Ärger über „übereifrigen“ Knöllchenschreiber

Gäste gehen auf „Sheriff“ los

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Auf der einen Seite entlang der KM-Passage herrscht Parkscheibenpflicht, auf der anderen sind die Stellplätze frei.

Dietzenbach - Ärger gibt es schon länger an der KM-Passage: Wegen Parkplatznot, fehlender Ladezonen und zu vielen Knöllchen, berichten die Anlieger, die sich im Stich gelassen fühlen. Das Ordnungsamt sieht das anders. Von Ronny Paul 

An der Einkaufszeile in Steinberg, der sogenannten KM-Passage, herrscht Unmut. Das Problem ist mehrschichtig. Es geht um fehlende Ladezonen, Parkplatzknappheit, gefühlte Nicht-Unterstützung von Stadt und Gewerbeverein und um einen „übereifrigen Parkplatzwächter“. Die dort ansässigen Steinberger fühlen sich benachteiligt. Warum? Entlang der Offenbacher Straße, angrenzend an den Steinberg-Kreisel, gibt es unter anderem Ärzte, Steuerberater, eine Bäckerei, eine Pizzeria, einen Metzger, ein Reisebüro, einen Friseur und einen Blumenladen. Vor den Geschäften sind zwei Arten zu parken möglich: Parktaschen, für die wochentags zwischen 8 und 19 Uhr und samstags zwischen 8 und 14 Uhr für zwei Stunden Parkscheibenpflicht gilt, und parallel zur Offenbacher Straße kostenlose Parkbuchten. Allen dort Ansässigen sind die Kontrollen ein Dorn im Auge. Genauer gesagt ein „Sheriff“, wie die Steinberger ihn nennen, der schneller aufschreibt und Knöllchen verteilt, als es den Anliegern lieb ist. Oder sie nennen ihn Django. „Er ist bös’, dreist und legt sich mit allen an.“ Das schildert Steuerberater Bernd Heilmann. „Vor 14 Tagen sind alle Gäste auf den Sheriff los“, berichtete Michael Knapp, Inhaber der Metzgerei am Steinberg, vor einer Woche.

In dem Moment, als es in Knapps Metzgerei um den besagten Ordnungshüter geht, klinken sich Kunden ein: „Es ist beschissen, ich fahre fünfmal um den Block und finde keinen Parkplatz“, sagt Gabi Schoor. „Das ist deren Geldquelle“, ruft ein Kunde rein. Der Steinberger Dieter Engel schildert, ein Mann habe zum Ausladen mit offenem Kofferraum am Zuweg zur Tiefgarage gestanden und sei aufgeschrieben worden. Engel sei dann hin und habe gesagt, es werde nur kurz ausgeladen. Das habe den Ordnungshüter aber nicht interessiert. „Ordnung muss sein, aber wenn jemand nur auslädt...“ Engel pausiert kurz und schiebt ein „Unfassbar, so engstirnig“ nach. Metzger Knapp zuckt mit den Achseln und sagt: „Jeder, der kommt, kann was berichten.“ Ihm selbst sei es passiert, dass der „Sheriff“ um 7.50 Uhr bereits an seinem Auto stand und notiert habe. Auch um 18.45 Uhr sei er schon aufgeschrieben worden.

Vor allem in der Mittagszeit, wenn in der Metzgerei Hochbetrieb ist, komme er pünktlich und schreibe Kunden auf. Auch der Allgemeinmediziner Dr. Ingo Lüder-Lühr, der seine Praxis im ersten Stock hat, beschwert sich über die zu kurze Parkdauer von zwei Stunden. Schließlich könne es auch sein, dass seine Patienten mal länger warten müssten. Desiree März, die die KM-Brasserie betreibt, sagt, die Ordnungshüter hätten keine Empathie: „Das Schlimmste ist, wir können nichts ausladen.“ Das beklagt auch der Blumenhändler Bert Catsburg, der den Fliegenden Holländer betreibt. Im Winter habe er mangels Ladezone Probleme, seine kälteanfällige Ware schnell genug auszuladen. Metzger Knapp: Er habe das „Gefühl, es geht gegen die Geschäftsleute“. Und kritisiert Stadt, Wirtschaftsförderung und Gewerbeverein dafür, dass sie nichts gegen die Situation tun.

Und tatsächlich schwelt der Ärger schon länger, Gespräche und Austausch unter den verschiedenen Parteien gab es bereits. Doch mit den Aussagen konfrontiert, nimmt Ordnungsamtschef Markus Hockling die Ordnungshaltenden in Schutz: Deren Job sei es nicht zu diskutieren. Es sei oft so, dass Autofahrer die Parkscheibe nicht einlegen oder falsch einstellen. „Gibt es eine mündliche Verwarnung, ist er ein guter Kerl, gibt’s ein Knöllchen, ist er ein böser.“ Dabei sei nicht derjenige böse – die Stadt engagiert zur Verkehrsüberwachung eine externe Firma –, der was falsch macht, sondern der, der das ahndet. Früher habe es an der KM-Passage viele Dauerparker gegeben, berichtet Hockling. Als dann 2013 die Parkscheibenregelung und 2017 eine Ausweitung dieser erfolgten, seien viele glücklich und zufrieden gewesen. Auch der Gewerbevereinsvorsitzende Guido Kaupat begrüßt diese Regelung, weil die Stellplätze nicht mehr dauerhaft blockiert werden. Auch habe der An- und Ablieferverkehr die Möglichkeit, kurzfristig dort zu parken, und Arztbesuche dauerten in den meisten Fällen nicht länger als zwei Stunden. Kaupat betont zudem: „Angesichts leerer Tiefgaragen und fehlgenutzter Privatgaragen im Steinberger Gebiet ist diese Maßnahme aus Sicht des Einzelhandels und der Gastronomie zusätzlich zu begrüßen.“ Die Gewerbetreibenden sollten die Kunden auf die Parkscheiben hinweisen, betont Kaupat, denn es sei selbstverständlich, dass die Stadt die Einhaltung der Parkregeln kontrolliere und gegebenenfalls sanktioniere. Hockling weist ebenso daraufhin, dass Stellplatznachweise mit der Baugenehmigung einhergehend waren. So müssten die Anlieger und Geschäftstreibenden in der Tiefgarage – was wohl einigen zu teuer sei – und nicht auf der Straße parken, betont der Ordnungsamtschef. „Viele nutzen ihre eigenen Parkplätze nicht.“ Dass es Provision für die Knöllchensteller gebe, verneint er entschieden.

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Es gebe die Möglichkeit, Ladezonen im öffentlichen Verkehrsraum anzuordnen, dadurch würden aber wieder Parkplätze wegfallen. Was dann passiert, habe sich vor einigen Wochen gezeigt, als zwei Behindertenparkplätze an der Zeile eingerichtet wurden, schildert Hockling. Da seien die Mitarbeiter im Ordnungsamt beschimpft worden, was das denn solle, dass man Parkplätze wegnehme. „Richten wir eine Ladezone ein, würden wir den öffentlichen Verkehrsraum zugunsten einiger weniger verringern.“ Was wohl die Anlieger nicht zufrieden stellen wird. Weitere Gespräche werden nicht folgen. Hockling: „Wenn sich alle an die Spielregeln halten, ist alles in Ordnung.“

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