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75 Jahre SG Dietzenbach: Früher wie heute feiern die Handballer Erfolge

Ein Bild aus erfolgreicheren Tagen: Die Handballer der Sportgemeinde wurden 1950 Hessenmeister im Feldhandball.  
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Ein Bild aus erfolgreicheren Tagen: Die Handballer der Sportgemeinde wurden 1950 Hessenmeister im Feldhandball. archiv

Die Sportgemeinschaft (SG) Dietzenbach feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag. Am 4. November 1945 wurde die Gründung im „Neuen Löwen“ an der Rathenaustraße besiegelt. In loser Reihenfolge stellen wir zu diesem Anlass die sieben Abteilungen des 960 Mitglieder zählenden Vereins vor, erinnern an sportliche Erfolge und blicken auf künftige Pläne.

Dietzenbach – Philipp Fenn ist nicht nur Dietzenbacher Handballern ein Begriff. Jeder Kreisstädter kann seinen Namen auf der Halle an der Rodgaustraße lesen. Und das aus gutem Grund: Fenn gilt für viele als Mitbegründer des Dietzenbacher Handballsports. Schon 1926 beschloss er zusammen mit 17 Mitstreitern, bei der Turngemeinschaft eine Handballmannschaft aufzustellen. Als nach dem Zweiten Weltkrieg nur ein Verein pro Stadt erlaubt war, wechselte Fenn zur neu gegründeten Sportgemeinschaft und etablierte dort den Handballsport, der damals noch im Freien gespielt wurde. Daher trug die SG ihre Spiele im Waldstadion aus, wie der heutige Abteilungsleiter Peter Werkmann erzählt. Die ersten sportlichen Erfolge sollten rasch folgen.

1950 gewann die SG die Hessenmeisterschaft. 1955 holte Ernst Winterlin mit der Nationalmannschaft im eigenen Land die Weltmeisterschaft. Im Hallenhandball konnte die Sportgemeinschaft 1970 mit der Südwestdeutschen Meisterschaft ihren ersten Titel erringen. Ein Jahr später gelang der Aufsteig in die Bundesliga, damals noch in Süd- und Nordstaffel geteilt. Nach Ab- und Wiederaufstieg in den folgenden Jahren erreichte die Sportgemeinschaft 1976 das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft.

Im DHB-Pokal waren die Handballer ebenfalls erfolgreich. 1976 mussten sie sich erst im Finale dem TSV Dankersen mit 12:13 geschlagen geben. 1979 scheiterte die SG im Halbfinale mit 18:22 am THW Kiel, erfolgreichster Verein der deutschen Handballgeschichte. „Wir sind übrigens die einzige deutsche Mannschaft, die seit der Gründung der eingleisigen Bundesliga gegen den THW eine positive Bilanz hat“, betont Werkmann stolz. Fünf Siegen stehen vier Niederlagen und ein Unentschieden gegenüber.

Für ihn und Wolfgang Knecht, ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der TG, war vor allem die Zusammenstellung der Mannschaft ein Erfolgsgarant. Knecht erinnert sich: „Es waren damals viele Dietzenbacher Buben dabei, der Zusammenhalt dementsprechend groß.“ Peter Werkmann ergänzt: „Wir hatten in dieser Zeit viele Nationalspieler.“ Etwa Claus Hormel, Mitglied der Weltmeistermannschaft von 1978.

Bis 1983 spielte die SG in der höchsten Spielklasse, die in der Saison 1977/78 als eingleisige Liga neu gegründet wurde, dann begann der Niedergang: Streitigkeiten um die Vergütung der Spieler, die der Verein teilweise aus dem Ausland dazu geholt hatte sowie Steuerschulden zwangen den Verein, sich aus dem Spielbetrieb abzumelden. Nur dank eines zinsfreien Kredits über 800 000 D-Mark, den die Stadt dem Verein gewährte, konnte der Verein überleben, erinnert sich Gisela Kieß, langjährige Vorsitzende der SG. Kieß spielte selbst aktiv in der 1972 formierten Frauenmannschaft, mit der sie als Spielführerin 1987 bis in die Oberliga – damals dritthöchste Spielklasse – aufstieg. „Zu dieser Zeit waren wir die erfolgreichste Mannschaft der SG“, betont sie, „keine Männermannschaft hat damals so hochklassig gespielt“.

Danach sollten die Handballer nicht mehr so hochklassig vertreten sein. Auch deshalb entschied sich die Abteilung 2006, mit den Handballern der TG zur HSG Dietzenbach zu fusionieren. „Wir wollten lieber eine sportlich starke als zwei schwache Mannschaften haben“, erläutert Werkmann. Vereinfacht wurde dies durch den freundschaftlichen Umgang, den die Spieler beider Klubs mittlerweile untereinander hatten. „Viele Spieler kannten sich ja aus der Schule“, betont Wolfgang Knecht. Auch die früheren Wechsel von Spielern oder Trainern zwischen SG und TG hätten zu einem entspannteren Verhältnis geführt.

Sportlich habe sich die Fusion gelohnt, betonen Werkmann, Knecht und Kieß. In der abgelaufenen Saison belegte die erste Männer-Mannschaft der HSG in der Bezirksoberliga Offenbach / Hanau den fünften Platz. Ende September gewann die Sportgemeinschaft zudem das Vorbereitungsturnier um den „Selgros-Cup“. Die Frauen, die ihre Saison in der Landesliga Süd auf Rang acht beendeten, mussten sich dort erst im Finale geschlagen geben. (Von Joshua Bär)

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