Akte Borngasse 23 geschlossen

+
Viele sehen es nur noch als „Schandfleck“ an, das Haus Borngasse 23.

Dietzenbach ‐ Das Fachwerkhaus in der Borngasse 23 verkommt zur Ruine – sehr zum Ärger der Nachbarn. Seitdem die Stadt vor sechs Jahren alles ihr Mögliche getan hatte, um die im Ausland lebende Eigentümerin ausfindig zu machen und sie zu einer Instandsetzung des Gebäudes zu bewegen, hat sich nichts mehr getan. Von Fabian El Cheikh und Carolin Henneberg

„Wir haben viele Anläufe gemacht, doch eine Sanierung hat sie abgelehnt“, erinnert sich Ex-Bürgermeister Stephan Gieseler, der heute Direktor des Hessischen Städtetages ist. Die Deutsche Stadt- und Grundstückentwicklungsgesellschaft hätte damals das Häuschen gerne in den Sanierungsplan für die Altstadt aufgenommen. Doch in diesem Fall war die Sanierungsmaßnahme nie zustande gekommen, und so strahlten die Nachbarhäuser bald darauf in neuem Glanz, während sich dazwischen weiter Berge von Müll und Schrott in der Ruine auftürmten. Anwohnerin Helga Steinheimer beklagte darüber hinaus, dass bei starkem Wind immer wieder lose Dachziegel ihr eigenes Dach beschädigten. „Wir haben sogar schon Wasser in der Küche gehabt“, erinnert sie sich wütend.

Für den Kreis Offenbach ist die Akte Borngasse 23 längst erledigt. Wie Pressesprecherin Kordula Egenolf auf Anfrage mitteilte, habe der Kreis 2006 ein Nutzungsverbot ausgesprochen und entsprechende Sicherungen veranlasst, so dass von dem Grundstück „keine Gefahr für Dritte“ ausgehe. Ein Risiko für „Leib und Leben“ bestehe „nach Aktenlage“ nicht, weshalb man heute wie damals auch nicht mit „Gefahr in Verzug“ argumentieren könne. Da ein Abriss auch aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage komme, bleibe nur die Sanierung: „Wir können zwar den Besitzer auffordern, dass er tätig wird, de facto muss er aber nicht handeln, wenn er es etwa finanziell nicht kann.“ Jeden Handschlag, den der Kreis tätige – etwa eine Sanierung in Eigenregie –, müsse letztlich der Steuerzahler tragen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare