Abriss eines Fachwerkhauses an der Borngasse

Schandfleck weg – Geld wohl auch

Helga Steinheimer vor ihrer freigelegten Hauswand an der Borngasse. Die 79-Jährige versteht derzeit die Welt nicht mehr: Das Haus Borngasse 21 – jahrzehntelang leerstehend – ist zwar Geschichte, dessen Trümmer allerdings sind noch allgegenwärtig, darunter auch fünf Öltanks (Bild rechts) die zwischen dem Schutt liegen.
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Helga Steinheimer vor ihrer freigelegten Hauswand an der Borngasse. Die 79-Jährige versteht derzeit die Welt nicht mehr: Das Haus Borngasse 21 – jahrzehntelang leerstehend – ist zwar Geschichte, dessen Trümmer allerdings sind noch allgegenwärtig, darunter auch fünf Öltanks (Bild rechts) die zwischen dem Schutt liegen.

Dietzenbach -  Das kleine Fachwerkhaus Borngasse 23 galt lange als Schandfleck. Schon seit 1988 stand es leer, im Inneren türmte sich Müll. Alle Versuche, die Besitzerin ausfindig zu machen und zur Sanierung zu bewegen, schlugen fehl. Von Ronny Paul

Nun ist das Haus weg, der Schandfleck jedoch nicht: Trümmer liegen an der Stelle. Nicht nur das ärgert die Nachbarn. Der ehemalige Landrat Peter Walter hatte es versucht. Ex-Bürgermeister Stephan Gieseler ebenfalls. Die Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft (DSK) hätte es gerne saniert. Doch alle Bemühungen, aus dem Schandfleck, dem Haus an der Borngasse mit der Nummer 23, wieder ein Prunkstück zu machen, scheiterten. Die Besitzerin reagierte bis heute weder auf Anfragen noch auf amtliche Aufforderungen zur Sanierung. „Der Kreis hat mehrfach versucht, die Eigentümerin zu kontaktieren“, sagt Kreispressesprecherin Kordula Egenolf. Jahrelang herrschte Stillstand. „Für Ratten war das eine Komfortwohnung“, sagt Martin Ertrich, Anwohner der Borngasse 25 und ergänzt: „Seit über 30 Jahren ärgern wir uns über das Haus.“

Das Ordnungsamt verbarrikadierte letztlich Fenster und Türen und zog einen Bauzaun um das Grundstück, um Kinder und Jugendliche davon fernzuhalten. Bis jetzt die einzige Handhabe von Stadt und Kreis. Doch erst, als nun auf das angrenzende Grundstück, Borngasse 15/17, Ziegel gefallen waren, hieß es: Gefahr im Verzug – obwohl laut Ertrich schon vor Jahren der Schornstein auf die Straße gekracht war. Bagger rollten vergangene Woche in die Borngasse und machten das Haus dem Erdboden gleich. Gelöst ist das Problem damit noch nicht.

Helga Steinheimer, die seit 1969 in der Borngasse 21 wohnt, versteht die Welt nicht mehr. Das Nachbarhaus stand direkt neben ihrem. Aus der Trennwand zwischen den beiden Gebäuden ist nun eine Außenwand geworden, die den Witterungsverhältnissen nicht standhält und Feuchtigkeit sowie Kälte durchlässt. „Und bald kommt der Winter“, sagt Steinheimer bedrückt.

Ein Mitarbeiter der Abrissfirma Höfling habe Steinheimer geraten: „Sie müssen die Wand schnellstmöglichst verputzen.“ Die Rentnerin plagen derzeit schlaflose Nächte, sie wirkt verzweifelt: „Ich möchte, dass mir die Sanierung bezahlt wird“, sagt Steinheimer. „Schließlich ist das ja nicht meine Wand, die sie stehengelassen haben“ – einen Teil der Hausmauer habe die Abrissfirma wegen der Statik belassen. Ein Baugerüst könne derzeit nicht an ihre Wand gestellt werden – der darunter liegende Keller ist mit Schutt gefüllt, sagt Steinheimer kopfschüttelnd.

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Sie hatte schon mehrmals aus eigener Tasche Sanierungen bezahlt, etwa ihrer Küche, weil von der Seite des „Schandhauses“ aus Feuchtigkeit in ihre Räume gedrungen war. Auch hatte die Rentnerin mehrmals per Einschreiben versucht, die Reparaturen der Eigentümerin in Rechnung zu stellen. Doch wie zuvor der Kreis, so lief auch sie mit ihren Bitten ins Leere. Provisorisch hatte die Baufirma nach dem Abriss vergangene Woche ihr Dach und den oberen Teil der Seitenwand mit einer Plane gegen Nässe bedeckt und mit Holzlatten beschwert. Für Nachbar Ertrich ein Witz: „Bei einem Windstoß fliegt die Plane weg. Das ist alles halbherzig.“ Ihn verwundere zudem, warum die Baufirma gestern den Schutt nicht gleich mitgenommen habe, als sie eine Sichtschutzplane an den Bauzaun angebracht hatte. „Die Lkw waren ja da.“

Egenolf entgegnet, der Schutt, darunter fünf Öltanks, müsse sortiert beseitigt werden: „Dafür holen wir Kostenvoranschläge ein.“ Und da schaue man genau hin. Schließlich habe die Gefahrenbeseitigung – der Abriss – die klamme Kreiskasse schon viel Geld gekostet. Wie der Kreis, müsse auch Steinheimer das Geld von der Besitzerin einfordern.

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