Mann prügelt unter anderem auf Stiefvater ein

23-Jähriger mit Potpourri aus Drogen und Straftaten

Dietzenbach - Einbrüche, Körperverletzung, Autodiebstahl und jede Menge Drogen – die Strafakte eines 23-Jährigen lässt tief blicken. Von Stefan Mangold 

Zum Gewaltausbruch in einer offensichtlich völlig zerrütteten Familie kommt es im März vor einem Jahr. Mit übergestreiften Quarzsandhandschuhen – das Handtextil verstärkt die Schlagwirkung und schützt die eigenen Knochen – schlägt ein 23-Jähriger in der Wohnung seiner in Dietzenbach lebenden Eltern auf seinen Stiefvater ein. Der Grund wird diese Woche vor dem Offenbacher Schöffengericht erläutert: Kurz zuvor habe er am Bahnhof seine jüngere Schwester getroffen, die ihm berichtete, dass der Stiefvater sie als Hure beschimpft und geschlagen habe.

Auch neben dieser schweren Körperverletzung bewegte sich der drogenabhängige Untersuchungshäftling im vergangenen Jahr oft jenseits der Gesetze. Der 23-Jährige streitet weitere Anklagepunkte nicht ab. So schraubte er in Offenbach an einem Lkw die Nummernschilder ab, um sie an einem gestohlenen Fiat zu befestigen. In Offenbach gerät er damit in eine Polizeikontrolle. Er versucht zu fliehen. Die Verfolgungsjagd endet mit einer Vollbremsung vor einem Polizeiwagen. Zu einer leichten Kollision kommt es dennoch. Einen Führerschein hat er nicht. Der Sachverständige wertet den durch Kiffen verursachten THC-Gehalt im Blut als ausgesprochen hoch. Zwei Einbrüche lassen sich nachweisen. Einer in Heusenstamm, einer in Dietzenbach. In einem Haus an der Berliner Straße erwischt ihn die Polizei im Oktober 2015 auf frischer Tat. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Als Jugendlicher saß er bereits 21 Monate hinter Gittern.

Für ihn spricht Rechtsanwalt Manfred Döring: „Ich kenne den Angeklagten schon lange.“ Die Mutter habe ihn mit elf Jahren ins Kinderheim verfrachtet, das Schulamt Offenbach sich geweigert, ihn mit 16 Jahren weiter zu beschulen. Der Angeklagte, der den Gerichtssaal in Handschellen betritt, berichtet, der Stiefvater habe ihn ab seinem siebten Lebensjahr fast täglich geschlagen. Mit 13 Jahren habe er seinen ersten Joint geraucht. Seit seinem 15. Lebensjahr befinde er sich quasi permanent unter Drogeneinfluss, bis auf die Zeit im Knast, wenn er dort nichts bekam. Ansonsten taktet ein Potpourri aus Haschisch, Speed und Kokain sein Leben. Er wirkt wie sediert, wenn er spricht: langsam, leise, ohne Betonungen, ohne Mimik.

Angesichts der Geständnisse verzichten alle Prozessparteien, die geladenen Zeugen zu vernehmen, außer zwei Polizeibeamte. Der Staatsanwalt spricht davon, trotz seiner von Gewalt geprägten Kindheit könne die Gesellschaft seine Straftaten nicht tolerieren. In Summe fordert der Staatsanwalt 31 Monate Haft. Der Einbruch in Dietzenbach und die anderen Anklagepunkte werden wegen eines gültigen Urteils zwischen den Delikten getrennt bewertet.

Die kuriosesten Gesetze aus aller Welt

Rechtsanwalt Döring benutzt das Bild von der Drehtüre zwischen Freiheit und Gefängnis. Ohne Drogentherapie habe sein Mandant keine Chance, der Mechanik zu entkommen. Die Ursache der Straftaten sei an seine Sucht gekoppelt, „reine Beschaffungskriminalität“. Döring plädiert auf insgesamt 21 Monate aber auch auf Aussetzung der Haft mit der Auflage, dass sich der Angeklagte sofort im Suchttherapiezentrum Wildhof anmelde.

Richter Beck verhängt in Summe 25 Monate, von denen der Angeklagte noch 19 abbüßen muss: „In Freiheit wäre er gleich wieder unterwegs.“ Nach drei bis vier Monaten kann der Angeklagte außerhalb des Gefängnisses einen Therapieplatz antreten. Geht dann alles gut, bleibt er draußen. Wenn nicht, landet er wieder drinnen und hätte keine Chance, nach Zweidrittel der Zeit aus der Drehtür zu gehen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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