22-Jährige aus nicaraguanischer Partnerkommune

Staunen über Fachwerk und Radwege

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Dietzenbach - Ein Jahr lang in einem fremden Land leben? Auf so ein Abenteuer hat sich Sofrania Miranda aus Masaya, Nicaragua, eingelassen. Sie berichtet über ihre Erfahrungen, die sie in der Kreisstadt als Freiwillige sammelt. Von Anna Scholze 

Sofrania Mirandas Worte zeugen von Abenteuerlust und Lebensfreude, wenn sie von ihrer Reise nach Deutschland spricht. Sie sagt: „Ich werde all die Erfahrungen, die ich jetzt während meines Freiwilligen Sozialen Jahrs mache, nie wieder vergessen.“ Die Nicaraguanerin erzählt begeistert von den Fachwerkhäusern in der Dietzenbacher Altstadt und der offenherzigen Art ihrer Gasteltern. Susanne und Adam sind ihr gegenüber sehr aufmerksam, und sie hat schon eine Menge von ihnen über die hiesigen Gepflogenheiten gelernt.

Auch die Arbeit an ihrer Einsatzstelle, der Nachmittagsbetreuung der Astrid-Lindgren-Schule, macht Sofranias großen Spaß. Zu ihren Aufgaben gehört es zum Beispiel, die Schüler auf dem Schulhof zu beaufsichtigen, und schon bald wird sie ihre eigene Spanisch-Arbeitsgemeinschaft (AG) leiten. Zu Beginn, erinnert sich Sofrania, ist der Freiwilligendienst nicht einfach gewesen. Die Kinder haben es ausgenutzt, dass sie nur wenig Deutsch gesprochen hat. „Zum Glück haben mir meine Kolleginnen viel geholfen“, erzählt die 22-Jährige, die in der Dietzenbacher Partnerstadt Masaya zuhause ist.

Die Gelegenheit, hier in Deutschland viele verschiedene Eindrücke zu sammeln, hat sich für Sofrania im Deutschunterricht in Nicaragua ergeben. Im Unterricht gab es einem Aufruf, sich für das Freiwilligen-Programm Weltwärts zu bewerben. Das Angebot stammt von dem Partnerverein der AG Dietzenbach/Masaya. Die ist wiederum Teil des Vereins für internationale Beziehungen.

„Alle Bewerber mussten einen Sprachtest machen und Fragen zu den Gründen für ihr Interesse an der Reise beantworten“, erläutert Sofrania. Sie musste zwei Tage lang in einer Einrichtung, die durch den nicaraguanischen Verein unterstützt wird, engagieren. Zur Bewerbungsprozedur für das Bundesprogramm Weltwärts gehörten zudem Seminare, in denen die Nicaraguanerin alles Wissenswerte über Deutschland erfuhr. Inhalt der Vorbereitungskurse waren, neben der deutschen Geschichte und den Sitten, auch die Ess- und Trinkgewohnheiten der Menschen. „Wir haben zum Beispiel erfahren, dass hier, anders als bei uns, viel Mineralwasser getrunken wird“, berichtet Sofrania.

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Weitere Unterschiede sind der Weltwärts-Freiwilligen dann in der Kreisstadt aufgefallen. Sie erzählt, dass in Masaya das ganze Jahr über die Türen offenstehen. In Deutschland hingegen seien sie immer verschlossen. Dafür genießt sie es, in der Kreisstadt auf den Radwegen Fahrrad zu fahren. „In Masaya haben wir so etwas nicht“, sagt Sofrania. Mit Freude hat sie festgestellt, dass der ständige Hausputz nicht notwendig ist. In Nicaragua ist das durch den vielen Staub und die geöffneten Türen unumgänglich.

Zu den schönsten Orten in Masaya gehören, laut Sofrania, die Lagune und der aktive Vulkan. Darüber hinaus ist die Stadt durch die vielen Feste, die dort gefeiert werden, wie sie erzählt, in ganz Nicaragua berühmt. So wird von September bis November das Fest des Heiligen Jeronimo gefeiert. „Es treten zum Beispiel verkleidete Tänzer in verschiedenen Häusern auf und tanzen Marimba“, berichtet die junge Frau. Es ist dann die Aufgabe der Hausbesitzer, die Artisten und das Publikum zu versorgen.

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Von allem, was sie für ein Jahr in Masaya zurückgelassen hat, fehlen Sofrania ihre Zwillingsschwestern besonders. Zwischen den Dreien gibt es, durch den geringen Altersunterschied von einem Jahr, wie sie erzählt, eine enge Verbindung. Ein wenig Linderung beim Trennungsschmerz verschafft die moderne Technik: „Wir haben jeden Tag über das Handy Kontakt“, sagt sie.

Der Zeitpunkt, an dem sich die Geschwister wiedersehen, liegt nicht mehr allzu weit entfernt. Denn bereits im August wird die Freiwillige zurück nach Masaya fliegen. Dort will sie ihren Master in Buchhaltung und Rechnungswesen machen. Zurück in der Heimat gehört es zu ihren Aufgaben, sich im Partnerver-ein der Kreisstadt zu engagieren. Es ist Teil des Freiwilligendienstes, dass die Teilnehmer ein Jahr nach ihrem Aufenthalt in Deutschland den Verein unterstützen. Das ist ihr wichtig, denn „ich habe es der Organisation zu verdanken, dass ich so viele Erfahrungen in Deutschland sammeln kann“.

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