Notunterkünfte in nur 48 Stunden schaffen

1000 neue Flüchtlinge: Kreis steht mächtig unter Druck

Dietzenbach/Dreieich/Langen - Nur 48 Stunden: Der Kreis Offenbach muss bis morgen Notunterkünfte für bis zu 1000 weitere Flüchtlinge bereitstellen. Einen solchen Einsatzbefehl hat das hessische Innenministerium der Katastrophenschutzbehörde des Kreises erteilt. Von Christoph Zöllner

„Wir arbeiten mit Hochdruck an Lösungen“, teilte Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf gestern auf Anfrage mit. Weitere Informationen will der Kreis erst heute früh bei einer Pressekonferenz im Kreishaus preisgeben. Mit dabei ist Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann, der oberste Katastrophenschützer im Landkreis. Viele Optionen hat der Kreis Offenbach nicht, nachdem ihn am späten Montagabend die Nachricht aus Wiesbaden ereilt hatte. Für Notunterkünfte infrage kommen wohl nur Sporthallen oder leer stehende Gewerbeimmobilien, die kurzfristig belegt werden könnten.

Der Einsatzbefehl bedeutet für viele Mitarbeiter von Hilfsorganisationen Sonderschichten. Im Kreis Offenbach stellen das Deutsche Rote Kreuz sowie die Johanniter Unfallhilfe mit dem Malteser Hilfsdienst je einen Betreuungszug des Katastrophenschutzes. Sie sind ebenso im Boot wie das Technische Hilfswerk und die Feuerwehren. Die Mitarbeiter sind geübt im Umgang mit Notfällen, kümmern sich um die Verpflegung und Versorgung, stellen Feldbetten und Sanitär-Container auf, die wegen der bundesweiten Nachfrage langsam knapp werden. „Der Markt ist wie leergefegt“, sagte gestern ein Experte. Momentan leben in den 13 Kommunen des Kreises Offenbach insgesamt 1920 Asylbewerber sowie 350 anerkannte Flüchtlinge. Hinzu kommt noch die Notunterkunft in Neu-Isenburg mit 700 Plätzen.

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Derweil wird in Dietzenbach die beliebte Versammlungsstätte Reinhard-Göpfert-Haus in eine Notunterkunft für Flüchtlinge umgewandelt. Der Magistrat beschloss in einer Sondersitzung, dass dort bis zu 40 Neuankömmlinge unterkommen sollen. Die Stadt hofft, dass sie das Gebäude im Westend Mitte nächsten Jahres wieder den Vereinen und Senioren zur Verfügung stellen kann, sobald zwei weitere Gemeinschaftsunterkünfte von Stadt und Kreis fertig werden. Mindestens bis dahin müssen die Nutzer mit alternativen Räumen vorlieb nehmen: So proben etwa Kulturvereine im Konferenzsaal des Rathauses; der Bridge-Club spielt im Bürgerhaus.

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Die Kreisstadt rechnet damit, dass bis zum Jahresende noch mindestens 160 Flüchtlinge nach Dietzenbach kommen und der Zustrom auch 2016 nicht abbrechen wird. „Es kann immer wieder zu kurzfristigen Notlagen kommen, auf die der Magistrat und der Bürgermeister reagieren müssen“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt Dietzenbach, die daher weiter händeringend nach Unterkünften sucht.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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