Das Große Hörmes bei Dieburg umfasst 14 Hektar

Seggen machen Areal besonders

Forstamtsrat Stefan Rickert zeigt die Schwarzkopfsegge, die große Höcker ausbildet.
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Forstamtsrat Stefan Rickert zeigt die Schwarzkopfsegge, die große Höcker ausbildet.

Dieburg – Auch das Naturschutzgebiet (NSG) „Großes Hörmes“, im Folgenden Hörmes genannt, ist auf Betreiben der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz und dem deutschen Bund für Vogelschutz im Jahr 1982 als NSG ausgewiesen worden. Ohne diese beiden Vereine, die sich vorrangig in den 1970er- und 1980-Jahren für schützenswerte Flächen eingesetzt haben, würde es heute wohl nur wenige NSG im Landkreis Darmstadt-Dieburg geben.

Seitdem hat sich auch nicht mehr viel getan. Dass der Pflegeplan für das Große Hörmes aus dem Jahr 1986 stammt ist keine Ausnahme sondern die Regel für die Naturschutzgebiete im Landkreis. Das Große Hörmes mit seiner Lage westlich von Dieburg zwischen Messeler Weg und der Nebenstrecke nach Darmstadt gehört mit knapp 14 Hektar zu den kleineren NSG im Landkreis, die Besitzverhältnisse sind schwierig. Die Stadt Dieburg hat Flächenanteile in ihrem Besitz, aber auch die Forstverwaltung, die Domänenverwaltung des Landes Hessen, und nicht zuletzt gibt es auch noch Privatbesitzer. Maßnahmen waren also nicht ganz so einfach abzustimmen. Früher handelte es sich um ein Feuchtgebiet, aber nicht erst seit den drei vergangenen Sommern wird das Wasser immer weniger. Nun versucht das Forstamt, das für die Pflegemaßnahmen in allen NSG zuständig ist, dafür zu sorgen, dass der Wasserabfluss über den Hörmesgraben nicht mehr so hoch ist. „Früher wurde der Graben immer mal wieder geräumt“, erinnert sich Forstamtsrat Stefan Rickert, der zusammen mit Försterin Lisa Wettklo die Begehung des Gebietes führt. „Heute verzichten wir darauf, um das Wasser zurückzuhalten.“

Das Hörmes ist mehrgestaltig, es hat einen Waldanteil, einen Schilfbereich, aber auch einen Trockenanteil. Damit sich diese Bereiche, die wiederum bestimmten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten, auch so in ihrer Struktur erhalten, müssen sie gepflegt werden. Deshalb wurden Weiden in den vergangenen trockenen Jahren gerodet, Sorgte das Forstamt nicht für die Abholzung, entstünde in dem Gebiet langfristig Wald. Auch der Riesenbärenklau, eine invasive Art aus dem Kaukasus, muss immer wieder ausgerissen werden, damit er nicht bald die gesamte Fläche dominiert. Das Naturschutzgebiet wurde ausgewiesen, weil es neben Seggen- und Röhrichtbeständen auch weitere seltene Pflanzen wie Prachtnelke, Sumpf-Weidenröschen oder Schmalblättriges Wollgras und Bachnelkenwurz beherbergt. Allerdings sind auch die großen Seggen, die Schwarzkopfseggen, die an einem Standort im NSG in Form von großen Polstern wachsen, eine absolute Besonderheit. Diese Seggen gibt es im gesamten Landkreis nur an dieser Stelle. Die Orchidee Knabenkraut kommt im Gebiet ebenfalls vor.

Etliche Vogelarten kommen im Dieburger Westen vor, der Teichrohrsänger und die Rohrammer etwa haben hier ihre Brutplätze, aber auch der Schwarze Milan wurde hier gesichtet. Früher gab es hier wohl auch mal den Wachtelkönig und die Bekassine, die aber schon länger nicht mehr gesichtet wurden. Rickert gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass die letzte Bestandsaufnahme im Gebiet mittlerweile schon 20 Jahre zurückliegt. In kleinen Tümpeln, unter anderem aber auch im Reiterteich gibt es größere Laubfrosch- und Grasfroschvorkommen. „Wichtig ist dabei, dass die Tümpel nicht so nah an einem Fließgewässer liegen“, erklärt Rickert, „sonst könnten bei Überschwemmungen kleine Fische in die Tümpel gelangen, die dann die Kaulquappen wegfressen.“ Auch die Ringelnatter ist im Gebiet nachgewiesen.

Auch Säugetiere kommen immer mal wieder zu Besuch in das Hörmes, Wildschweinspuren sind deutlich zu sehen, aber auch das Rehwild lässt sich hier häufiger sehen. Die landwirtschaftliche Nutzung beschränkt sich auf die Wiesenbereiche und ist als Mähwiese extensiv. Die ehemals ausgedehntere landwirtschaftliche Nutzung in dem Schutzgebiet wurde bereits vor längerer Zeit sukzessive aufgegeben. Im Umfeld des NSG herrscht Ackerland vor. Von der Pflege her hat das Forstamt das Gebiet gut im Griff. Landwirte mähen die Wiesenanteile einmal im Jahr, die Weiden werden immer mal zurückgesetzt, allerdings nicht jährlich. Alle paar Jahre werden die Rückschnitte dafür umso kräftiger durchgeführt. Sorgen machen Rickert und Wettklo allerdings die Bedingungen auf die das Forstamt keinen Einfluss hat. Sollte es weiterhin so wenig regnen, könnten die feuchten Anteile des Hörmes weiter zurückgehen und damit ganze Tier- und Pflanzengesellschaften verschwinden.

Von Agnes Badener

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