 37-Jährigen bilden. „Ich schreibe seit ich 14 bin, zunächst Kurzgeschichten, später als Redakteur“, berichtet Frigo, „das ist ein wahnsinnig leidenschaftliches Thema.“

Sehr emotional, mit buchstäblich jeder Menge Schmerz, Schweiß und Tränen ist auch die Geschichte verfasst, mit der Frigo eine Reise nach Marokko schildert, die er 2018 mit seiner Familie unternommen hat. Sie sei nur „leicht verfremdet, angepasst, geglättet“ erzählt der Autor, „und ich habe die Beziehung der Hauptcharaktere Stephan und Maria etwas dramatisiert“.

Ausgangspunkt: Er hat gerade seinen Job gekündigt, die Frau ist noch in Elternzeit. Das Paar beschließt, ein paar Monate lang eine Auszeit vom „Hamsterrad“ zu nehmen. „Wir wollten reflektieren: „Wo kommen wir her, wie wäre der nächste logische Schritt, wenn’s so weitergeht wie bisher, und wollen wir das?“ Vor allem aber wollen sie noch etwas Zeit für sich und die Familie haben, bevor die Schule den Stundenplan vorgibt.

Frigos Roman „Sand im Getriebe“ dreht sich um einem Unfall

Beim Aufbruch haben sie schweres Gepäck dabei: Nicht nur das Wohnwagengespann, das auf den steilen Bergstraßen des Atlasgebirges für brenzlige Manövriersituationen sorgen wird. Darüber hinaus „hatte sich der Mann zuvor Freiheiten genommen, die er sich nicht hätte nehmen dürfen“, beschreibt Frigo. Das Fremdgehen wird zwar nur angedeutet, ist aber mitverantwortlich für die Spirale aus Schuld und Selbstvorwürfen, in der sich der Protagonist dreht. „Nach dem Unfall versinkt er immer tiefer ins Loch und versucht, sich da wiederherauszuarbeiten, was in so einer Ausnahmesituation extrem anstrengend ist.“ Der Unfall ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, die in zwei parallel laufenden Zeitsträngen erzählt wird: In einem kleinen marokkanischen Dorf bricht der Vater dem kleinen Sohn, den er einfangen will, den Oberschenkel. Das Bein hatte sich zwischen Tisch und Bank im Wohnwagen verkantet, „an das Geräusch des gebrochenen Knochens erinnere ich mich heute noch“. Ein Krankenhaus, ärztliche Versorgung gibt es zunächst nicht. Schrecklicherweise sind nicht mal Schmerzmittel für den Zweijährigen zu haben, und die Familie ist der Willkür der Behörden ausgeliefert

Wenn man sich andere Reiseberichte ansehe, sei oft alles glücklich und schön, sagt Frigo. Das Schlimmste, was passiere, sei ein Motorschaden oder eine Lebensmittelvergiftung. „Wenn du aber am Rande der Sahara ein Kleinkind mit potenziell lebensgefährlicher Verletzung hast, dann hat das eine ganz andere Dramaturgie. Aber solche Dinge können unterwegs eben auch passieren und schieflaufen.“

Hat der Roman „Sand im Getriebe“ des Dieburgers Paul René Frigo ein Happy End?

Eigentlich hätte die Tour viel länger dauern und bis in den Herbst hinein nach Spanien und Portugal führen sollen. Jetzt müssen die 4 000 Kilometer bis nach Hause möglichst schnell überwunden werden: Während Maria mit dem Sohn nach Wien fliegt und dort bei ihm im Krankenhaus ausharrt, kutschiert Stephan den Wohnwagen auf dem Landweg zurück, bespaßt die Tochter und versorgt den Hund.

Mit der glücklichen Ankunft in Wien endet die Geschichte. Auch real gab’ s ein Happy End. „Als der Bruch verheilt war, haben wir uns erst mal einen kleinen Familien-Campingplatz in der Steiermark gesucht, der uns die Ruhe gegeben hat, die wir dann gebraucht haben.“ Auch das Paar findet wieder zueinander, und Marokko bleibt kein Trauma – im Gegenteil: „Ich wollte auch die Schönheit des Landes darstellen.“

Den Laptop hat er immer dabei. „In Fez habe ich angefangen zu schreiben, um zu verarbeiten“, berichtet Frigo. Im Café der Dieburger „Bücherinsel“ hat er später den Entwurf seines Romanerstlings gestaltet. Die Suche nach einem Verlag auf der Frankfurter Buchmesse wurde durch die Pandemie vereitelt, bei Heftiger in Wien ist das 224 Seiten starke Buch jetzt erschienen und kostet 22,50 Euro. Der Autor bereitet eine Hörfassung vor, plant im Laufe des Jahres auch Lesungen und ist darüber im Gespräch mit lokalen Buchläden. Von Sabine Müller

Der Roman „Sand im Getriebe“ des Dieburger Paul René Frigo ist im Heftiger Verlag (Wien), 224 Seiten, erschienen.

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