35.000 Pakete für Kostjukovitschi

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Der Lkw ist voll, die Kleiderkammer leer geräumt – am heutigen Donnerstag, 14 bis 18 Uhr, öffnet sie in der Voltastraße 6 wieder ihre Türen nach der Winterpause.

Dietzenbach ‐ „Jetzt könnten wir ganz gut ein 26-Zoll-Rad gebrauchen“, ruft einer der Männer aus der Tiefe des Lkw. „Schau mal, da, an der Seite steht eines“, weist ihn ein anderer an der Rampe auf das gerade noch in die Lücke passende Stück hin, während sich vor dem Lkw schon eine kleine Schlange ehrenamt licher Helfer gebildet hat,  jeweils mit einem Fahrrad an der Seite. Von Nina Beck

74 gespendete Räder warten in der Kleiderkammer an der Voltastraße auf ihren Transport ins weißrussische Kostjukovitschi, die von der Tschernobyl-Katastrophe so stark belastete Region, wo sie in Schulen, aber auch an Privatpersonen verteilt werden. Die ersten 30 Drahtesel kommen in diesem Transport mit, neben zwei Tischtennis-Platten und einer Heimorgel für die katholische Kirche vor Ort, zwei Kinderwagen und einer Krankenhausliege, einer Heizung, Langlaufski, Schlitt- und Rollschuhen, Teppichen, Kinderspielzeug, Bettwäsche, Waschmittel – und natürlich jeder Menge Kleidung fürs Baby bis zum Erwachsenen.

Gut 1.150 Bananenkisten haben die engagierten Frauen des Freundeskreises Kostjukovitschi seit September gepackt, den Inhalt jeder einzelnen fein säuberlich auf einer Liste festgehalten, die jeweiligen Adressaten auf Zetteln in kyrillischer Schrift aufgeklebt. „Beim Zoll sind die da sehr penibel“, erläutert Peggy Sauerborn, die gemeinsam mit Josette Scholz vor gut 15 Jahren die Kleiderkammer mit ins Leben gerufen hat – „damals noch ganz klein, im Keller von Dörte Siedentopf“ (der Vorsitzenden des Freundeskreises Kostjukovitschi).

Zweimal im Jahr 1.826 Kilometer nach Weißrussland

Was recht spontan begann, hat sich längst zu einem professionell durchorganisierten Unterfangen gemausert: Nach dem jüngsten Umzug der Kleiderkammer an die Voltastraße steht dem Freundeskreis dort jede Menge Lagerraum zur Verfügung, und wenn die Räume voll sind, so wie jetzt, begeben sich die Hilfstransporte von Dietzenbach aus auf die 1.826 Kilometer lange Reise nach Weißrussland – zweimal im Jahr.

Der gestern gestartete Lkw-Transport ist seit 1996 bereits der 29. des Freundeskreises. 1500 Fahrräder haben die jüngste Partnerstadt Dietzenbachs seitdem erreicht, ebenso wie rund 35 000 voll gepackte Bananenkisten. Für den Transport engagiert der Freundeskreis eine Spedition.

In Kostjukovitschi angekommen, werden die Hilfsgüter zunächst in einer Schule gelagert. Die Bildungsabteilung erledigt die Zollformalitäten, bevor es an die Auslieferung gehen kann, erzählt Siedentopf. Darüber hinaus wird speziell vorsortierte Kleidung auch in einer Wohnung des Roten Kreuzes an die Empfänger verteilt. „Jeder muss seinen Ausweis mitbringen, und dann wird der Empfang auch in einer Liste festgehalten“, so Siedentopf.

Vorbereitung auf die Rückverschwisterungsfeier

Gemeinsam mit acht weiteren Dietzenbachern – das Interesse sei mit der Verschwisterung im vergangenen Frühjahr spürbar gestiegen, sagt sie – fliegt die Mitbegründerin des Freundeskreises Anfang Februar nach Minsk, von dort geht es mit dem Bus weiter nach Kostjukovitschi. Fünf Tage wird die kleine Delegation in der Partnerstadt bleiben, wird unter anderem die für Pfingsten geplante Rückverschwisterungsfeier in Kostjukovitschi vorbereiten und sich Kulturgruppen anschauen, von denen eine kleine anlässlich der 25-Jahr-Feier der Städtepartnerschaft mit Masaya im Herbst nach Dietzenbach reisen wird.

Außerdem stellen sich dann auch die Kinder vor, die in diesem Sommer zu uns kommen“, sagt Günter Hofmann vom Freundeskreis, der von Beginn der Erholungsaufenthalte an, seit 1991, mit seiner Familie selbst immer wieder auch Kinder aus Kostjukovitschi bei sich aufgenommen hat, mehr als 30 unterdessen. Die jüngst geschlossene Verschwisterung jedenfalls, freut sich Siedentopf, habe in punkto Visa für die Kinder die gewünschte Vereinfachung gebracht.

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